Gerodete Fläche im Regenwald von Brasilien | Bildquelle: AFP

Amazonas-Regenwald Kahlschlag auf Zehn-Jahres-Hoch

Stand: 19.11.2019 12:07 Uhr

Brasiliens Regierung gibt sich gelassen, doch Umweltschützer sind alarmiert und fühlen sich bestätigt. Die Abholzung des Amazonas-Regenwaldes hat im vergangenen Jahr stark zugenommen - um fast 30 Prozent.

Die Zerstörung des Amazonas-Regenwaldes in Brasilien hat sich im vergangenen Jahr massiv beschleunigt. Nach Zahlen, die das staatliche Weltrauminstitut INPE veröffentlichte, wurden zwischen August 2018 und Juli 2019 seien insgesamt 9762 Quadratkilometer Wald zerstört. Das entspreche einem Anstieg von fast 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Über dem aktuellen Wert, der etwa der Hälfte der Größe Rheinland-Pfalzs entspricht, lag die Abholzung zuletzt 2008. Die Daten stammen von Satellitenaufzeichnungen.

"Direkte Konsequenz"

Die Zahlen bestätigen die Befürchtungen von Umweltschützern. Der Verband WWF machte die Regierung des rechtsextremen Präsidenten Jair Bolsonaro für die Entwicklung verantwortlich. Sie vollziehe sich "nicht zufällig", sondern sei die "direkte Konsequenz" der Politik der Regierung Bolsonaro. Dieser habe die betroffenen Gebiete "de-facto zum Abschuss freigegeben", sagte der Brasilien-Referent Roberto Maldonado.

Bolsonaro hatte sich schon vor seiner Wahl für eine Lockerung von Vorschriften zum Schutz von Naturschätzen und Gebieten von Ureinwohnern ausgesprochen hat, um die Wirtschaft voranzubringen. Unmittelbar nach seinem Amtsantritt zu Beginn des Jahres kündigte er an, Schutzgebiete für die Ausbeutung freizugeben. Im Sommer wurden im Amazonas-Gebiet die schwersten Brände seit 2010 verzeichnet. Sie ließen im September aber nach. Nach Einschätzung der Behörde INPE entstehen die Brände meist bei Brandrodungen.

Umweltminister erkennt keine Dramatik

Umweltminister Ricardo Salles relativierte die Zahlen bei der Vorstellung des Berichts. Die Abholzung steige bereits seit 2012, sagte er nach Berichten der Zeitung "O Globo" (Online). Zugleich kündigte er Maßnahmen gegen die illegale Rodung an. Ein Großteil der Probleme stamme jedoch aus Amtszeiten früherer Regierungen.

Bolsonaro hat immer wieder den INPE-Wissenschaftlern widersprochen und sie Lügner genannt, auch in Bezug auf die verheerenden Waldbrände im August, die er als normal bezeichnete.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 19. November 2019 um 11:15 Uhr.

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