Myanmar Wieder Proteste, Gewalt und Tote

Stand: 08.04.2021 16:00 Uhr

Die Militärjunta geht mit unverminderter Gewalt gegen Demonstranten vor: Im Nordwesten Myanmars sind elf Menschen getötet worden. Inzwischen werden auch Künstler und Prominente festgenommen, die die Protestbewegung unterstützen.

In Myanmar sind bei Protesten erneut mehrere Demonstranten von Sicherheitskräften getötet worden. Bei heftigen Zusammenstößen in der Stadt Taze im Nordwesten seien mindestens elf Menschen ums Leben gekommen worden, berichteten örtliche Medien.

Soldaten hätten am Mittwochabend auf Demonstranten gefeuert. Diese hätten sich mit Jagdgewehren, Messern und Brandsätzen gewehrt. Es gebe rund 20 Verletzte. Über mögliche Opfer unter den Soldaten gab es zunächst keine Angaben. Taze liegt in der Nähe der Stadt Kale, wo bei ähnlichen Auseinandersetzungen am Mittwoch ebenfalls mindestens elf Menschen getötet worden waren.

Auch in der Wirtschaftsmetropole Yangon protestierten erneut zahlreiche Menschen gegen den Putsch des Militärs und für die Rückkehr zur Demokratie. Zahlreiche Menschen platzierten Schuhe mit Blumen darin, um der Opfer der Proteste zu gedenken.

Junta verfolgt offenbar auch Prominente

Die Junta in Myanmar verfolgt nun offenbar auch verstärkt Prominente als Unterstützer der Protestbewegung: Der in Myanmar und im Nachbarland Thailand bekannte Sänger und Schauspieler Paing Takhon, der sich dem Protest gegen den Putsch angeschlossen hatte, sei festgenommen worden, sagte seine Schwester Thi Thi Lwin der Nachrichtenagentur Reuters. Militärangehörige hätten ihn am frühen Morgen aus dem Haus ihrer Eltern in Yangon mitgenommen. Es sei nicht klar, wohin sie ihren Bruder gebracht hätten.

Paing Takhon hatte seit dem Putsch vom 1. Februar an Protestaktionen teilgenommen und Fotos davon in den Sozialen Medien gepostet.

Nach Angaben myanmarischer Medien fahnden Armee und Polizei nach mehr als 100 weiteren prominenten Künstlern, Schauspielern, Influencern und Sängern. Bereits am Dienstag war der populäre Kabarettist Zarganar festgenommen worden. Der 60-Jährige ist ein langjähriger Kritiker der Macht des Militärs in Myanmar.

Eigener Botschafter ausgesperrt

In London rief der Botschafter Myanmars, Kyaw Zwar Minn, die britische Regierung auf, Gesandte der Militärregierung nicht anzuerkennen und sie in ihre Heimat zurückzuschicken. Er war am Mittwoch von seinem Stellvertreter auf Geheiß der Militärregierung aus dem Botschaftsgebäude ausgesperrt worden. Über einen Sprecher ließ Kyaw Zwar Minn erklären, er sei vom Militärregime in seine Heimat zurückbeordert worden. Seither weigere er sich, dessen Anweisungen zu befolgen. Er sei überzeugt, dass die Regierung des Vereinigten Königreiches nicht mit denjenigen zusammenarbeiten werde, die für die Militärjunta arbeiten.

Seit Wochen Proteste gegen Militärjunta

In Myanmar gehen seit Wochen zahlreiche Menschen auf die Straße, um gegen den Putsch der Generäle Anfang Februar zu protestieren. Der Gefangenenhilfsorganisation AAPP zufolge werden insgesamt fast 2900 Menschen in Gewahrsam gehalten. Rund 600 Zivilisten seien bislang in den Unruhen getötet worden.

Das Militär hatte nach dem Putsch vom 1. Februar im früheren Birma die faktische Regierungschefin Aung San Suu Kyi in Gewahrsam genommen und einen einjährigen Ausnahmezustand verhängt. Die Demonstranten fordern die Rückkehr zu demokratischen Reformen und die Wiedereinsetzung von Suu Kyis ziviler Regierung.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 08. April 2021 um 13:00 Uhr.

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