Impeachment-Prozess "Wir kämpfen für Trump"

Stand: 12.02.2021 07:44 Uhr

"Ich folge meinem Präsidenten und tue, wozu er uns aufgefordert hat" - die Demokraten haben zum Abschluss ihrer Impeachment-Anklage belastende Aussagen von Trump-Anhängern präsentiert. Nun hat die Verteidigung das Wort.

Von Jule Käppel, ARD-Studio Washington

Die Angreifer sollen in der tiefen Überzeugung gekommen sein, für ihren Präsidenten zu kämpfen, weil er sie angestiftet hat. Diesen Beweis wollten die Ankläger in ihren Schluss-Plädoyers zweifelsfrei erbringen. Nachdem sie am Vortag Donald Trumps Worte benutzt hatten, um seine Schuld zu belegen, ließen sie nun die Randalierer sprechen.

"Trump wird sehr glücklich sein"

"Wir wurden vom Präsidenten der Vereinigten Staaten eingeladen", brüllte ein wütender Anhänger vor dem Kapitol. Der Mob überwältigte die dortigen Polizisten mit dem Ziel, den Machtwechsel zu verhindern. Und fühlte sich dazu ermutigt und aufgerufen von Donald Trump. "Ich dachte, ich folge meinem Präsidenten und tue, wozu er uns aufgefordert hat", sagte eine Frau nach der Erstürmung.

Zu sehen waren auch Szenen glücklicher Trump-Anhänger im Büro eines Abgeordneten. Sie wollten ihrem Helden den Vorstoß in das Gebäude melden. "Lass uns Trump anrufen und ihm sagen, was los ist. Er wird sehr glücklich sein", sagen sie, und: "Wir kämpfen für Trump." Sie machten Selfies, filmten live, wie sie die Fenster einschlugen und posierten stolz mit ihren Trophäen.

Das Ziel: Schlimmeres zu verhindern

"All diese Leute, die verhaftet und angeklagt wurden, werden für ihre Taten zur Rechenschaft gezogen. Ihr Anführer, der Mann, der sie angestiftet hat, muss ebenfalls zur Rechenschaft gezogen werden", forderte daher die demokratische Abgeordnete Diana DeGette. Das Ziel dieses Amtsenthebungsverfahrens sei es nicht, zu bestrafen, sondern Schlimmeres zu verhindern, so die Argumentation der Anklage.

Denn am 6. Januar zeigte Trump keinen "unerwarteten Bruch seiner üblichen Gesetzestreue und friedlichen Gesinnung", wie die Demokraten erklärten: "Es war seine Geisteshaltung", sagte Chefankläger Jamie Raskin. Er arbeitete heraus, dass Trump von der Gewaltbereitschaft seiner Anhänger wusste. Der Ex-Präsident twitterte im Frühjahr "Befreit Michigan". Wenig später herrschte Randale im Parlamentsgebäude. Die Bilder wirken wie die Blaupause für die Attacke auf das Kapitol. "Wenn wir jetzt keine Grenze ziehen, was passiert als nächstes?", fragte der demokratische Abgeordnete. "Wie kommen Sie darauf, dass der Albtraum von Donald Trump und seinem gewalttätigen Mob vorüber ist?"

Wird er es wieder tun?

Eindringlich plädierten die Ankläger, den Ex-Präsidenten schuldig zu sprechen. Er habe seinen Amtseid gebrochen, das Land zu beschützen und werde es wieder tun. Denn als "vollkommen angemessen" hatte Trump sein Verhalten am 6. Januar selbst bezeichnet. Chefankläger Raskin redete den Senatoren daher ins Gewissen: "Wenn er zurück ins Amt kommt und es wieder passiert, können wir niemandem die Schuld geben - nur uns selbst."

Nach der Anklage bekommt heute die Verteidigung Zeit für ihre Argumente. Unabhängig von ihrem Auftritt, ist ein Freispruch so gut wie sicher. Für eine Verurteilung müssten mindestens 17 republikanische Senatoren mit den Demokraten stimmen. Danach sieht es nicht aus. 

 

Impeachment: So endete die Beweisführung der Demokraten
Jule Käppel, ARD Washington
12.02.2021 07:09 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 12. Februar 2021 um 06:16 Uhr.

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