Angriff auf Massagesalons Was steckt hinter der Tat von Atlanta?

Stand: 17.03.2021 19:47 Uhr

Acht Tote, sechs davon mit asiatischen Wurzeln - noch ist das Motiv des Schützen von Atlanta völlig unklar. Trotzdem ist eine Debatte über Hass auf asiatischstämmige Bürger entbrannt.

Julia Kastein, ARD-Studio Washington

"Wir haben die Schüsse gehört auf der anderen Straßenseite", erzählt die Zeugin einem CNN-Reporter, hinter sich die mit Polizeiband abgesperrte pinke Baracke des Massagestudios "Gold Spa". Hier waren Stunden vorher drei Frauen erschossen worden. "Das waren so nette Mädchen", sagt die Frau noch, "sie haben tolle Massagen gegeben. Es ist wirklich bedauerlich."

Der Schock ist groß am Morgen danach: Binnen einer Stunde hatte der mutmaßliche Täter acht Menschen in drei Massage- und Wellness-Spas im Großraum Atlanta getötet - sieben davon Frauen, sechs mit asiatischen Wurzeln. Danach flüchtete er per Auto.

Mutmaßlicher Täter festgenommen

Die Polizei konnte ihn erst nach einer dreistündigen Verfolgungsjagd über 240 Kilometer stellen und festnehmen, sagt Jay Baker von der Polizei in Cherokee County, nördlich von Atlanta. In seinem Landkreis hatte der Täter, der dort auch lebte, zuerst zugeschlagen und zwei Frauen und zwei Männer getötet, ein weiterer wurde verletzt: "Er ist jetzt unter Arrest. Sie konnten ihn stoppen und ohne Probleme festnehmen."

Frage nach dem "Warum"

Die Polizei geht von einem Einzeltäter aus. Sein Motiv sei noch unklar, sagt der Polizeichef von Atlanta, Rodney Bryant, bei einer Pressekonferenz am Tag danach: "Wir sind gefragt worden, ob das ein Hassverbrechen ist. Aber wir sind noch ganz am Anfang. Wir können das noch nicht sagen."

Noch in der Nacht war der Tatverdächtige vernommen worden, so Frank Reynolds, Sheriff von Cherookee County. Dabei habe er Hinweise auf Probleme gegeben und dass er möglicherweise sexsüchtig sei. "Und dass er vielleicht Kunde in diesen Salons war. Aber es ist noch zu früh, wir stehen noch ganz am Anfang."

Im Verhör habe der mutmaßliche Todesschütze auch gesagt, sein Fluchtziel sei Florida gewesen. Dort wollte er weitermorden, wenn er nicht gestoppt worden wäre. Am Donnerstag soll der mutmaßliche Täter dem Haftrichter vorgeführt werden.

Mehr Gewalt gegen asiatischstämmige Bürger

In den USA wird längst über ein rassistisch motiviertes Verbrechen spekuliert. Auch weil die Zahl der verbalen und gewalttätigen Angriffe auf asiatischstämmige Bürger während der Pandemie dramatisch angestiegen ist. Über 3000 waren es zwischen März 2020 und Februar 2021 - ein Anstieg um fast 2000 Prozent. Der mutmaßliche Täter selbst bestreitet allerdings, aus rassistischen Gründen gehandelt zu haben.

US-Präsident Biden, der bereits über die Ereignisse in Atlanta am Morgen unterrichtet wurde, hatte in einer Ansprache vergangene Woche die Angriffe auf asiatischstämmige Bürger als unamerikanisch verurteilt. Das müsse aufhören - und zwar sofort.

Die ethnische Herkunft habe bei dieser Mordserie mit Sicherheit eine Rolle gespielt, sagt Cedric Alexander, ehemaliger Sicherheitschef von Fulton County, zu dem Atlanta gehört, bei CNN: "Menschen mit asiatischen Wurzeln werden in eine Schublade gesteckt und für die Pandemie verantwortlich gemacht. Obwohl das einfach falsch ist."

Der Schatten Trumps?

Die Organisation "Stoppt den Hass gegen Asiaten", die solche Übergriffe dokumentiert, nannte die Schüsse auf die asiatischstämmigen Frauen eine unfassbare Tragödie - für die Familien und alle Menschen mit asiatischen Wurzeln in den USA. Wie viele in den USA macht die Gruppe Ex-Präsident Trump für die insgesamt steigende Gewalt verantwortlich. Weil er immer wieder China direkt für die Pandemie verantwortlich gemacht und vom "China-Virus" und "Kung Flu" gesprochen hatte.

Egal, was das Motiv, das sei ein tragischer Tag für Atlanta, erklärte die Bürgermeisterin der Stadt, Keisha Lance Bottoms: "Ob es nun sinnlose Gewalt auf der Straße oder gezielte Gewalt wie in diesem Fall ist. Ein Angriff auf jede Gruppe von Menschen ist ein Angriff auf uns alle."

Morde in asiatischen Wellness-Salons im US-Bundesstaat Georgia
Julia Kastein, ARD
17.03.2021 19:56 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 17. März 2021 um 18:21 Uhr.

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