Zerknüllte argentinische Pesos-Geldscheine | Bildquelle: imago images / PhotoAlto

IWF zur Krise Argentinien braucht wohl einen Schuldenschnitt

Stand: 20.02.2020 09:31 Uhr

Der IWF glaubt nicht mehr daran, dass Argentinien aus eigener Kraft der Krise entkommt: Die Schuldenlast Argentiniens sei untragbar, heißt es nun. Es brauche einen "bedeutenden Beitrag der Gläubiger".

Von Ivo Marusczyk, ARD-Studio Buenos Aires

Argentiniens Schuldenlast ist nicht mehr tragbar, die Gläubiger müssen wohl auf einen Teil ihres Geldes verzichten. Das ist jetzt nicht mehr nur die Haltung der neuen Linksregierung in Buenos Aires, sondern auch die Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF).

Peso hat 40 Prozent an Wert verloren

Ein Expertenteam des IWF hatte Argentiniens Situation genauer unter die Lupe genommen und bestätigt, dass jetzt alles auf einen Schuldenschnitt hinausläuft. Vor einem halben Jahr waren die IWF-Fachleute noch völlig anderer Meinung - aber inzwischen habe der Peso gegenüber dem Dollar fast 40 Prozent an Wert verloren, die Wirtschaft sei stärker als erwartet geschrumpft und die Währungsreserven seien um 20 Milliarden Dollar zurückgegangen.

Die argentinische Flagge | Bildquelle: REUTERS
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Argentinien befindet sich derzeit wieder in einer schweren Wirtschaftskrise, die Landeswährung Peso hat zuletzt deutlich an Wert verloren.

IWF: Land braucht grundlegende Umschuldung

Die Regierung hat inzwischen Devisenkontrollen verhängt und Steuern zu Gunsten von Nothilfeprogrammen für die Armen erhöht. Beides begrüßt der IWF ausdrücklich. Doch es sei weder wirtschaftlich noch politisch machbar, in dieser Lage zu einem Haushaltsüberschuss zu kommen. Und den bräuchte das Land, um seine Schulden zu bedienen. Denn an den Kapitalmärkten bekommt Argentinien längst kein Geld mehr. Deshalb brauche das Land eine grundlegende Umschuldung. Und das bedeute auch einen "bedeutenden Beitrag der Gläubiger", heißt es in der Mitteilung des IWF. Im Klartext heißt das: Sie müssen wohl auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten.

Unerwartete Schützenhilfe für Fernández

Damit erhält die Regierung von Präsident Alberto Fernández unerwartete Schützenhilfe. Sie versucht seit Wochen, Druck auf die Gläubiger aufzubauen, damit diese einen Schuldenschnitt akzeptieren - bis jetzt mit wenig Erfolg. Sie kritisiert auch den Währungsfonds selbst: Der habe Argentiniens Ex-Präsident Macri den größten Kredit seiner Geschichte gegeben, obwohl die Risiken von vornherein klar gewesen seien.

IWF-Bericht: Argentinien braucht wohl einen Schuldenschnitt
Ivo Marusczyk, ARD Buenos Aires
20.02.2020 21:29 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 20. Februar 2020 um 11:45 Uhr.

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