eine Familie sitzt unter einer Plane auf einem Damm  | Bildquelle: STR/EPA-EFE/Shutterstock

Monsun in Südasien Flutkatastrophen wegen Bauprojekten?

Stand: 21.07.2020 11:56 Uhr

Wie in jeder Monsunzeit sind Millionen Menschen in Südasien von heftigem Regen und Erdrutschen betroffen. Hilfsorganisationen kritisieren, große Bauvorhaben hätten die Situation verschlimmert.

Von Bernd Musch-Borowska, ARD-Studio Südasien

Heftige Regenfälle haben im Nordosten Indiens und in den Nachbarstaaten Nepal und Bangladesch Flüsse über die Ufer treten lassen und Erdrutsche ausgelöst. Wie jedes Jahr während des Monsuns fliehen die Bewohner der Region vor dem Hochwasser. Betroffen sind mehrere Millionen Menschen.

Im indischen Bundesstaat Assam hat es den Angaben zufolge seit Mai infolge des Hochwassers mehr als 80 Tote gegeben. Tausende Ortschaften entlang des Brahmaputra - einer der wasserreichsten Flüsse Indiens - wurden überflutet, wie auf Filmmaterial der Nachrichtenagentur Reuters zu sehen war.

Anwohner eines überschwemmten Dorfes im Bundesstaat Assam suchen an der Straße Zuflucht. | Bildquelle: dpa
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In Assam und anderen indischen Regionen wurden Tausende Ortschaften überflutet.

Regierung sichert Hilfen zu

Der Regierungschef von Assam, Sarbananda Sanowal, sagte bei einem Besuch der betroffenen Region umfangreiche Hilfen zu: "Wir unterstützen die vom Hochwasser betroffenen Menschen mit Lebensmitteln." Zudem gebe es staatliche Hilfszahlungen für die Hinterbliebenen derjenigen, die durch die Überflutung oder durch Erdrutsche ihr Leben verloren haben.

Der Monsun kommt jedes Jahr um diese Zeit - und jedes Jahr von Juni bis September werden weite Teile der Region überflutet. Die Regierung tue nichts, um solche Katastrophen zu verhindern, klagte eine Einwohnerin von Chirang:

"Die Abwasserrohre sind verstopft, das passiert jedes Jahr. Als es im Juni starken Regen gab, stand hier schon mal alles unter Wasser - aber niemand ist gekommen, um das Abwassersystem sauber zu machen."

Hilfsorganisation kritisiert Missmanagement

Missmanagement und die zunehmende Besiedlung von natürlichen Überflutungsgebieten seien für die immer wiederkehrenden Katastrophen verantwortlich, sagt Sarap Kumar von der Hilfsorganisation Action Aid. Im Zuge zahlreicher Bauprojekte in Nepal und auch in Indien seien die Flüsse, die in Nepal entspringen, für Straßen und Eisenbahnlinien begradigt und umgeleitet worden:

"Mehrere Flüsse wurden in einen großen Strom umgewandelt, der so viel Wasser mit sich führt, dass alle Barrieren durchbrochen werden."

Männer richten einen durch Hochwasser umgestürzten Strommast in einem überschwemmten Dorf im Bundesstaat Assam wieder auf. | Bildquelle: dpa
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Reparaturarbeiten in einem überschwemmten Dorf im Bundesstaat Assam.

Aufgeschüttete Überflutungsgebiete

Die Leidtragenden sind jene Menschen, die entlang der Flussläufe und in einstigen natürlichen Überflutungsgebieten leben, die in den vergangenen Jahren aufgeschüttet wurden, um dort neue Städte entstehen zu lassen. Für Sarap ist dies ein hausgemachtes Problem:

"Früher gab es doch auch schon Überflutungen, das ist doch kein neues Phänomen. Aber die vielen Bauprojekte haben alles verändert."

Auch der Kaziranga Nationalpark steht unter Wasser. Das Naturschutzgebiet in Assam gehört zum UNESCO-Weltnaturerbe und ist Rückzugsraum für zahlreiche vom Aussterben bedrohte Tierarten. Dutzende seltene Panzernashörner sind in den Wassermassen gefangen, Elefanten versuchen vor den Wassermassen zu fliehen.

In Nepal sind nach Angaben der Behörden bereits mehr als 100 Menschen durch Hochwasser oder Erdrutsche ums Leben gekommen oder werden vermisst. Und die heftigen Regenfälle sollen dort noch mindestens bis Ende der Woche anhalten.

Südasien: Millionen Menschen von Hochwasser betroffen
Bernd Musch-Borowska, ARD Neu-Delhi
21.07.2020 10:45 Uhr

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Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 21. Juli 2020 um 12:09 Uhr.

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