Corona-Pandemie Hunderte Shoah-Überlebende gestorben

Stand: 26.01.2021 19:12 Uhr

In Israel sind etwa 900 Holocaust-Überlebende an den Folgen einer Covid-19 Erkrankung gestorben. Der Europäisch Jüdische Kongress fordert nun, Überlebende möglichst schnell zu impfen.

Etwa 900 Überlebende des Holocaust sind in Israel nach einer Infektion mit dem Coronavirus gestorben. Das teilte das Zentrale Statistikbüro des Landes mit. Insgesamt starben demnach im Jahr 2020 etwa 17.000 Überlebende der Shoah. Knapp 180.000 Überlebende lebten bis Ende des Jahres in Israel.

So schnell wie möglich impfen

Moshe Kantor, Präsident des Europäisch Jüdischen Kongresses EJC, rief die EU-Mitgliedsstaaten dazu auf, Holocaust-Überlebende so schnell wie möglich gegen das Coronavirus zu impfen.

"Zeit ihres Lebens haben sie große mentale Stärke gezeigt, aber während der gegenwärtigen Krise sind viele traurigerweise allein und unter Schmerzen gestorben", sagte Kantor bei einer Online-Konferenz. Viele kämpften gegenwärtig um ihr Leben, viele litten unter extremer Isolation. "Wir schulden es den Überlebenden, zu gewährleisten, dass sie ihre letzten Jahre in Würde, ohne Angst und in Gesellschaft ihrer Lieben verbringen können."

Fast 50 Prozent aller Israelis geimpft

In Israel geht es im Gegensatz zur EU rasant voran mit dem Impfen: Mehr als eine Million Menschen im Land haben nach offiziellen Angaben Stand Montag beide nötige Impfungen gegen das Coronavirus erhalten. Die erste Dosis bekamen demnach bislang rund 2,6 Millionen Menschen verabreicht. In Kürze soll die Impfquote in Israel bei 50 Prozent liegen, bei den über 60-Jährigen hat sie die 80-Prozent-Marke bereits überschritten.

Gedenkstätte Auschwitz | Bildquelle: AP
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27. Januar 2021: Das Gedenken an den Mord in Auschwitz findet in diesem Jahr vor allem online statt.

Vor dem Holocaust-Gedenktag

Der Bundestag kommt morgen zu einer Sondersitzung zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus zusammen. Anlass ist der jährliche Gedenktag zur Erinnerung an die Befreiung der Überlebenden des deutschen Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz am 27. Januar 1945 durch Soldaten der Roten Armee.

Die offizielle Gedenkfeier in Auschwitz selbst kann wegen der Pandemie nicht auf dem Lagergelände stattfinden, sondern wird online abgehalten. Sie wird sich mit dem Schicksal der dort inhaftierten und ermordeten Kinder befassen.

Die Gedenkfeier kann über die Webseite der Gedenkstätte, über soziale Medien sowie per Youtube verfolgt werden. Bei der Gedenkfeier werden zunächst die beiden Überlebenden Zdzislawa Wlodarzyk und Anita Lasker-Wallfisch sprechen.

Allein in Auschwitz im von der Wehrmacht besetzten Polen ermordete die SS mindestens 1,1 Millionen Menschen, zumeist Juden. In ganz Europa fielen dem Holocaust rund 6 Millionen Juden zum Opfer. Im von Deutschland begonnenen Zweiten Weltkrieg starben mindestens 55 Millionen Menschen.

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