Lage in Myanmar "Ein Blutbad steht unmittelbar bevor"

Stand: 01.04.2021 03:25 Uhr

Die Sorgen vor einem Bürgerkrieg in Myanmar mehren sich. Der UN-Sicherheitsrat kann sich bislang aber zu keiner Erklärung durchringen. Stattdessen beobachte man die Lage und arbeite an Wegen, die Gewalt zu beenden.

Von Antje Passenheim, ARD-Studio New York

"Ein Blutbad steht unmittelbar bevor". Es waren eindringliche Worte der UN-Sondergesandten für Myanmar. Vor einem Bürgerkrieg warnte Christine Schraner Burgener den Sicherheitsrat, sollte der nur darauf warten, dass die Militärjunta bereit sei, zu reden. Doch das ersehnte Signal der Mitgliedstaaten konnte die Schweizer Diplomatin auch mit diesem Appell noch nicht erringen.

"Wir werden die Lage weiter streng beobachten", erklärte die britische UN-Botschafterin Barbara Woodward nach der mehrstündigen geschlossenen Sitzung. Die internationale Gemeinschaft arbeite weiterhin an Wegen, um die Gewalt in Myanmar zu beenden, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen und den Weg zurück zur Demokratie zu ebnen.

Auswirkungen in der gesamten Region

Als positives Signal gilt dabei, dass sich dafür auch Chinas UN-Botschafter aussprach. Peking hoffe, dass Myanmar den Frieden, die Stabilität und die verfassungsmäßige Ordnung baldmöglichst wiederherstelle und den demokratischen Übergang vorantreibe. Das ließ Zhang Jun nach dem Treffen mitteilen. Sanktionen gegen das asiatische Land schloss er aber aus. Sie würden die Spannungen lediglich verschlimmern. Auch China sieht demnach die Gefahr, dass anhaltende Unruhen die gesamte Region erschüttern könnten.

Auch Woodward warnte: "In der Tat. Wir beobachten Auswirkungen auf Nachbarländer. Rund 3000 Menschen sind infolge der Gewalt vom vergangenen Wochenende nach Thailand geflüchtet."

Appell von Guterres nach blutigem Wochenende

Am bislang blutigsten Tag der Proteste seit dem Umsturz wurden am vergangenen Samstag nach UN-Angaben mindestens 107 Menschen getötet - darunter sieben Kinder. UN-Generalsekretär António Guterres hatte die internationale Gemeinschaft zu mehr Einigkeit gegenüber der Militärjunta in Myanmar aufgerufen. Es sei absolut inakzeptabel, Gewalt gegen Menschen von einem derartigen Ausmaß zu sehen.

Auch die UN-Botschafterin der USA, Linda Thomas-Greenfield, mahnte: Der Sicherheitsrat müsse seine Anstrengungen verdoppeln, um der Gewalt in Myanmar ein Ende zu setzen.

"Wir können nicht zurücktreten und all das geschehen lassen. Wir müssen weiter nach vorne drängen."

Die Sitzung hinter verschlossenen Türen war auf Antrag Großbritanniens angesetzt worden. Aus Diplomatenkreisen hieß es anschließend: China habe bei dem Treffen darum gebeten, die Entscheidung über eine von Großbritannien eingereichte Erklärung auf heute zu vertagen.

UN-Sicherheitsrat weiter uneinig über Vorgehen in Myanmar
Antje Passenheim, ARD New York
01.04.2021 06:57 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 01. April 2021 um 00:00 Uhr.

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