Sumatra-Orang-Utan | Bildquelle: dpa

UN-Bericht Eine Million Arten vom Aussterben bedroht

Stand: 06.05.2019 14:28 Uhr

Es ist alarmierend: Etwa eine Million Tier- und Pflanzenarten könnten in den kommenden Jahrzehnten für immer verschwinden, so ein UN-Bericht. Das Ausmaß des Artensterbens war demnach noch nie so groß wie heute.

In seinem ersten globalen Bericht zum Zustand der Artenvielfalt zeichnet der Weltbiodiversitätsrat (IPBES) ein dramatisches Bild: Von den geschätzt acht Millionen Tier- und Pflanzenarten weltweit sei rund eine Million vom Aussterben bedroht. Das Ausmaß des Artensterbens sei in der Geschichte der Menschheit noch nie so groß wie heute gewesen - und die Aussterberate nehme weiter zu. Drei Viertel der Naturräume auf den Kontinenten seien vom Menschen bereits erheblich verändert worden, in den Meeren zwei Drittel.

Der Weltbiodiversitätsrat IPBES ist ein zwischenstaatliches Gremium und hat die Aufgabe, im Bereich biologische Vielfalt und Ökosystemleistungen wissenschaftlich zu beraten. Aktuell sind 132 Staaten - inklusive Deutschland - Mitglied des Rates.

In den meisten Lebensräumen auf dem Land sank die Zahl natürlich vorkommender Arten um mindestens 20 Prozent, lautet eine weitere der Kernaussagen des Berichts. Mehr als 40 Prozent der Amphibienarten, fast 33 Prozent der riffbildenden Korallen und mehr als ein Drittel aller marinen Säugetierarten sind demnach bedroht. Auch bei Nutztieren schwinde die Vielfalt: Mehr als neun Prozent der Säugetiere, die als Fleischlieferant oder als Arbeitstier dienen, seien bis 2016 ausgestorben.

Lebensgrundlage des Menschen in Gefahr

Der Vorsitzende des Weltbiodiversitätsrates, Robert Watson, warnte, der Mensch sei dabei seine Lebensgrundlage zu gefährden: "Wir erodieren global die eigentliche Basis unserer Volkswirtschaften, Lebensgrundlagen, Nahrungsmittelsicherheit und Lebensqualität." Die Weltgemeinschaft müsse sich dringend abwenden von wirtschaftlichem Wachstum als zentralem Ziel hin zu nachhaltigeren Systemen, hieß es.

Dringend Gegenmaßnahmen

Immer wieder verdeutlichen die Autoren, dass der Verlust an Vielfalt kein reines Umweltthema ist, sondern auch Entwicklung, Wirtschaft, politische Stabilität und soziale Aspekte wie Flüchtlingsströme beeinflusst. Gravierende Folgen für die Menschen weltweit seien inzwischen wahrscheinlich, warnen sie. Noch aber sei es nicht zu spät für Gegenmaßnahmen, erklärte Watson, "aber nur, wenn wir sofort auf allen lokalen bis globalen Ebenen damit beginnen". Es bedürfe fundamentaler Veränderungen bei Technologien, Wirtschaft und Gesellschaft, Paradigmen, Ziele und Werte eingeschlossen.

Auch Klimawandel und Umweltverschmutzung

Die Autoren haben die Hauptursachen für den verheerenden Wandel nach ihrer Bedeutung gewichtet. Den größten Einfluss hat demnach die veränderte Nutzung von Land und Meer, gefolgt von der direkten Ausbeutung von Lebewesen, dem Klimawandel und der Umweltverschmutzung. Die Bedeutung des Klimawandels werde in den nächsten Jahrzehnten zunehmen und zumindest in einigen Bereichen weiter an die Spitze der Hauptursachen rücken.

Feldhamster | Bildquelle: dpa
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Früher galten Feldhamster als Schädlinge, heute sind sie vom Aussterben bedroht.

Für den Bericht haben 145 Wissenschaftler und Experten drei Jahre lang tausende Quellen ausgewertet. Es ist der erste Bericht dieser Art. Die Forscher und der Weltartenschutzrat hoffen, dass aus diesem Bericht bis 2020 ein gemeinsames, politisch bindendes Abkommen zum Schutz der Artenvielfalt entsteht. 2020 findet die Weltartenschutzkonferenz in China statt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 06. Mai 2019 um 12:00 Uhr.

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