Flüchtlinge an Bord des Rettungsschiffs "Aquarius" | Bildquelle: AP

Rettungsschiff "Aquarius" "Die Zustände an Bord sind nicht gut"

Stand: 15.06.2018 21:47 Uhr

Das Rettungsschiff "Aquarius" wird am Samstagabend in Valencia erwartet - wenn das Wetter mitspielt. Nach Tagen auf hoher See ist die Situation für Besatzung und Geflüchtete schwierig, wie ein Helfer berichtet.

Von Karin Bensch, ARD-Studio Brüssel

Die Verbindung ist schlecht. Aloys Vimard von "Ärzte ohne Grenzen" ist an Bord des Rettungsschiffs "Aquarius". "Wir haben die Meeresenge zwischen Sardinien und Korsika durchfahren und sind nun auf dem Mittelmeer unterwegs Richtung Valencia", erzählt er am Telefon.

Wenn alles gut geht, wird das Rettungsschiff am Samstagabend im Hafen von Valencia ankommen. Vielleicht aber auch erst am Sonntag. Denn unterwegs gibt es immer wieder schlechte Wetterbedingungen - rauen Wind und meterhohe Wellen. "Die meisten leiden stark unter Seekrankheit", sagt Vimard.

Ein Helfer von "Ärzte ohne Grenzen" versorgt eine Geflüchtete an Bord der "Aquarius" | Bildquelle: REUTERS
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Ein Helfer von "Ärzte ohne Grenzen" versorgt eine Geflüchtete auf der "Aquarius". Viele Menschen an Bord sind krank oder verletzt.

Viele bräuchten Behandlung an Land

An Bord der "Aquarius" sind 51 Frauen, darunter mehrere Schwangere, 45 Männer und zehn Kinder. Schlimmer als die Seekrankheit sind allerdings die Verletzungen, sagt der Helfer. Einige mussten wegen Hautverätzungen behandelt werden. In den Schlauchbooten, in denen sie vor ihrer Rettung auf dem Mittelmeer unterwegs waren, hatte sich ein aggressives Gemisch aus Benzin und Salzwasser angesammelt.

Etwa 40 Menschen waren bei der Rettungsaktion in der Nacht zum vergangenen Sonntag ins Wasser gefallen. Einige von ihnen mussten wiederbelebt werden. "Sie brauchen eigentlich besondere Behandlung an Land, weil noch immer Komplikationen auftreten könnten", erklärt Vimard. Doch statt an Land in Italien oder auf Malta befinden sie sich nun tagelang auf einem schwankenden Schiff Richtung Spanien. "Die Zustände an Bord sind nicht gut", sagt der Helfer.

Erst Untersuchung, dann Übergabe an die Behörden

Viele Flüchtlinge seien verängstigt. Einige seien traumatisiert, weil seit der Rettungsaktion zwei Menschen vermisst werden. Sie sind wahrscheinlich ertrunken. Die Flüchtlinge, die es an Bord der "Aquarius" geschafft haben, kämen aus verschiedenen Ländern, erzählt Vimard. Die meisten seien aus Eritrea und dem Sudan.

Was geschieht mit den Menschen, wenn die "Aquarius" im Hafen von Valencia angekommen ist? "Wir werden sie erst einmal spanischen Ärzten und Hilfsorganisationen übergeben", sagt Vimard. "Dann müssen auch die Verletzungen untersucht werden, die den Geretteten offenbar durch Folter und rohe Gewalt zugefügt wurden." Später würden die Flüchtlinge dann den spanischen Behörden übergeben.

Geflüchtete an Deck der "Aquarius" | Bildquelle: REUTERS
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Die meisten der Geflüchteten sind nach Angaben der Helfer aus Eritrea und dem Sudan.

Gleich wieder auf den Rückweg

Sobald die "Aquarius" mit Diesel und Frischwasser aufgetankt ist, neue Nahrungsmittel an Bord sind, wollen sich die Helfer auf den Rückweg machen - zurück ins zentrale Mittelmeer vor die libysche Küste. "In der Zeit, in der wir nach Spanien unterwegs sind, sind mindestens zwölf Flüchtlinge im Mittelmeer ertrunken", sagt Vimard. Dass Länder ihre Häfen für private Seenotretter schließen, findet er eine Schande. "Wir haben große Sorgen, dass Politik über die Seenotrettung gestellt wird."

Deshalb fordere "Ärzte ohne Grenzen" die Regierungen auf, Verantwortung zu übernehmen und die Sicherheit von Menschen in Lebensgefahr an die erste Stelle zu setzen. Für Vimard ist klar: Er und seine Kollegen werden mit der Seenotrettung weiter machen - trotz aller Schwierigkeiten.

"Aquarius" auf dem Weg nach Valencia
Karin Bensch, ARD Brüssel
15.06.2018 21:38 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 16. Juni 2018 um 07:38 Uhr.

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