QAnon-Verschwörungsanhänger Auf dem Weg zur etablierten Wählergruppe?

Stand: 04.03.2021 09:03 Uhr

Die rechtsextreme Verschwörungsbewegung QAnon geht davon aus, dass heute Trumps zweite Amtszeit beginnt - nicht die einzige abstruse Vorstellung. Im Lager der Republikaner wimmelt es von Anhängern.

Von Jule Käppel, ARD-Studio Washington

Heute könnte der Tag sein, an dem der "wahre" US-Präsident ins Amt kommt. Das glaubt der Republikaner Trevor Shell. "Ich würde gern sehen, dass Präsident Trump an diesem Tag seine Amtseinführung hat", sagt der Mitte-Dreißigjährige. Er trägt eine lustige Fliege in amerikanischen Nationalfarben und eine rote MAGA-Kappe auf dem Jahrestreffen der Konservativen in Orlando.

Die rechtsextreme Verschwörungsbewegung QAnon geht davon aus, dass heute Donald Trumps zweite Amtszeit beginnt. Der 4. März war bis 1933 der Tag der Amtseinführung für amerikanische Präsidenten. Erst danach wurde die Zeremonie auf den 20. Januar verlegt.

Trevor nimmt die Gruppe in Schutz: Er glaube nicht, dass sie extremistisch oder gewalttätig seien, wie es die Linken erzählen - sagt Shell. QAnon, so ist seine Überzeugung, sind "an etwas dran", das die Linken vertuschen wollen.

Eine Umfrage des Pew Research Centers zeigte Ende vergangenen Jahres, dass 41 Prozent der Republikaner denken, die rechtsextreme Gruppe sei "gut fürs Land". Ein Stimmungsbild, das sich auf dem Jahrestreffen der Konservativen leicht wiederfinden lässt.

 Glaube an "Schattenregierung"

QAnon versuchten die Wahrheit herauszufinden, sagt Myra Kinser aus Indiana. Freunde von ihr seien in der Bewegung. Sie finde es wichtig, dass QAnon zugehört wird. Twitter hatte zehntausende Accounts von QAnon-Unterstützern wegen antisemitischer, extremistischer Ansichten gesperrt.

Auch der 32-jährige Chaim Haberfeld aus New York war plötzlich offline: Von Twitter und Facebook habe man ihn verbannt, sagt der Republikaner. Nur weil er gesagt habe, der "Deep State" existiere. Ebenfalls ein Mythos im QAnon-Spektrum, wonach Trump gegen ein geheimes Machtnetzwerk gekämpft habe.

Eine Anhängerin von US-Präsident Trump hält ein QAnon-Schild hoch. | Bildquelle: AFP
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Eine Anhängerin von US-Präsident Trump hält ein QAnon-Schild hoch.

Haberfeld findet den Begriff "Theorie" unpassend: Das sei keine Theorie. Der "Deep State" sei eine Art Schattenregierung, installiert von Leuten wie dem früheren US-Präsidenten Barack Obama, erzählt er.

Für Mark Szuszkiewicz, einen anderen Republikaner mit Flaggenkopftuch, hat jede Verschwörungsüberlegung ihre Berechtigung. "Einige Verschwörungstheorien könnten richtig sein, andere nicht. Wer kann schon sagen, wie es ist?", sagt er. "Wir verlassen uns nicht auf Multi-Milliarden-Konzerne, die entscheiden. Faktenchecker, die sagen, was wahr ist und was nicht."

FBI beobachtet Qanon-Umtriebe

Im Lager der Republikaner wimmelt es von abstrusen Vorstellungen. Sie gehören fast schon zum Mainstream-Gedankengut der Ultra-Konservativen. Das "American Enterprise Institute" hat die Zahlen dazu. Mehr als ein Viertel der weißen amerikanischen Evangelikalen und Republikaner glauben: Trump habe gegen eine weltweit agierende, satanische Elite gekämpft, die Kinder entführe, um ihr Blut zu trinken.

Zu diesen 27 Prozent gehört Colleen Hoffman: Sie habe Fotos und Videos gesehen, die geleakt worden seien - für sie "unbestreitbare Dinge". Einzelne republikanische Abgeordnete im US-Repräsentantenhaus stimmen in diesen Chor ein. Das Establishment rückt von ihnen ab.

Der Fraktionschef der Republikaner im Senat, Mitch McConnell, hat Verschwörungserzählungen mit einem "Krebsgeschwür" für die Partei verglichen. Sein Kollege im Repräsentantenhaus, Kevin McCarthy, distanzierte sich demonstrativ mit einem Aussprache-Problem. Statt "QAnon" sagte er "Q-on" und betonte: Die Bewegung sei anzuprangern. Er wisse nicht, ob er sie richtig ausspreche und was das genau sei.

Das FBI beobachtet die Gruppe akribisch, insbesondere heute. Denn Geheimdienstinformationen deuten darauf hin, dass Extremisten einen erneuten Sturm aufs Kapitol in Washington planten. Für den angeblichen Amtseinführungstermin des "wahren" Präsidenten wurden die Sicherheitsmaßnamen verschärft.

Über dieses Thema berichtete mdr aktuell am 27. September 2020 um 05:00 Uhr.

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