Afghanistan Taliban drohen mit "großem Krieg"

Stand: 06.02.2021 21:48 Uhr

Bis Ende April 2021 sollten die USA ihre Truppen aus Afghanistan abziehen - so lautete das Abkommen der Trump-Administration mit den Taliban. Die neue US-Regierung stellt diese Abmachung auf den Prüfstand - und die Taliban reagieren.

Von Bernd Musch-Borowska, ARD-Studio Südasien, zzt. Hamburg

Während die neue US-Regierung das Friedensabkommen mit den Taliban vom Februar vergangenen Jahres und die damit verbundenen Pläne zum Abzug der US-Truppen aus Afghanistan neu bewertet, haben die Taliban mit einem "großen Krieg" gedroht.

Sollten die USA ihre Soldaten nicht, wie in Doha zugesagt, bis Ende April aus Afghanistan abziehen, werde dies schwere Konsequenzen haben, hieß es. Die Taliban reagierten damit auf einen Bericht einer Expertengruppe an den US-Kongress, die eine Verschiebung des Abzugs empfohlen hatte. Taliban-Sprecher Suhail Shaheen äußerte sich bei einer Pressekonferenz in Teheran, die von der Nachrichtenagentur Reuters verbreitet wurde.

Die USA haben eine Vereinbarung mit uns geschlossen. Vier Jahre haben wir darüber verhandelt. Und jetzt wollen sie das Ergebnis neu bewerten? Sie müssen sich aber trotzdem an ihre Zusagen halten. Wenn die USA ihre Truppen nicht - wie in Doha zugesagt - innerhalb von 14 Monaten abziehen, dann werden wir das Abkommen auch neu bewerten.

Taliban beschuldigen Regierung

Afghanischen Medienberichten zufolge hat die Taliban-Führung ihre Kämpfer bereits aus der Winterpause zurückgerufen, um sich auf die alljährliche Frühjahrsoffensive vorzubereiten. Dabei gibt es seit Monaten ständig Angriffe der Taliban auf Regierungstruppen und Regierungseinrichtungen. Die Taliban behaupten, die Gewalt gehe von den Regierungstruppen aus.

"Die Regierung in Kabul sollte dafür sorgen, dass wir nicht mehr angegriffen werden, damit die Grundlage für den inner-afghanischen Dialog geschaffen wird. Aber sie greifen uns ständig an und wir müssen uns verteidigen - und das tun wir", so Taliban-Sprecher Shaheen. Leider seien die Medien nicht unter Kontrolle der Taliban, sondern unter der Kontrolle der Regierung, deshalb werden würden die Taliban in den afghanischen Medien negativ dargestellt, sagte Shaheen.

Angriffe nehmen wieder zu

Doch nicht nur die afghanischen Medien, auch die Vereinten Nationen und die US-Behörde für den Wiederaufbau in Afghanistan SIGAR beklagen die häufiger werdenden Angriffe der Taliban. Insbesondere in den südlichen Provinzen habe es in den vergangenen Monaten heftige Kämpfe gegeben, hieß es im jüngsten SIGAR-Quartalsbericht. Allein zwischen Oktober und Dezember 2020 habe es mehr als 2500 zivile Opfer solcher Kämpfe gegeben. 810 Menschen seien getötet, knapp 1800 verletzt worden.

Ohne eine Reduzierung der Gewalt sei ein Abzug der US-Truppen kaum denkbar, so der neue Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, John Kirby. Man habe noch 2500 Soldaten in Afghanistan. Noch sei keine Entscheidung gefallen, wie viele Soldaten am Ende in Afghanistan bleiben würden, so Kirby. "Aber ich möchte den Taliban sagen, dass sie durch ihre Weigerung, ernsthaft über Frieden zu verhandeln, die Entscheidung für uns sehr schwer machen."

Bei einem Taliban-Angriff in der Nacht auf Freitag waren mindestens 16 Sicherheitskräfte getötet worden. Der Überfall erfolgte in der umkämpften nördlichen Provinz Kundus. Mehrere Stunden lang hätte die dem Inlandsgeheimdienst zugehörige Miliz den Kontrollposten verteidigt, bevor dieser schließlich überrannt worden sei. Dabei seien auch Waffen geplündert worden, hieß es. Wie das afghanische Fernsehen berichtete, gab es innerhalb von 24 Stunden in mehr als 20 Provinzen Angriffe der Taliban.

Afghanistan - Taliban drohen mit totalem Krieg
Bernd Musch-Borowska, ARD Neu-Delhi
07.02.2021 06:37 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 29. Januar 2021 um 05:57 Uhr.

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