Unterstützer der albanischen Opposition nehmen in Tirana an einem Protestmarsch gegen die Regierung teil. | Bildquelle: AP

Oppositionsmarsch in Tirana Protest gegen Albaniens "korrupte Regierung"

Stand: 05.03.2019 16:03 Uhr

Tausende haben in Tirana gegen Edi Ramas Regierung protestiert - sie werfen ihr Korruption und Verbindungen ins Drogenmilieu vor. Albanien hofft noch in diesem Jahr auf Beitrittsverhandlungen mit der EU.

Aus Protest gegen die sozialistische Regierung von Edi Rama sind in der albanischen Hauptstadt Tirana Tausende Menschen auf die Straße gegangen. Die Demonstranten warfen dem Regierungschef und seinen Ministern Korruption und Verbindungen zum organisierten Verbrechen vor. Sie forderten den Rücktritt von Rama, der bei der Wahl im Juni im Amt bestätigt worden war.

Journalisten vor Ort schätzten die Zahl der Teilnehmer auf mehr als 10.000. Die Organisatoren des Marsches sprachen sogar von bis zu 300.000 Teilnehmern. Die Polizei wollte keine Schätzung abgeben. Sie hatte rund 1500 Beamte im Einsatz.

Albanien - das "Kolumbien Europas"

Organisiert wurde die Kundgebung von Oppositionsparteien. Sie werfen Ramas Regierung lukrative Verbindungen zu albanischen Cannabis-Händlern vor. "Rama hat Albanien zur Heimat des organisierten Verbrechens und der Drogen gemacht", sagte der Vorsitzende der Demokratischen Partei, Lulzim Basha, in seiner Rede vor den Teilnehmern. Er müsse zurücktreten und den Weg für Neuwahlen freimachen.

Demonstranten zeigten unter anderem Plakate mit dem Konterfei von Ramas früherem Innenminister Saimir Tahiri. Gegen ihn laufen seit einigen Monaten Ermittlungen wegen möglicher Kontakte zu einem internationalen Cannabis-Händlerring. Albanien gilt als eines der korruptesten Länder und wird wegen des nach wie vor weit verbreiteten Hanfanbaus als "Kolumbien Europas" bezeichnet.

Rama hofft auf Beitrittsgespräche noch 2018

Rama weist alle Vorwürfe von sich. Vor einigen Tagen hielt er der Opposition vor, mit den Protesten die Eröffnung von Beitrittsverhandlungen mit der EU stören zu wollen. Rama hofft auf einen Beginn der Gespräche noch in diesem Jahr.

Auf Drängen der EU hatte das Land 2016 eine Justizreform verabschiedet, die der weit verbreiteten Korruption und dem organisierten Verbrechen Einhalt gebieten soll. Das 2,9-Millionen-Einwohner-Land zählt zu den ärmsten in Europa.

Seit Jahrzehnten bekämpfen sich in dem NATO-Land Sozialisten und Konservative. Erst im vergangenen Juni waren nach intensiver Vermittlung der USA und der EU Parlamentswahlen möglich geworden.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 27. Januar 2018 um 22:00 Uhr in den Nachrichten.

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