Helfer verteilen Lebensmittel in der US-Stadt Baltimore. | Bildquelle: AFP

Pandemie Die US-Coronakrise wird zur Hungerkrise

Stand: 09.12.2020 03:25 Uhr

Die wirtschaftliche Not bei Millionen US-Bürgern in der Corona-Krise ist riesig. Rund 50 Millionen Menschen in den USA hungern und sind auf Lebensmitteltafeln angewiesen. Und täglich werden es mehr.

Von Claudia Sarre, ARD-Studio Washington

Vor den Essensausgabestellen der Tafeln bilden sich vielerorts in den USA lange Schlangen. In Metairie, einem Ortsteil von New Orleans, stehen hunderte Autos die ganze Nacht an, wie auf Bildern der Nachrichtenagentur AP zu sehen ist. In einem der Autos sitzen Norman Butler und seine Freundin. 

Es sind 150, 200 Autos, die hier seit Mitternacht warten. Wenn man um 3 oder 4 Uhr morgens kommt, sind Autos da, und sie stehen an, bis geschlossen wird, sagt Norman Butler im AP-Interview. Jeder hier sorgt sich um seine nächste Mahlzeit.

In der Corona-Pandemie brechen die Einkommen weg

Wie viele Amerikaner nimmt auch Norman Butler zum ersten Mal in seinem Leben die Lebensmittelspenden der sogenannten Food Banks in Anspruch. Wegen der Corona-Pandemie hat er als Uber-Fahrer kaum noch Kunden. Dadurch fällt sein Einkommen weg. Ersparnisse hat er auch keine.  

Immer mehr US-Bürger wissen nicht mehr, wovon sie Miete, Strom und Nahrungsmittel bezahlen sollen. Rund 35 Millionen Amerikaner lebten schon vor der Corona-Krise von der Hand in den Mund. Laut der Organisation "Feeding America" haben mittlerweile fast 50 Millionen Amerikaner nicht genug zu essen. Vor allem Familien mit Kindern seien betroffen, sagt Lisa Scales von einer Lebensmitteltafel in Pittsburgh. In den letzten neun Monaten habe die Zahl der Bedürftigen um rund 50 Prozent zugenommen, erzählt sie auf NPR.

"Von den Menschen, die wir versorgen, sind über die Hälfte zum ersten Mal hier. Wir bekommen jeden Tag zig Anrufe von Leuten, die gerade arbeitslos geworden oder schon seit Monaten ohne Job sind. Und jetzt kommen sie an den kritischen Punkt, wo sie nichts mehr zu essen haben."

Wieder trifft es besonders die Minderheiten 

Wie immer sind vor allem Afro-Amerikaner und Latinos betroffen, die auch gesundheitlich besonders unter der Pandemie leiden. Und so schnell wird sich die Situation nicht ändern, sagt Norman Butler aus New Orleans.

"Es ist wirklich hart, eine Zukunft zu sehen. Außer es gibt ein staatliches Rettungspaket, mit dem sie uns aus der Patsche helfen."

Tatsächlich versuchen US-Senat und Repräsentantenhaus sich seit Wochen auf ein neues Corona-Hilfspaket zu einigen. Noch vor Weihnachten soll es verabschiedet werden. Mit dem rund 908 Milliarden Dollar könnten die Arbeitslosenhilfen fortgesetzt und die Not vieler Familien zumindest gemildert werden.

US-Coronakrise wird zur Hungerkrise
Claudia Sarre, ARD Washington
09.12.2020 07:15 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 09. Dezember 2020 um 09:20 Uhr.

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Claudia Sarre, NDR

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