Mitglieder der Weißhelme suchen in den Trümmern nach Opfern. | Bildquelle: AFP

Syrische Region Idlib Viele Tote bei Angriff auf Markt

Stand: 22.07.2019 18:02 Uhr

In der syrischen Region Idlib hat es erneut Luftangriffe gegeben. Dabei wurden auf einem Markt in der Stadt Maarat al-Numan nach Angaben von Aktivisten mindestens 41 Menschen getötet.

Bei Luftangriffen in Syriens letztem großen Rebellengebiet Idlib sind nach Angaben von Aktivisten mindestens 41 Zivilisten ums Leben gekommen. Die Bomben hätten einen Gemüsegroßmarkt in der dicht besiedelten Stadt Maarat al-Numan getroffen, erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte.

Mehr als 100 Menschen seien verletzt worden, viele weitere unter den Trümmern begraben. Auch ein Helfer der Rettungsorganisation Weißhelme sei unter den Todesopfern. Die Beobachtungsstelle machte russische Jets für die Angriffe verantwortlich. Das russische Militär wies dies zurück. Die Luftwaffe habe keine Einsätze in dem Gebiet geflogen.

Mitglieder der Weißhelme suchen in den Trümmern nach Opfern. | Bildquelle: AFP
galerie

Mitglieder der Weißhelme suchen in den Trümmern nach Opfern.

Vier Angriffe hintereinander

Dominiert wird das Rebellengebiet von der Al-Kaida-nahen Miliz Haiat Tahrir al-Scham (HTS). In der Region leben etwa drei Millionen Menschen, rund die Hälfte davon Vertriebene. Aktivisten zufolge stieg nach den Angriffen in Maarat al-Numan schwarzer Rauch über dem Stadtzentrum auf. Ihnen zufolge flogen Kampfflugzeuge vier Angriffe hintereinander auf dieselbe Gegend.

Anwohner berichteten, dass etwa 50 Geschäfte und ein Dutzend vierstöckiger Gebäude zerstört worden seien. "Dies sind rein zivile Gegenden", sagte ein Anwohner der Nachrichtenagentur dpa.

Bereits mehr als 700 Zivilisten bei Angriffen getötet

Russland ist in dem Krieg der wichtigste Verbündete des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad und kämpft dort seit 2015 mit eigenen Truppen. Russische und syrische Flugzeuge fliegen immer wieder Angriffe auf das Rebellengebiet rund um die Stadt Idlib im Nordwesten Syriens. Erst am Sonntag waren bei Bombardierungen nach Angaben der Menschenrechtsbeobachter mindestens elf Zivilisten getötet worden.

In Idlib und angrenzenden Regionen gilt seit vergangenem September eigentlich eine Waffenruhe. Die Truppen von Assad und ihre russischen Verbündeten gehen seit Ende April aber wieder verstärkt gegen Dschihadisten und andere Rebellen vor. Seit Beginn der Offensive wurden der Beobachtungsstelle zufolge mehr als 700 Zivilisten sowie Hunderte Kämpfer beider Seiten getötet und mehr als 300.000 Menschen durch die Kämpfe vertrieben.

Kurienkardinal Peter Turkson überreichte Assad einen Brief von Papst Franziskus. | Bildquelle: AFP
galerie

Kurienkardinal Peter Turkson überreichte Assad einen Brief von Papst Franziskus.

Türkei warnt, Papst mahnt

Im Nachbarland Türkei drohte Außenminister Mevlüt Cavusoglu mit einer neuen Offensive Ankaras, falls im Norden Syriens nicht eine sogenannte Sicherheitszone eingerichtet werde. Die Türkei pocht auf die Zone, um die von ihr als Terroristen betrachteten kurdischen Kämpfer aus dem Grenzgebiet zu halten.

Zuletzt hat die Türkei ihre Truppen in der Grenzregion verstärkt. Sie werde einschreiten, wenn es keine Sicherheitszone gebe "und die Terroristen nicht beseitigt werden und weiter eine Gefahr darstellen".

In einem Brief an Assad brachte Papst Franziskus seine tiefe Sorge über die Lage in dem Bürgerkriegsland zum Ausdruck. Der Pontifex habe vor allem an die "dramatischen Bedingungen" für die Zivilbevölkerung in Idlib erinnert, teilte der Vatikan mit. "Was dort geschieht, ist wirklich unmenschlich und inakzeptabel. Der Papst bittet den Präsidenten, alles in seiner Macht Stehende zu tun, um diese humanitäre Katastrophe zu stoppen", sagte Kardinal-Staatssekretär Pietro Parolin. Den Brief überreichte Kurienkardinal Peter Turkson bei einem Besuch in Damaskus.

Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte

Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte (Syrian Observatory for Human Rights, SOHR) sitzt in Großbritannien und will Menschenrechtsverletzungen in Syrien dokumentieren. Sie bezeichnet sich als unabhängig. Die Informationen der Beobachtungsstelle lassen sich nicht unabhängig überprüfen.  

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 22. Juli 2019 um 16:30 Uhr.

Darstellung: