Urananreicherung im Iran Zwischenfall in Atomanlage Natans

Stand: 11.04.2021 17:26 Uhr

In der iranischen Atomanlage Natans hat es einen Zwischenfall gegeben. Das meldet die staatliche Atomorganisation. Gestern hatte der Iran neue Zentrifugen zur Urananreicherung in Betrieb genommen. Ob es einen Zusammenhang gibt, ist unklar.

In der iranischen Atomanlage Natans ist es nach Angaben der staatlichen Atomorganisation AEOI in der Nacht zum Sonntag zu einem "Zwischenfall" gekommen. Demnach gab es Probleme im Stromnetz in Teilen der Anlage. Behördensprecher Behrus Kamalwandi sagte am Morgen, dass es weder Verletzte noch einen Austritt von Radioaktivität gegeben habe. Die Ursache des Zwischenfalls werde untersucht, sagte er laut einem Bericht der Nachrichtenagentur IRNA.

"Wir hatten einen Zwischenfall in einem Teil des Strom-Verteilnetzes in der Anreicherungsanlage. Dadurch war die Stromversorgung unterbrochen", sagte Kamalwandi in einem Telefoninterview mit dem Iranischen Staatsfernsehen.

Iran spricht von "Terrorismus"

Der iranische Parlamentsabgeordnete Mark Schariati nannte den Zwischenfall "verdächtig" und schrieb auf Twitter von möglicher "Sabotage oder Infiltration".

Der Leiter des zivilen Atomprogramms, Ali Akbar Salehi, sagte im iranischen Staatsfernsehen, es handele sich um "Atomterrorismus". Wen er dafür verantwortlich mache, sagte er allerdings nicht.

Der israelische Journalist Amichai Stein schrieb, es werde davon ausgegangen, dass die Störung im Stromnetz der Atomanlage von einer "israelischen Cyber-Operation" ausgelöst worden sei.

Neue Zentrifugen zur Urananreicherung

Stunden zuvor hatte der Iran mitgeteilt, neue Zentrifugen zur Urananreicherung in Natans in Betrieb genommen zu haben. In einer vom Staatsfernsehen übertragenen Online-Zeremonie weihte Präsident Hassan Rouhani knapp 200 neue Zentrifugen vom Typ IR-5 sowie IR-6 in der Atomanlage Natans offiziell ein.

Dort wird Uran angereichert - derzeit bis auf 20 Prozent. Verschieden hoch angereichertes Uran dient als Brennstoff für Atomreaktoren - kann aber auch in Atomwaffen eingesetzt werden. Ob es einen Zusammenhang zwischen den neuen Zentrifugen und dem Zwischenfall gibt, ist unklar.

Schon im vergangenen Juli hatte es in einer der Arbeitshallen der Anlage eine schwere Explosion gegeben. Der genaue Hintergrund ist bis heute unklar. Auch damals war die Rede von einem Sabotageakt Israels, aber offiziell bestätigt wurde dies nicht.

Atomabkommen soll wiederbelebt werden

Der Zwischenfall und die Inbetriebnahme der neuen Zentrifugen erfolgten vor dem Hintergrund der derzeitigen Gespräche über eine Wiederbelebung des Atomabkommens, das verhindern soll, dass der Iran an Kernwaffen gelangt. Unter dem damaligen US-Präsidenten Donald Trump waren die USA 2018 einseitig aus dem Abkommen ausgetreten und hatten neue Sanktionen gegen den Iran verhängt. Seither hat sich auch Teheran schrittweise aus seinen Verpflichtungen zurückgezogen. 

Das 2015 in Wien geschlossene Abkommen erlaubt dem Iran die Urananreicherung ausschließlich mit der älteren Zentrifugengeneration IR-1. Darüber hinaus darf der Iran eine begrenzte Zahl an IR-4- und IR-5-Zentrifugen testen. Die nun in Betrieb genommenen Zentrifugen ermöglichen es dem Iran, Uran in großen Mengen und zu einem höheren Grad anzureichern als von der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA genehmigt. Der Iran beteuert, seine Atomaktivitäten hätten keinen militärischen Hintergrund.


Mit Informationen von Karin Senz, ARD-Studio Istanbul

Rätselraten um Zwischenfall in iranischer Atomanlage
Karin Senz, ArD Istanbul
11.04.2021 11:59 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. April 2021 um 08:00 Uhr in den Nachrichten.

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