Latinos for Trump in Arizona | Bildquelle: Claudia Buckenmaier / ARD-Studio Washington

Latinos im US-Wahlkampf Die Stimmen der größten Minderheit

Stand: 24.09.2020 15:58 Uhr

Ohne die Stimmen der Latinos können weder Republikaner noch Demokraten die US-Wahl gewinnen. In Arizona nennen sich die einen "Latinos For Trump", die anderen wollen den "Präsident der Reichen" loswerden.

Von Claudia Buckenmaier, ARD-Studio Washington

"Ihr braucht keine Masken, ich war gerade beim Corona-Test. Ich hatte ja vor ein paar Tagen einen Termin mit Donald Trump", ruft Jorge Rivas zur Begrüßung. Der 53-Jährige betreibt in Catalina Foothill im US-Bundesstaat Arizona ein kleines mexikanisches Restaurant. Er war einer der ersten Latinos, der sich klar hinter US-Präsident Trump stellte und sich damit viele Feinde machte. Latinos galten als typische Wähler der Demokraten. So auch Rivas. "Ich habe lange die Demokraten gewählt, aber dann sind sie immer weiter nach links gerückt", erzählt er.  

Jorge Rivas | Bildquelle: Claudia Buckenmaier / ARD-Studio Washington
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Jorge Rivas in seinem Restaurant in Catalina Foothill im US-Bundesstaat Arizona.

Als junger Mann flüchtet Rivas aus El Salvador in die USA. Nie hätte er sich träumen lassen, dass er eines Tages dem mächtigen US-Präsidenten persönlich begegnen würde. Doch als 2016 Trump auf die politische Bühne trat, ärgerte er sich, dass viele sagen, Latinos würden den Unternehmer nicht mögen. Als Trump zu einer Wahlkampfveranstaltung in die nahegelegene Stadt Tucson kam, bastelte er auf die Schnelle ein Plakat mit der Aufschrift "Latinos for Trump" und schickte seine Frau Betty in die Halle: "Geh ganz nach vorne, dann sieht er es, und sag ihm, dass wir hinter ihm stehen."

Die unerschrockene Betty Rivas schaffte es tatsächlich, Trump, damals noch Kandidat, auf sich aufmerksam zu machen. Seitdem hat Familie Rivas den Präsidenten schon häufiger getroffen. Jorge war vor kurzem sogar zu einem Roundtable-Gespräch von zwölf Kleinunternehmern aus Arizona mit Trump eingeladen.

Betty und Jorge Rivas | Bildquelle: Claudia Buckenmaier / ARD-Studio Washington
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Mit ihrem "Latinos For Trump"-Schild haben es Betty und Jorge Rivas schon zu mehreren Treffen mit US-Präsident Trump gebracht.

Rivas Lokal ist eine Art Trump-Basis geworden

Dabei schadete es ihm anfangs eher, dass er sich auf Trumps Seite schlug: Er und seine Frau wurden beschimpft und gar bedroht. Rivas bestätigte das eher in seiner Haltung, und er fand hat neue Freunde: Trump-Anhänger, die einmal die Woche vor seinem Restaurant für den Präsidenten demonstrieren. Rivas sei ihr Held, erzählen sie. Ein Latino ganz nach ihrem Geschmack. Er habe ja immer hart gearbeitet. Sein Lokal ist inzwischen fast so was wie eine heimliche Basis für die Trump-Gemeinde rund um Tucson geworden.

Jorge und Betty Rivas sind zuversichtlich, dass Trump wieder gewählt wird. Latinos seien nun mal eher konservativ, meinen sie. Wenn man zur Schule gehe, einen Job habe, dann sei man verantwortungsbewusst, erklärt uns Rivas. Man besuche den Gottesdienst, achte seine Nachbarn, respektiere die Polizei. Auch deshalb wählt er die Republikaner.

