Indonesien Impfen auf Inseln

Stand: 10.02.2021 11:56 Uhr

Für Indonesien, den größten Inselstaat der Welt, ist die Impfung gegen Covid-19 eine enorme logistische Herausforderung. Um ausreichend Kühlschränke für den Impfstoff zur Verfügung zu stellen, hilft jetzt ein Hersteller von Speiseeis. Gelöst sind die Probleme damit aber nicht.

Von Ulrich Mendgen, ARD-Studio Tokio

Die Insel Breueh vor der Nordspitze Sumatras gilt als einer der am schwersten zugänglichen Teile Indonesiens. Eine regelmäßige Fährverbindung zwischen der Insel und der Provinzhauptstadt Banda Aceh existiert nicht. Wer hinüber will, muss bei einem Fischer auf einem der typischen Holzboote mitfahren.

An Bord sind zurzeit allerdings keine Touristen auf der Suche nach Traumstränden, sondern Mitarbeiter des indonesischen Gesundheitsministeriums. In ihren blauen Kühlboxen bringen sie eine kostbare Fracht, den Impfstoff gegen das Corona-Virus.

Die Überfahrt nach Palau Breueh dauert zwei Stunden. Reisende müssen Sonne und tropische Schwüle aushalten. Für den sensiblen Impfstoff denkbar schlechte Bedingungen. Das in Indonesien genutzte Vakzin Sinovac muss zwar nicht tiefgefroren gelagert werden wie das von BioNTech und Pfizer. Für Sinvoac genügen einfache Kühlschrank-Temperaturen. Aber auch das ist in manchen Gegenden schwierig zu gewährleisten.

An einem Flughafen in Indonesien kommt ein Behälter mit Covid-19-Impfstoff an | Bildquelle: AP
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Inseln, die groß genug für einen Flughafen sind, können problemlos beliefert werden. Schwieriger wird es mit den vielen kleinen Inseln Indonesiens.

Tausende Inseln wollen versorgt sein

Mehr als 17.000 Inseln gehören zum Staatsgebiet Indonesiens. Nicht überall ist eine zuverlässige Stromversorgung vorhanden. "Wenn Sie einen Kühlschrank voller Impfdosen haben, und der Strom fällt nur einmal aus, dann können Sie alles wegwerfen", warnt die indonesische Molekularbiologin Ines Atmosukarto.

Die Regierung gibt sich hingegen optimistisch: Solaranlagen sollen notfalls sicherstellen, dass die Kühlung funktioniert. Doch selbst wenn dieses Versprechen eingelöst wird: Die Kühlkapazitäten sind knapp. Deshalb muss teilweise auf Haushaltskühlschränke zurückgegriffen werden. Ein ernstes Problem für die mehr als 10.000 Gesundheitszentren, in denen die flächendeckende Impfung stattfinden soll.

Immerhin hat ein Hersteller von Speiseeis nun angekündigt, für diesen Zweck 200 große Kühlschränke zur Verfügung zu stellen. Eher eine symbolische Geste inmitten der größten medizinischen Herausforderung in der Geschichte Indonesiens.

Viel Raum für Gerüchte

Nicht nur der Impfstoff gelangt schwer zu den Menschen. Auch Informationen dringen nicht immer durch. Gerüchte und Verschwörungstheorien machen deshalb die Runde. Mal heißt es, der Impfstoff sei nicht "halal", also nicht rein für Muslime. Eine Falschmeldung, denn der oberste Rat der Muslime in dem überwiegend vom Islam geprägten Land erteilte seine Zustimmung. Das Vakzin wurde offiziell als "halal" eingestuft. Doch das sprach sich offenbar noch nicht bis in die entlegeneren Gebiete herum.

Auf Widerstand stieß die Impfkampagne auch in der christlich orientierten Provinz Papua. Manche dort wittern eine anti-christliche Verschwörung mit dem Ziel, den Gläubigen zu schaden.

Polizei bewacht eine als "halal" etikettierte Auslieferung des Covid-19-Impfstoffs in Indonesien | Bildquelle: HOTLI SIMANJUNTAI/EPA-EFE/Shutte
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Damit keine Zweifel aufkommen: Die Auslieferung des Covid-19-Impfstoffes ist ausdrücklich als "halal" ausgewiesen. Dennoch muss dieser Lkw bewacht werden.

Die Jungen kommen schneller dran

Insgesamt hat sich Indonesien 330 Millionen Impfdosen von unterschiedlichen Herstellern gesichert. 180 Millionen Menschen sollen in den nächsten 15 Monaten geimpft werden - ein ambitioniertes Ziel. Anders als der Rest der Welt will Indonesien allerdings zunächst die Jüngeren impfen. Dahinter steht die Absicht, dass Ältere, die hier meist in den Familien leben, nicht von den Berufstätigen angesteckt werden sollen, und gleichzeitig das Wirtschaftsleben weitergehen kann.

Doch auch wegen der logistischen Probleme steht diese Strategie in der Kritik. Der Epidemiologe Pandu Riono von der Indonesia-Universität in Jakarta warnte gegenüber der Agentur Reuters vor einem "Desaster". Das Gesundheitssystem drohe zusammenzubrechen. Es gebe jetzt schon viele Berichte über Covid-Erkrankte, die die weiten Wege bis zu den Kliniken nicht überlebten. Sogar auf den Friedhöfen werde der Platz knapp.

Das indonesische Gesundheitsministerium geht hingegen nur von befristeten Engpässen aus. Das Ziel ist die Impfung von etwa einer Million Menschen am Tag. Aktuell sind es etwa 50.000 Personen, die in Indonesien den Pieks mit der Spritze erhalten. Das Land hat mit insgesamt fast 270 Millionen Einwohnern die viertgrößte Bevölkerung der Erde.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 15. Januar 2021 um 12:41 Uhr.

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