Eisberg in der Antarktis | Bildquelle: AFP

Szenario der Forscher Schneekanonen für die Antarktis

Stand: 19.07.2019 00:47 Uhr

Kann der Meeresspiegel-Anstieg durch Beschneiung der Antarktis eingedämmt werden? Forscher haben ein solches Szenario entwickelt - und dabei betont, wie absurd und problematisch sie selbst den Vorschlag sehen.

Das Szenario lässt aufhorchen: New York, Shanghai und Hamburg stehen unter Wasser, weil der Westantarktische Eisschild langfristig ins Meer rutscht und den Meeresspiegel um drei Meter ansteigen lässt. Absurd klingt ein Vorschlag von Forschern, wie man diese Apokalypse abwenden und den bedrohten Eisschild stabilisieren könnte: Man könnte ihn mit entsalztem Meerwasser künstlich beschneien und damit beschweren - auf einer Fläche größer als Costa Rica.

Das Vorhaben skizzieren die Forscher um Anders Levermann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) im Fachblatt "Science Advances". "Die offensichtliche Absurdität des Unterfangens, die Antarktis zu beschneien, um eine Instabilität des Eises zu stoppen, spiegelt die atemberaubende Dimension des Meeresspiegel-Problems wider", sagt Levermann.

Antarktis: Forscher wollen Schmelzen der Gletscher durch künstlichen Schnee verhindern
nachtmagazin 00:15 Uhr, 19.07.2019, Stefan Sperfeld, RBB

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Vorbehalte bei Experten

In der deutschen Fachwelt stößt die Veröffentlichung auf Vorbehalte: Experten verschiedener deutscher Forschungseinrichtungen wollen sie nicht kommentieren. Worum geht es genau? Vor allem wärmere Meeresströmungen sorgen dafür, dass der Westantarktische Eisschild in zunehmendem Tempo abschmilzt. So stieg der Eisverlust zweier großer Gletscher - Pine-Island-Gletscher (PIG) und Thwaites-Gletscher - von den 1990er-Jahren bis 2010 von jährlich etwa 36 Gigatonnen auf mehr als 92 Gigatonnen.

Eisberg in der Antarktis | Bildquelle: REUTERS
galerie

Eisberg in der Antarktis: Beschneiung mit entsalztem Meerwasser?

Viele Forscher befürchten, dass die Gletscher des Westantarktischen Eisschilds instabil werden und langfristig ins Meer abrutschen. Das allein würde den Meeresspiegel um etwa drei Meter ansteigen lassen - allerdings über einen Zeitraum von Jahrhunderten.

Das Team um Levermann kalkulierte nun, wie künstliche Beschneiung das Gewicht auf dem Eisschild steigern und ihn so stabilisieren könnte. Dazu - so das Resultat ihrer Simulationen - müsste man eine Fläche von 52.000 Quadratkilometern ein Jahrzehnt lang mit mindestens 7400 Gigatonnen (Milliarden Tonnen) Wasser künstlich beschneien.

Das hieße: Man müsste gigantische Wassermengen aus dem Meer auf den Eisschild auf eine durchschnittliche Höhe von 640 Metern pumpen, sie zudem entsalzen und mit Schneekanonen ausbringen.

Ökologische Folgen für die Umwelt

Die ökologischen Folgen dieses Vorgehens für die Umwelt wären unabsehbar, räumen die Forscher selbst ein. "Wir sind uns der Schwere bewusst, die ein solcher Eingriff hätte", sagt Ko-Autor Johannes Feldmann. "Einen solchen Windpark inklusive der dafür nötigen Infrastruktur in der Amundsensee zu errichten und derartige enorme Mengen an Meerwasser zu entnehmen, würde im Wesentlichen den Verlust eines einzigartigen Naturreservates bedeuten."

Levermann betont, die Studie solle die Gesellschaft auch wachrütteln. Jedes Grad Erderwärmung bedeute langfristig einen erheblichen Anstieg des Meeresspiegels. "Das ist vielen Menschen nicht bewusst." Levermann räumt ein, dass der Prozess Jahrhunderte dauern könne. "Deswegen ist da auch keine Dringlichkeit gegeben, aber das kommt in jedem Fall", betont er.

Aber hat Levermann nicht die Sorge, sich mit dem Horrorszenario überfluteter Metropolen dem Vorwurf des Alarmismus auszusetzen? "Die Situation ist dramatisch", antwortet er. "Und ich spreche das aus."

Über dieses Thema berichtete das nachtmagazin am 18. Juli 2019 um 00:15 Uhr.

Darstellung: