Corona-Pandemie in Japan Wie ein Auslandsstudium unmöglich wird

Stand: 19.04.2021 04:30 Uhr

Wegen der Corona-Pandemie hält Japan seit rund einem Jahr seine Grenzen nahezu geschlossen. Besonders betroffen sind davon auch zahlreiche deutsche Studierende. Sie beklagen eine ungerechte Behandlung.

Von Kathrin Erdmann, ARD-Studio Tokio

In einem Youtube-Video wendet Japans Regierungschef Yoshihide Suga sich vor wenigen Tagen an Studierende in aller Welt. Das Coronavirus erschwere es den Menschen, sein Land zu besuchen, sagt er. Hinweise von jungen Menschen, die sich für ein Studium in Japan interessieren, seien jedoch sehr wichtig. Suga ruft die Studierenden deshalb zur Mitarbeit auf, damit noch mehr von ihnen in Zukunft ein Studium in Japan aufnehmen könnten.

Die deutsche Studentin Sara, die ihren richtigen Namen nicht nennen möchte, hat das Video gesehen. "Also da bleibt man sprachlos zurück. Das macht einen unfassbar wütend", sagt sie. Die 25-Jährige sitzt in Augsburg auf gepackten Koffern. Eigentlich wollte sie nach ihrem Bachelor eine Sprachschule in Japan besuchen und dann dort den Master anhängen. Doch Japan hält seine Grenzen fest geschlossen, Tausenden wird die Einreise trotz nachweislichem Studienplatz oder Sprachschule verwehrt.

Studiengebühr und Miete im Voraus bezahlt

"Ich habe bereits alles bezahlt, darunter waren die Studienkosten und die Kosten für ein halbes Jahr Miete und ein Jahr Krankenversicherung", erzählt die junge Frau. Rund 7000 Euro hat sich die Studentin nach ihren Angaben dafür von einem Verwandten geliehen. Weil sie ihr WG-Zimmer aufgegeben hatte, wohnt Sara derzeit bei einer Freundin. Seit einem Jahr hat sie ihren Freund in Japan nicht gesehen, weil sie vor Monaten auch für ein Praktikum nicht einreisen durfte. "Das kommt noch zusätzlich zum Studienstress hinzu. Dass ich nicht weiß, wo meine Bildung hinverläuft, ist auch sehr unklar, wo meine Beziehung hinverläuft. Das ist eine doppelte Belastung." Sie habe noch nie so viel geweint wie in diesem Jahr, sagt Sara, während sie gequält in ihren Computer schaut.

Studieren mitten in der Nacht

Auch Matthias, seinen echten Namen möchte er ebenfalls nicht nennen, trifft die Einreisesperre Japans hart. Der 24-Jährige aus Chemnitz ist im sechsten Semester und versucht seit einem Jahr sein verpflichtendes Auslandsjahr in dem ostasiatischen Land zu absolvieren. Das erste Mal im Februar 2020: "Eine Woche vor Abflug kam dann die E-Mail von der Austauschuni, dass sie das Semester aufgrund der Corona-Situation lieber verschieben würden." Sein Stipendium konnte Matthias zum Glück behalten, aber einreisen darf er bis heute nicht. Jetzt bietet seine japanische Uni Fernunterricht an - natürlich zu ihren Zeiten und das heißt: Mit sieben Stunden Zeitverschiebung.

"Ich muss drei Mal um 3.50 Uhr früh Unterricht nehmen und am Freitag habe ich jede Woche von 2.00 Uhr bis 10.00 Uhr durchgängig Unterricht." Anwesenheit ist Pflicht und hinzu kommen Kurse an seiner Chemnitzer Uni. Auf ein anderes Land umzuschwenken kommt für Matthias nicht infrage, schließlich hat er schon viel Zeit in die japanische Sprache investiert und würde später gern in Japan arbeiten. "Das ist einfach eine Mischung zwischen Unverständnis und Enttäuschung über die Situation und wie sie gehandhabt wird."

Was ihn besonders ärgert: Dass andere Menschen nach Japan einreisen können - wie zum Beispiel Lehrkräfte oder die Olympioniken mit ihren Teams, sogar ohne die zweiwöchige verpflichtende Quarantäne. Und: Dass japanische Studierende durchaus nach Deutschland einreisen dürften, obwohl die Corona-Situation hier viel schlimmer ist als in Japan. 

Studierende wirtschaftlich uninteressant?

Kazuyoshi Yamauchi ist Anwalt und auf Visafragen spezialisiert. An ihn würden sich viele Menschen wenden, doch helfen könne er derzeit kaum, erzählt er. Dass Japan Studierenden die Einreise so lange verwehrt, erklärt der Anwalt so: "Meine persönliche Meinung: Studierende haben für die Regierung keine Priorität, weil sie kein Geld bringen."

Momentan gehe es erstmal darum, die Olympischen Spiele einigermaßen über die Bühne zu bekommen, ohne dass die Infektionszahlen steigen. Seine Prognose: "Ab September oder Oktober erlaubt die Regierung vielleicht wieder Menschen mit Arbeitsvisa die Einreise." Studierende hingegen sollten sich nach seiner Einschätzung eher auf das Jahresende einstellen.

Japan macht dicht

Die haben sich inzwischen im Internet zusammengeschlossen, Petitionen gestartet, sich an die Europäische Union, an die UN und an die deutsche Regierung gewandt. Auf Nachfrage des ARD-Studios Tokio beim Auswärtigen Amt heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme, Deutschland setze sich mit der EU intensiv dafür ein, die Einreise von Familienangehörigen, von Studierenden, Arbeitskräften, Schülern und Schülerinnen auch in Zeiten der Pandemie zu ermöglichen, denn sie bildeten eine wichtige Brücke zwischen den Ländern.

Japan jedoch, so heißt es weiter, sehe das anders: "Japan erklärt die Restriktionen mit Erfordernissen des Infektionsschutzes, insbesondere mit Hinblick auf neue Varianten des Virus SARS-CoV-2." Und über diese Restriktionen entscheide jede Regierung eigenständig. Deutschland nimmt das hin, Verständnis jedoch klingt anders.

Einreisesperren für deutsche Studierende in Japan
Kathrin Erdmann, ARD Tokio
18.04.2021 15:45 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 19. April 2021 um 05:18 Uhr.

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