Touristen auf Mallorca | Bildquelle: AP

Sauftourismus auf Mallorca Keine Happy Hour auf Malle

Stand: 17.01.2020 18:37 Uhr

Im Kampf gegen den Sauftourismus setzt Mallorca auf strengere Regeln. Ein neues Gesetz nimmt vor allem die Hotelbesitzer in die Pflicht. Der Alkoholausschank in den Partyhochburgen wird massiv eingeschränkt.

Von Marc Dugge, ARD-Studio Madrid

Noch ist es leer an der Playa de Palma. Im Meer sind vor allem Kitesurfer unterwegs, auf der Strandpromenade Jogger. Und der Sand ist noch nicht mit Sangria-Eimern bedeckt, sondern mit kleinen Hügeln aus Seegras. Ab der Sommersaison soll es hier anders aussehen als bisher. Das hat Iago Negueruela, der Tourismusminister von Mallorca, jetzt angekündigt. Und er meint es bitterernst. "Die Balearen werden zum ersten Reiseziel in Europa, das den Exzess-Tourismus bekämpft", sagt er.

Eine Kampfansage an die Veranstalter, die auf Alkoholtourismus setzen. Happy Hours, organisierte Kneipentouren oder "all-you-can-drink"-Angebote sollen ein für alle Mal der Vergangenheit angehören: "Sie schaden unserem Image. Es sind Praktiken, die unsere Mitbürger besorgen, die sich auf deren Gesundheit und Sicherheit auswirken - ebenso wie auf die der Touristen.“

Es sind vor allem zwei Zonen, die lange das Image von Mallorca als Insel des Sauftourismus geprägt haben: Die Playa de Palma mit El Arenal, in Deutschland auch als Ballermann bekannt. Und Magaluf, das Feierparadies der Briten. Auf der Nachbarinsel Ibiza ist das Westende von Sant Antoni die Partyzone.

Werbeverbot in den Partyzonen

An diesen drei neuralgischen Punkten gelten ab kommender Woche strenge Regeln, so der Minister. "Werbung, die zum Alkoholkonsum anstiften soll, ist verboten. Außerdem müssen Automaten und Geschäfte, die Alkohol verkaufen, ab 21.30 Uhr geschlossen sein."

Das neue Gesetz regelt etwa für All-Inklusive-Hotels sehr genau, was und wie viel serviert werden kann: So sind drei kostenlose alkoholische Drinks pro Person zum Mittag- und Abendessen in Ordnung. Zwischen den Essenszeiten darf allerdings kein kostenloser Alkohol angeboten werden. Wer etwas trinken will, muss dafür bezahlen - und zwar immer zum gleichen Preis. Sonderaktionen wie etwa "Zwei Bier für Eins" sind verboten.

Für die Anwohner ist das eine Genugtuung. Biel Barceló engagiert sich für den Nachbarschaftsverein an der Playa de Palma: "Das ist eine klare Botschaft, damit sich die Dinge ändern. Mal sehen, ob es dieses Mal gelingt. Die Unternehmer werden sich anpassen müssen. Ich hoffe, dass sie begreifen, dass wir das Potenzial haben, auch so weiter Geld zu verdienen - und wir zur Referenz unter den Mittelmeer-Urlaubsorten werden können".

Viele Hotels ziehen mit

"Auch die Hoteliers ziehen mit", sagt Isabel Vidal, Vorsitzende des Hotelverbands an der Playa de Palma. "Wir hoffen, dass dieser Exzess-Tourismus in Palma verschwindet. Das Ziel ist klar: Wir wollen einen hochwertigeren Tourismus an der Playa de Palma, mit dem man sich hier auf sehr viel zivilisiertere Weise vergnügen kann. Sicher gibt es Hotels, denen das nicht gefällt. Sie werden mit dem Gesetz ihr Geschäftsmodell ändern müssen. Aber an der Playa de Palma gibt es sowieso nur noch wenige davon.“

Tatsächlich hat sich an der Playa de Palma viel verändert, es sind neue Luxushotels entstanden. Doch die Partymeilen gibt es nach wie vor - und die Alkoholexzesse auch. Ankündigungen, härter gegen diese Exzesse durchzugreifen, hörte man auf Mallorca schon öfter. Bisher mussten vor allem Touristen Strafen fürchten, die Alkohol am Strand oder auf der Straße tranken - außerhalb der Bars. Mit dem neuen Gesetz nimmt die Regionalregierung jetzt die Hotel- und Ladenbesitzer in die Pflicht. Wer sich nicht an die Regeln hält, dem drohen Strafen bis zu 600.000 Euro. Der Sommer wird zeigen, wie hart die Polizei wirklich durchgreift.

Keine Happy Hour mehr: Mallorca geht weiter gegen Sauftourismus vor
Marc Dugge, ARD Madrid
17.01.2020 17:44 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 17. Januar 2020 um 13:33 Uhr.

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