Urteil im Floyd-Prozess Vielleicht ein Anfang

Stand: 21.04.2021 13:33 Uhr

In Minneapolis ist das grundlegende Gefühl nach dem Urteil im Prozess um den Tod von George Floyd: Erleichterung. Doch viele Bürger spüren auch, dass sich viel mehr im Zusammenleben ändern muss.

Von Torsten Teichmann, ARD-Studio Washington, zzt. Minneapolis

Aus Anspannung wird Erleichterung in den Straßen von Minneapolis. Autofahrer hupen, als sich vor dem Gerichtsgebäude die Nachricht verbreitet, dass Ex-Polizist Derek Chauvin wegen Mord zweiten Grades verurteilt worden ist. Es sei ein Glück, sagt Jordan Hurst, der auch auf die Straße gegangen ist, dass die Gerechtigkeit in Minneapolis eingekehrt ist.

Und dabei sei das Urteil nur ein Anfang, erklärt Del Shea Perry, aber ein Schritt in die richtige Richtung, mit dem sie persönlich Hoffnungen verbindet - sie kämpft seit drei Jahren darum, dass der Tod ihres Sohnes strafrechtlich untersucht wird, dass sich "die Gerechtigkeit durchsetzt".

 

Setzt sich etwas in Bewegung?

Polizeigewalt gegen Schwarze ist kein Einzelfall. Der Ausgang des Prozesses in Minneapolis aber weckt bei den Menschen vor dem Gericht, den Demonstranten und Aktivisten Hoffnung. Hoffnung, dass sich nach dem Mord an George Floyd in den USA etwas verändert haben könnte.

Die zwölf Geschworenen hatten Chauvin in allen Anklagepunkten für schuldig befunden. Der frühere Polizist hatte bei einer versuchten Festnahme dem schwarzen Amerikaner George Floyd neun Minuten und 29 Sekunden das Knie auf den Hals gedrückt, auch dann noch, als Floyd bereits bewusstlos am Boden lag.

Die ethnisch begründete Ungerechtigkeit in den USA sei nicht nur ein Problem für schwarze Amerikaner oder People of Color, sagt US-Vizepräsidentin Kamala Harris in einer ersten Reaktion auf das Urteil in Washington. "Es ist ein Problem für jeden Amerikaner. Es hält uns davon ab, das Versprechen von Freiheit und Gerechtigkeit für alle umzusetzen."

 

Eine andere Politik ist gefragt

Der US-Bundesstaat Minnesota ist ein gutes Beispiel: Vor allem Bewohner in den Städten sehen sich selbst als fortschrittlich, als offen und als vermeintlich ganz anders, als der Rest des Landes. "Minnesota nice!", heißt der Slogan. Aber das löse keine strukturellen Probleme, sagt Jamison Writing.

"Wenn man sich Wohneigentum, Bildung, Einkommensgrenzen anschaut, dann schneiden Afroamerikaner im Vergleich zu ihren weißen Mitbürgern im Staat Minnesota überall schlechter ab."

 

Zuhören, miteinander reden

Doch seit dem gewaltsamen Tod von George Floyd sprechen auch weiße Amerikaner wieder darüber. Zuhören, sagt Jordan Hurst, der sich als weiß und privilegiert beschreibt, sei die einzige Möglichkeit gewesen, um noch reagieren zu können:

"Alles was mir einfiel, war auf die Straße zu gehen, für die Gemeinschaft einzutreten. Und der Tod von Dante Wright vor gut einer Woche hat uns wieder auf die Straße gebracht."

Der schwarze Jugendliche Dante Wright war in einem Vorort von Minneapolis von einer Polizistin erschossen worden. Das Urteil im Chauvin-Prozess bringt Gerechtigkeit, aber es kann das System allein nicht verändern, sagen die Demonstranten vor dem Gerichtsgebäude in Minneapolis. Doch die Hoffnung auf Wandel haben sie gerade erst zurückgewonnen.

Reaktionen vor Gerichtsgebäude in Minneapolis
Torsten Teichmann, ARD Washington
21.04.2021 12:28 Uhr

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Über dieses Thema berichteten am 21. April 2021 die tagesschau um 09:00 Uhr und Deutschlandfunk um 12:25 Uhr.

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