Dass er, der selbst als Flüchtling in die USA kam, sich hinter Trumps rigorose Abschottungspolitik stellt, ist für ihn kein Widerspruch: Schließlich könnten die USA nicht die Armutsprobleme von ganz Lateinamerika lösen. "Die USA können nicht so viele unterstützen, die alle gleichzeitig ins Land kommen wollen. Das wäre Selbstmord, meint Rivas. "Deshalb braucht es eine Politik, die die Menschen organisiert ins Land lässt."

Latinos Pro und Contra Trump
tagesthemen 22:15 Uhr, 24.09.2020, Claudia Buckenmaier, ARD Washington

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"Sie sehen uns als Kakerlaken und Hunde"

Reggie Carrillo ärgern solche Argumente. Er versteht nicht, wie Latinos voller Begeisterung Trump wählen können. Der Lehrer ist überzeugt, dass Politiker die Latinos nur so lange hofieren, wie sie sie brauchen: "Sie sehen uns als Kakerlaken und Hunde. Sie wollen zwar unsere Kultur und unser Essen, aber nicht uns selbst."

In diesem Wahlkampf ringen beide Parteien intensiv um die Stimmen der Latinos. Nicht nur in Arizona, wo sie fast 25 Prozent der registrierten Wähler stellen: Im ganzen Land sind sie dieses Mal die größte Minderheit. Ohne ihre Stimmen können weder die Republikaner noch die Demokraten gewinnen.   

Carrillo und die Sozialarbeiterin Jessica Bueno bewerben sich als Schulräte in einem der ärmsten Viertel von Arizonas Hauptstadt Phoenix, wo fast nur Latinos leben. Viele hier wollen Trump loswerden - und gegen "irgendeinen funktionstüchtigen Erwachsenen" austauschen. Es gibt auch Trump-Anhänger. Carillo, Bueno und ihr Umfeld glauben aber, dass die in der Minderheit sind: "Herr Trump ist ein Präsident für die Reichen. Nicht für die Leute hier", meint etwa Irma López.

In Arizona werde die Corona-Krise die Wahl entscheiden, davon ist sie überzeugt: "Ich denke, der Weckruf war Trumps Antwort auf die Pandemie, das Leugnen. Damit hat er viele Wähler verloren."

Haus eines Trumpgegners | Bildquelle: Claudia Buckenmaier / ARD-Studio Washington
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Das Haus eines Trump-Gegners in Arizona: "Irgendeinen funktionstüchtigen Erwachsenen" wünschen sich die Bewohner als Präsident.

Fans und Gegner glauben: Sie sind in der Mehrheit

In Tucson lebt Familie Rivas den amerikanischen Traum: Die drei Söhne studieren. Der jüngste Sohn George spielt Klavier, lernt Arabisch und will eines Tages selbst Präsident werden. Eine Erfolgsgeschichte, die keinen Raum für Zweifel lässt.

In der Einflugschneise von Phoenix liegt die Schule, in der Reggie Carrillo unterrichtet: Kinder von Latinos, für die der amerikanische Traum nicht wahr geworden ist. Wegen der Corona-Pandemie findet der Unterricht derzeit nur online statt. Carrillo fürchtet eine weitere Amtszeit von Trump: "Ich fürchte, dass er people of color weiter als Sündenböcke nutzen wird; als Ausrede für die Probleme, mit denen dieses Land konfrontiert ist."

Reggie Carrillo | Bildquelle: Claudia Buckenmaier / ARD-Studio Washington
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Reggie Carrillo unterrichtet Kinder, für die der amerikanische Traum nicht in Erfüllung gegangen ist.

Carrillo vertraut darauf, dass der schlafende Gigant - die Latinogemeinde der USA - rechtzeitig zur Wahl erwacht. Das hat er mit Jorge Rivas gemeinsam. Trump-Fans genauso wie Trump-Gegner in Arizona beharren darauf, dass sie im November die Mehrheit auf ihrer Seite haben werden.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 24. September 2020 um 22:15 Uhr.

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