Urananreicherung im Iran Neue Zentrifugen in Betrieb

Stand: 10.04.2021 16:03 Uhr

Es ist ein weiterer Verstoß gegen das Atomabkommen: Im Iran sind neue Zentrifugen für eine schnellere Urananreicherung in Betrieb genommen worden. In Wien laufen derweil die Bemühungen weiter, die USA zurück in das Abkommen zu holen.

Ungeachtet internationaler Warnungen hat der Iran mit der Inbetriebnahme neuer Zentrifugen begonnen, die eine schnellere Anreicherung von Uran ermöglichen. In einer vom Staatsfernsehen übertragenen virtuellen Zeremonie weihte der iranische Präsident Hassan Rouhani die Kaskaden von knapp 200 neuen Zentrifugen in der Urananreicherungsanlage Natans im Zentrum des Landes offiziell ein. Rouhani sprach von einer "großen Errungenschaft" der Wissenschaftler der iranischen Atomorganisation AEOI.

Die Inbetriebnahme der Zentrifugen ist der jüngste Verstoß Teherans gegen das 2015 geschlossene internationale Atomabkommen. Das Atomabkommen erlaubt dem Iran nur die ältere Zentrifugengeneration IR-1 zu nutzen und dabei den Urananreicherungsgrad unter vier Prozent zu halten.

Aber nach dem Ausstieg der USA aus dem Deal im Jahr 2018 war auch der Iran schrittweise seinen Verpflichtungen aus dem Abkommen nicht mehr nachgekommen. Nach Angaben der AEOI hat das Land binnen 4 Monaten 57 Kilogramm 20-prozentiges Uran angereichert. Die AEOI behauptet, sie sei mit den schnelleren Zentrifugen in der Lage, den Anreicherungsgrad auf 60 Prozent zu erhöhen.

Rouhani nennt Atomprogramm "friedlich"

Rouhani bekräftigte bei der Zeremonie die Darstellung seines Landes, wonach das iranische Atomprogramm "friedlich" angelegt sei. Die Zeremonie fand anlässlich des "Tags der Nuklearenergie" im Iran statt. 

"Wir halten uns an den Atomwaffensperrvertrag und verfolgen keine militärischen Ziele", sagte der Präsident im Staatsfernsehen. "Daher ist ein friedliches Atomprogramm unser legitimes Recht, das wir auch ohne ausländische Hilfe weiterführen werden."

Maas: "Anfang intensiver Verhandlungen"

In Wien laufen derzeit Verhandlungen über eine Wiederbelebung der Wiener Nuklearvereinbarung und eine Rückkehr der USA in das Abkommen. Unter dem damaligen Präsidenten Donald Trump waren die USA 2018 einseitig aus dem Abkommen ausgetreten und hatten neue Sanktionen gegen Teheran verhängt. Seither hat sich auch der Iran schrittweise aus seinen Verpflichtungen zurückgezogen. In den vergangenen Monaten meldete die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) eine starke Beschleunigung der iranischen Verstöße gegen die Vereinbarungen.

Bundesaußenminister Heiko Maas erklärte, die erste Woche der Gespräche in Wien sei "konstruktiv" gewesen. "Alle Seiten" hätten Bereitschaft gezeigt, "mit der nötigen Ernsthaftigkeit auf das gleiche Ziel hinzuarbeiten: die vollständige Umsetzung des Atomabkommens mit Iran", schrieb Maas im Online-Dienst Twitter. Dieses Ziel zu erreichen, werde allerdings nicht leicht, räumte Maas ein. "Wir stehen erst am Anfang intensiver Verhandlungen."

Die Gespräche in Wien sollen in der kommenden Woche fortgesetzt werden. Diplomaten aus den USA waren in dieser Woche in separaten Gesprächen in die Beratungen einbezogen, saßen aber nicht mit den Vertretern aus Teheran an einem Tisch. Die neue US-Regierung von Präsident Joe Biden hat grundsätzlich Bereitschaft signalisiert, dem Atomabkommen mit dem Iran wieder beizutreten. Der Iran macht aber die Aufhebung der US-Strafmaßnahmen zur Vorbedingung dafür, dass das Land sich wieder in vollem Umfang an das Abkommen hält. 

Iran testet neue Zentrifugen
Karin Senz, ARD Istanbul
11.04.2021 06:23 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. April 2021 um 15:00 Uhr.

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