Coronavirus in den USA Neue Mutante breitet sich in Kalifornien aus

Stand: 24.02.2021 18:10 Uhr

Nach den Corona-Mutationen aus Großbritannien und Südafrika ist in den USA eine weitere aufgetaucht: B.1.427, bzw. B.1.429. Eine Studie deutet nun offenbar darauf hin, dass die Mutante ansteckender und aggressiver sein könnte als der Wildtyp.

Forscherinnen und Forscher in den USA sind besorgt über eine neue Variante des Coronavirus, die sich im Bundesstaat Kailfornien ausbreitet. Sie war erstmals im Dezember von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Cedars-Sinai Medical Center in Los Angeles entdeckt worden. Sie wurde inzwischen auch in anderen US-Bundesstaaten nachgewiesen. Einzelne Fälle sind zudem in anderen Ländern aufgetaucht, etwa in Australien.

Ansteckender und aggressiver?

Eine Studie der University of Californa in San Francisco (UCSF) deutet nun offenbar darauf hin, dass die neu entdeckte Virus-Variante B.1.427, bzw. B.1.429 ansteckender sein könnte als der Wildtyp und möglicherweise heftigere Krankheitsverläufe auslöst. Das berichteten mehrere US-Medien unter Berufung auf Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.

Die Studie ist derzeit noch unveröffentlicht. Sie hat noch nicht den vor einer Publikation üblichen unabhängigen Prüfprozess durchlaufen. Der Zeitung "Los Angeles Times" zufolge wird sie derzeit von den lokalen Gesundheitsbehörden bewertet. Eine vorläufige Online-Publikation wird Ende der Woche erwartet.

Rund 2000 Proben sequenziert

Im Rahmen der Studie wurden laut dem Wissenschaftsmagazin "Science" rund 2000 Corona-Proben aus 44 kalifornischen Bezirken sequenziert. Sie stammen aus dem Zeitraum von September 2020 bis Ende Januar dieses Jahres. Ende Januar 2021 hatte die neue Virus-Variante demnach bereits einen Anteil von rund 50 Prozent - in Proben aus dem September war sie nicht enthalten. Über den gesamten Zeitverlauf konnte die neue Variante in 21,3 Prozent der Proben nachgewiesen werden. Die Mutante hat sich also in nur wenigen Monaten regional offenbar stark ausgebreitet.

Die Studie wertet außerdem die Krankheitsverläufe von 324 Menschen aus, die im Universitätsklinikum San Fransicso wegen Covid-19 behandelt wurden. Bei denjenigen, die mit der neuen Virus-Variante B.1.427/B.1.429 infiziert waren, war die Wahrscheinlichkeit, intensivmedizinisch behandelt werden zu müssen, demnach fast fünmal höher als bei mit dem Wildtyp Infizierten. Die Sterbewahrscheinlichkeit lag den Berichten sogar elfmal höher.

Offenbar hohe Viruslast bei Infizierten

Darüber hinaus zeigt die Studie dem Fachblatt "Science" zufolge, dass die Virenlast in den Nasen von mit der neuen Virus-Variante Infizierten doppelt so hoch ist wie gewöhnlich. Auch das könnte die Mutante ansteckender machen. Sie greift zudem offenbar menschliche Zellen aggressiver an und ist weniger empfindlich für gegen die Wildvariante gebildete Antikörper als andere Virus-Varianten. Das könnte letztlich auch die Effektivität von Impfstoffen beeinträchtigen.

"Diese Variante ist sehr besorgniserregend, weil unsere Daten zeigen, dass sie ansteckender ist, einen schweren Krankheitsverlauf wahrscheinlicher macht und wenigstens teilweise resistent gegen Antikörper ist", sagte Charles Chiu, Experte für ansteckende Krankheiten und Sequenzierung an der UCSF und Mitautor der Studie dem Magazin "Science". Er vergleicht die kalifornische Variante sogar mit der zuerst in Großbritannien entdeckten Mutante B 1.1.7., die sich dort und in anderen Ländern in den vergangenen Monaten extrem schnell ausgebreitet hatte.

"Science" zufolge bemängeln allerdings einige unbeteiligte Forscherinnen und Forscher die Aussagekraft der Studie aus San Francisco. Diese greife teilweise auf relativ kleine Datensätze zurück.

Neue Mutationen in Kalifornien - aber weniger Fälle
Katharina Wilhelm, ARD Los Angeles
25.02.2021 06:14 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 24. Februar 2021 um 19:43 Uhr.

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