Vor Bali U-Boot-Bergung im Wettlauf gegen die Zeit

Stand: 22.04.2021 17:33 Uhr

53 Seeleute sind an Bord des verschwundenen indonesischen U-Boots "KRI Nanggala 402". Bis Samstagmorgen könnte der Sauerstoff noch reichen - wenn das U-Boot noch intakt ist. Eine große Suchaktion hatte bisher keinen Erfolg.

Vor der Küste Balis suchen Rettungskräfte unter Hochdruck nach einem vermissten U-Boot der indonesischen Marine mit 53 Mann Besatzung.

Der Kontakt zu dem in Deutschland gebauten U-Boot war am Mittwochmorgen während einer Militärübung abgerissen, bei der Torpedos abgefeuert werden sollten. Die "KRI Nanggala 402" hatte nach Militärangaben um Erlaubnis gebeten, tiefer abtauchen zu können. Nach der Erteilung des entsprechenden Befehls ging der Kontakt verloren.

Sauerstoff reicht nicht mehr lange

Der Sauerstoff an Bord reiche vermutlich nicht mehr lange, warnte der indonesische Marine-Stabschef Yudo Margono. "Es ist Zeit bis Samstag gegen 03:00 Uhr morgens. Lassen Sie uns alle hoffen, dass wir sie vorher finden."

Angeführt wird die Suche von sechs indonesischen Kriegsschiffen. Insgesamt sind mehr als 20 Schiffe, zwei U-Boote und fünf Flugzeuge an der Aktion beteiligt. Auch Hubschrauber sind im Einsatz. Ein Spezialschiff für Unterwasserortung sei unterwegs. Auch Rettungsschiffe aus Singapur und Malaysia würden erwartet. Deutschland und zahlreiche weitere Staaten hätten ebenfalls Hilfe angeboten.

Ist das U-Boot noch intakt?

Gesucht wurde vor allem an einer Stelle vor der Nordküste von Bali, an der ein Ölfilm an der Wasseroberfläche entdeckt wurde. Die Retter stießen zudem auf ein noch nicht identifiziertes Metallobjekt. Es sei sehr magnetisch und befinde sich rund 100 Kilometer nördlich von Bali in 50 bis 100 Metern Tiefe, wo die "KRI Nanggala 402" zuletzt ihre Position gemeldet habe, so Margono. Noch sei nicht klar, ob es sich bei dem Metallobjekt um das vermisste U-Boot handle.

Militärexperten befürchten hingegen, dass das Schiff womöglich bis zu 700 Meter tief gesunken ist - und damit in Tiefen, für die es nicht gebaut ist. Es wird zudem spektuliert, dass das U-Boot bereits zerbrochen sein könnte.

Indonesiens Präsident Joko Widodo rief seine Landsleute zu Gebeten für die Mannschaft auf. Deren Rettung sei jetzt das Wichtigste. Er verstehe die Verzweiflung der Angehörigen. "Wir tun unser Bestes, um alle Besatzungsmitglieder an Bord zu retten", versicherte Widodo in einer Fernsehansprache.

U-Boot in Deutschland gebaut

Indonesien verfügt über insgesamt fünf in Deutschland und Südkorea gebaute U-Boote. Mit dem Bau des nun vermissten, 1300 Tonnen schwere U-Bootes vom Typ 209 vom Industrieriesen ThyssenKrupp war 1978 begonnen worden. 1981 wurde es an Indonesien ausgeliefert. "Das Boot war 1989 zum letzten Mal zur Wartung in Kiel", man wisse nichts über den technischen Zustand, sagte ein ThyssenKrupp-Sprecher der Nachrichtenagentur AFP.

Das Verschwinden der "KRI Nanggala 402" weckt Erinnerungen an das "Kursk"-Unglück im Jahr 2000. Beim Untergang des russischen Atom-U-Bootes in der Barentssee starben alle 118 Menschen an Bord. Eine Untersuchung kam später zu dem Schluss, dass das Unglück von einem defekten Torpedo verursacht wurde.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 22. April 2021 um 21:30 Uhr.

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