US-Klimabeauftragter Kerry verspricht die Klima-Kehrtwende

Stand: 19.02.2021 22:28 Uhr

Die USA sind zurück im internationalen Klimaschutz: Der US-Klimabeauftragte Kerry versprach bei der virtuellen Münchner Sicherheitskonferenz schnelles Handeln. Er schwor andere Regierungen darauf ein, nicht zu zögern.

Von Jakob Mayr, ARD-Studio Brüssel

Die Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) kennt John Kerry von früheren Auftritten als US-Außenminister. Aber das virtuelle Format ist auch für ihn neu und zum ersten Mal spricht Kerry als Klimabeauftragter der US-Regierung - an einem besonderen Tag: Sein Land ist offiziell zurück im Pariser Klima-Abkommen.

Für Kerry ist das der Anlass, ehrlich, demütig und ambitioniert zu sein. Denn die Weltgemeinschaft sei noch nicht annähernd da, wo sie sein sollte, sagte er. Demut empfinde er, weil die USA unentschuldbar für vier Jahre gefehlt habe. "Wir alle müssen mehr anstreben, um den Job erledigen", forderte der Amerikaner.

"Klimawandel verstärkt Konflikte"

Nach Kerrys Worten ist die Klimakrise längst gegenwärtig, man müsse nur aus dem Fenster schauen, zum Beispiel in Texas, wo gerade ein ausgedehnter Polarwirbel für extreme Kälte sorgt. Der Klimawandel verstärke Konflikte, untergrabe die Stabilität von Staaten und vertreibe Menschen aus ihrer Heimat. Das sei ein Sicherheitsthema, sagt Kerry, und seiner Ansicht nach bleibt nicht mehr viel Zeit, um es zu lösen.

"Was man in den nächsten zehn Jahren tut, ist entscheidend. Darüber müssen wir reden, ab heute bis 2030", sagte er. Wenn die USA, China, Indien, Russland, Japan, und die EU die Emissionen nicht genügend senken, gebe es nicht länger die Möglichkeit, die Temperatur bei 1,5 Grad zu halten oder Klimaneutralität bis 2050 zu erreichen.

Klimaziele der Staaten reichen nicht aus

Die Weltgemeinschaft hatte sich vor fünf Jahren in der Pariser Klimavereinbarung das Ziel gegeben, die Erderwärmung bei 1,5 Grad zu halten. Aber dafür reichen die bisher eingereichten Klimaziele der Staaten nicht aus. Kerry setzt darauf, dass sich bis zum UN-Klimagipfel im Herbst in Glasgow noch mehr Regierungen bewegen.

"Das ist unsere beste und letzte Hoffnung", sagte er. Bis 2030 müsste die Weltgemeinschaft den richtigen Kurs eingeschlagen haben, um die Erderwärmung bei 1,5 Grad zu halten. "Wir stehen ohne Frage in der entscheidenden Dekade."

Kerry verspricht, beim Klimaschutz sehr eng mit den europäischen Verbündeten zusammenzuarbeiten. Er sagt mehr Geld für die Klimafinanzierung zu, da sind bei früheren Klimagipfeln gemachte Versprechen an ärmere Staaten bisher nicht erfüllt. Er will auch über eine Bepreisung von CO2 nachdenken, was nach seinen Worten in einigen US-Bundesstaaten schon durch ein Emissionshandelssystem geschieht.

Konkrete Ziele bis 2030

"Scheitern ist keine Option, wenn wir die Erde in einem guten Zustand an kommende Generationen weitergeben wollen. Wir müssen bestimmen, wie Erfolg aussieht, und wie er zu erreichen ist. "Wir müssen uns verpflichten, diese Aufgabe über alles andere zu stellen und sie erledigen", sagte Kerry.

Der US-Klimabeauftragte bekannte sich bei seinem Auftritt auf der Münchner Sicherheitskonferenz nochmals zum Ziel der Klimaneutralität bis 2050. Bis zur Mitte des Jahrhunderts dürfen nicht mehr klimaschädliche Treibhausgase ausgestoßen als eingespart werden. Dies soll zum Beispiel durch Aufforstung geschehen. Die nächste Aufgabe für Kerry und die US-Regierung wird sein, in den kommenden Monaten konkrete Klimaziele bis 2030 anzugeben. So schreibt es die Pariser Vereinbarung vor.

Demut und Ambition: US-Klimabeauftragter Kerry bei der MSC
Jakob Mayr, ARD Brüssel
19.02.2021 21:34 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 19. Februar 2021 um 09:18 Uhr.

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