Nach Militärputsch "Ein kritischer Augenblick für Myanmar"

Stand: 25.02.2021 16:00 Uhr

Während die Nachbarländer Myanmars versuchen, auf diplomatische Weise Einfluss zu nehmen, sind in der größten Stadt des Landes Gegner und vermeintliche Unterstützer der Militärjunta aneinandergeraten.

Von Lena Bodewein, ARD-Studio-Singapur.

"Achtung, sie kommen", warnen die Gegner des Militärputsches ihre Gleichgesinnten, indem sie auf Töpfe hauen. Denn in Yangon, der größten Stadt des Landes, sind heute etwa tausend Befürworter der Machtergreifung der Militärs aufgetreten.

Die Gegner des Putsches blockierten die Straßen, auf denen die Befürworter sich fortbewegen wollten. Letztere waren nach Aussagen von Beobachtern mit Messern, Knüppeln und Steinschleudern bewaffnet und sollen Demokratieverteidiger angegriffen haben.

Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet von Videoaufnahmen, die eine Gruppe offenkundiger Anhänger des Militärs zeigten, aus der heraus ein Mann einen anderen Mann mit einem Messer angriff. Mindestens eine weitere Person soll niedergestochen worden sein. Auch Journalisten und Fotografen sollen laut Reuters bedroht worden sein.

Von der Polizei unterstützt

Viele Zeugen sagen, dass die Polizei die Schläger geschützt, wenn nicht sogar angeheuert habe. Nach wie vor versuchten die Demonstranten gegen den Putsch, den Frieden zu wahren, sie wollen der Militärjunta nicht durch Gewaltausbrüche in die Hände spielen.

"Sie wollen die Demokratie zurückbringen und das System der Gewalt durchbrechen", sagt Kyaw Hsan, ein Friedensaktivist, der früher vor der Militärjunta fliehen musste. "Das ist ein kritischer Augenblick für Myanmar."

Eine Schlichtung sei nahezu unmöglich, sagt der burmesische Historiker Thant Myint U, es müsse jetzt kreative Wege geben, um das Volk Myanmars in seinem Verlangen nach Demokratie zu unterstützen. Und der zuständige Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen, Tom Andrews, wies daraufhin, dass 137 internationale Nichtregierungsorganisationen ein Waffenembargo gefordert haben.

"Unterstützt nicht die Militärdiktatur"

Unterdessen protestierten Kämpfer für die Demokratie auch vor den Botschaften Thailands und Indonesiens. "Hier steht: Seid gute Nachbarn der Bewohner Myanmars, unterstützt nicht die Militärdiktatur", erklärt eine Demonstrantin und deutet auf ein Plakat.

Denn die Außenministerin Indonesiens Retno Marsudi hat in Thailand den vom Militär ernannten Außenminister Myanmars, Wunna Maung Lwin, getroffen. Gegen heftige Kritik aus dem In- und Ausland wehrte sich die indonesische Ministerin. "Indonesien wird mit allen Seiten verhandeln, um das Problem in Myanmar zu lösen.", sagte Marsudi. "Wir bitten alle um Zurückhaltung und darum, keine Gewalt zu gebrauchen, um Opfer und Blutvergießen zu verhindern."

Doch durch ihre Begegnung mit dem burmesischen Minister erkenne die indonesische Außenministerin das Regime schon an, meinen Kritiker, ebenso durch die Forderung nach Neuwahlen durch das Militär. Es habe schließlich im November Wahlen gegeben - diese gewählte Regierung wollen die Demokratiekämpfer zurückhaben.

Zusammenstöße in Myanmar
Lena Bodewein, ARD Singapur
25.02.2021 15:23 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 25. Februar 2021 um 12:49 Uhr.

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