Schwarzer getötet Tödlicher Schuss laut Polizei Versehen

Stand: 13.04.2021 00:43 Uhr

Nach der Tötung eines Afroamerikaners bei einer Polizeikontrolle nahe Minneapolis gab es Proteste. Laut dem Polizeichef handelte es sich um ein Versehen: Die Polizistin habe eine Elektroschockpistole benutzen wollen.

Der tödliche Schuss auf einen jungen Afroamerikaner in Brooklyn Center war nach Angaben der Polizei ein Versehen. Demnach verwechselte eine Beamtin ihre Pistole mit einem Taser. Die Polizistin habe eigentlich eine Elektroschockpistole und nicht eine Schusswaffe benutzen wollen, sagte der Polizeichef des Vororts von Minneapolis, Tim Gannon.

Bei der Pressekonferenz veröffentlichte die Polizei Bodycam-Aufnahmen vom Versuch der Festnahme des 20-jährigen Daunte Wright. Dabei ist zu hören, wie die Polizistin mehrfach "Taser" ruft, dann aber einen Schuss mit ihrer Dienstwaffe abgibt. "Die Beamtin hat ihre Schusswaffe anstelle ihres Tasers gezogen", sagte Gannon. Er sprach von einer "versehentlichen Schussabgabe" und einem "tragischen Tod".

Anruf bei der Mutter

Laut Polizei war Wright am Sonntag in seinem Wagen wegen eines mutmaßlichen Verkehrsdelikts angehalten worden. Weil ein Haftbefehl gegen ihn vorgelegen habe, hätten die Beamten versucht, ihn festzunehmen. Er sei jedoch in sein Auto gestiegen. Daraufhin fiel der tödliche Schuss. Das Auto fuhr den Angaben zufolge weiter, bevor es mit einem anderen Fahrzeug zusammenstieß.

Während des Zwischenfalls hatte Wright seine Mutter Katie angerufen. "Er war erst 20 Jahre alt und hat es nicht verdient, erschossen und auf diese Weise getötet zu werden", sagte diese, nachdem sie an den Unfallort geeilt war. "Er hat gesagt, die Polizei habe ihn angehalten. Ich habe ihn gefragt, warum und er hat gesagt, weil er Lufterfrischer an seinem Rückspiegel hängen hatte", so die Mutter. Mit Wright im Auto saß seine Freundin. Sie wurde verletzt und kam ins Krankenhaus.

Hunderte protestieren

Nach der Tötung Wrights hatte es in Brooklyn Center Proteste gegeben. Trotz Ausgangssperre versammelten sich mehrere hundert Demonstrantinnen und Demonstranten in der Nacht auf Montag vor der Polizeistation des Ortes. Sie trugen "Black Lives Matter"-Fahnen, sprangen auf Polizeifahrzeuge und gingen durch die Straßen. Vor einer Polizeiwache flogen Steine auf Beamtinnen und Beamte. In rund 20 Geschäfte wurde eingebrochen, wie der Leiter der Abteilung für öffentliche Sicherheit, John Harrington, erklärte.

Die Behörden im Großraum Minneapolis ordneten inzwischen eine nächtliche Ausgangssperre an. Die Bürgermeister der direkt nebeneinander liegenden Großstädte Minneapolis und St. Paul riefen zudem den Notstand aus.

Biden ruft zur Ruhe auf

US-Präsident Joe Biden rief unterdessen zur Ruhe auf. "Friedlicher Protest ist verständlich", sagte er. Für Gewalt gebe es aber "absolut keine Rechtfertigung". Der Präsident verwies darauf, dass die Ermittlungen in dem Fall abgewartet werden müssten.

Der Vorfall ereignete sich knapp ein Jahr nach dem gewaltsamen Tod von George Floyd bei einer Polizeikontrolle in Minneapolis. Keine zehn Meilen entfernt von den Unruhen wurde der Prozess gegen den weißen Polizisten, der dem Afroamerikaner fast zehn Minuten sein Knie auf den Hals drückte, unterdessen fortgesetzt. Der Tod Floyds hatte monatelange Proteste gegen Rassismus und Polizeibrutalität ausgelöst. 

Mit Informationen von Claudia Sarre, ARD-Studio Washington

Schuss auf Schwarzen nahe Minneapolis: Polizei spricht von "Versehen“
Claudia Sarre, ARD Washington
12.04.2021 20:53 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 12. April 2021 um 21:00 Uhr.

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