Amanda Gorman Über Nacht zum Poesie-Superstar

Stand: 23.01.2021 03:24 Uhr

Amanda Gorman trug bei der Amtseinführung von Präsident Joe Biden ein Gedicht vor, das die ganze Welt berührt hat. Seither wurde die 22-Jährige zum Superstar. Ihre Bücher stehen auf den ersten Plätzen der Amazon-Bestsellerliste.

Von Katharina Wilhelm, ARD-Studio Los Angeles

Knapp sechs Minuten dauerte Amanda Gormans Gedicht bei der Vereidigung des neuen Präsidenten Joe Biden. Sechs Minuten, die nicht nur die Welt beeindruckten, sondern auch die Welt der 22-jährigen Kalifornierin nachhaltig verändert haben. Millionen neuer Fans auf ihrem Social Media Account, Glückwünsche von Ex-Präsidenten wie Barack Obama und anderen Prominenten trudeln minütlich ein.

Sie könne das alles noch nicht so verarbeiten, erzählt sie Talkshow-Moderator James Corden, der sich, wie viele andere, um ein Interview mit ihr gerissen hat. 

"Mein Telefon brennt wie Feuer! Es hat vor drei Stunden aufgegeben. Es war eine so große Ehre, die jüngste Dichterin bei einer Amtseinführung zu sein, aber es war noch mehr als das, größer als ich. Ein Moment für das Land und die Welt, endlich nach vorne zu schauen."

Amerikanische Geschichte und ihre eigene

Ihr Gedicht, kraft- und gefühlvoll vorgetragen, heißt „The hill we climb“ zu Deutsch "Der Hügel, den wir erklimmen". Es geht um die Schrecken und Probleme vergangener Jahre und Wochen in den USA - um die Demokratie, die angegriffen wurde, die man aber nicht zerstören könne, so Gorman in ihrem Gedicht.

Amanda Gorman verwebt in dem Gedicht amerikanische Geschichte mit ihrer eigenen. So erzählt sie, dass sie als schwarzes Mädchen von Sklaven abstammt, Tochter einer alleinerziehenden Mutter ist. Dass sie davon träume, eines Tages selbst Präsidentin zu werden. So verbindet sie dunkle Kapitel der US-Geschichte mit einer neuen Hoffnung.

Mit Poesie die Sprachstörung überwunden

Gorman stammt aus Los Angeles, wächst dort mit zwei Geschwistern auf. Sie leide unter einer Sprachstörung, die sie mit Hilfe der Poesie überwinden könne, erklärt sie CNN-Moderator Anderson Cooper.  

"Fast mein ganzes Leben, bis vor zwei bis drei Jahren konnte ich den Buchstaben R kaum aussprechen. Auch heute habe ich damit manchmal noch Probleme. Ich habe das Schreiben als eine Art Ausdruck meiner selbst genutzt, und das laute Vortragen meiner Gedichte habe ich geübt, bis ich diese Buchstaben aussprechen konnte, die so lange ein Hindernis für mich waren."

Die Kraft ihre Worte beschert ihr schon früh Erfolge: Mit 16 Jahren gewann Amanda Gorman ihren ersten Lyrik-Preis. 2017 wurde sie von der US-Kongressbibliothek als "National Youth Poet Laureat" ausgezeichnet, eine ganz besondere Ehre.

Gorman hat bereits mehrere Bücher verfasst

Mit nun 22 Jahren hat sie auch schon eigene Bücher verfasst, darunter mit "Change Sings" ein Buch mit Texten für Kinder, das sie schon mit Blick auf einen damals noch unklaren Wahlausgang geschrieben hatte. 

"Ich habe 'Change Sings' vor einem Jahr geschrieben. Ich dachte, im Januar 2021 brauchen Kinder entweder etwas, was sie auffängt oder etwas, mit dem sie den Wandel nachvollziehen können, den wir nun sehen. Sie sollen sich als jemand wahrnehmen, der Veränderung erreichen kann."

Auch ein Gedichtband, in dem auch das Gedicht der Amtseinführung zu finden ist, kann bereits vorbestellt werden. Beim Online-Händler Amazon schossen die Bücher innerhalb weniger Stunden auf die ersten Plätze der Bestsellerliste.

Person der Woche: Amanda Gorman
Katharina Wilhelm, ARD Los Angeles
23.01.2021 06:38 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 23. Januar 2021 um 09:12 Uhr.

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