Proteste in Myanmar Hackerangriffe und Straßenblockaden

Stand: 18.02.2021 20:47 Uhr

Die Proteste in Myanmar gegen die Militärjunta nehmen neue Formen an: Autos und Motorräder blockieren die Straßen, Hacker greifen Webseiten der Armee an. Auch der internationale Druck auf das Militär steigt.

Die Demonstranten in Myanmar haben sich auf neue Formen des Protests gegen die Militärjunta verlegt: Eine Gruppe namens "Myanmar-Hacker" hat nach eigenen Angaben die Webseiten der Zentralbank, der PR-Abteilung der Armee, der Hafenverwaltung, der Regulierungsbehörde für Nahrungsmittel und Medikamente sowie des staatlichen Senders MRTV angegriffen. In Rangun blockierten zahlreiche Autofahrer die Straßen, um die Sicherheitskräfte am Durchkommen zu hindern. 

"Wir kämpfen für Gerechtigkeit in Myanmar", erklärte die Hacker-Gruppe auf ihrer Facebook-Seite. Sie bezeichnete ihre Cyberangriffe als "Massenprotest vor den Webseiten der Regierung". Die staatliche Zeitung "New Light of Myanmar" bestätigte die Cyberattacken. 

Zahlreiche Autos blockieren eine Straße in Rangun. | Bildquelle: EPA
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Zahlreiche Autos blockieren eine Straße in Rangun.

"Kampagne der Autopannen"

Seit dem Militärputsch vom 1. Februar finden in dem südostasiatischen Land Massenproteste gegen die Junta statt. In Rangun, der größten Stadt des Landes, wurden die Straßen zur Hauptverkehrszeit verstopft von scheinbar liegen gebliebenen Autos, Bussen, Lastwagen und Taxis. 

"Wir nehmen an der 'Kampagne der Autopannen' teil, weil wir die (Staatsbediensteten) unterstützen wollen und weil wir stolz auf sie sind", sagte der Lkw-Fahrer Phoe Thar der Nachrichtenagentur AFP. In den vergangenen Tagen waren unter anderem Fluglotsen, Lehrer, Ärzte und Eisenbahner in den Streik getreten. 

Tausende Demonstranten drängten sich an den großen Kreuzungen der Stadt und zeigten den Drei-Finger-Gruß, der zum Symbol der Proteste geworden ist. Sie skandierten: "Fahrt nicht ins Büro! Schließt euch der Bewegung des zivilen Ungehorsams an!"

Sicherheitskräfte sollen Schusswaffen eingesetzt haben

In der zweitgrößten Stadt des Landes, Mandalay, gab es ebenfalls Spannungen. Polizei und Militär lösten laut Augenzeugen eine Gruppe von Demonstranten auf, die den Zugverkehr behinderten. Dabei setzten die Sicherheitskräfte nach Angaben eines Rettungsdienstmitarbeiters auch Schusswaffen ein. Ob es sich dabei um Gummigeschosse oder scharfe Munition handelte, ist unklar. In der Hauptstadt Naypyidaw setzte die Polizei Wasserwerfer ein. 

Zudem wurde von der Militärjunta zum vierten Mal in Folge die Internetnutzung stark eingeschränkt. Die Verbindungen sanken nach Angaben der Organisation Netblocks auf rund 20 Prozent des üblichen Niveaus.

Außenminister fordern Rückkehr zur Demokratie

Die Außenminister der USA, Indiens, Japans und Australiens forderten das Regime in Myanmar "dringend" zu einer Rückkehr zur Demokratie auf. Großbritannien verhängte Sanktionen gegen drei hochrangige Generäle, darunter die Spitzen des Verteidigungs- und des Innenministeriums. Zudem sei geplant, die Zusammenarbeit britischer Unternehmen mit der Militärjunta zu unterbinden, erklärte das Außenministerium. 

Auch Kanada sanktionierte neun Verantwortliche in Myanmar. In der vergangenen Woche hatten bereits die USA Strafmaßnahmen gegen die Militärführung in dem südostasiatischen Land verhängt.

Der Chef von Human Rights Watch, Kenneth Roth, sagte, das Wichtigste im Kampf gegen die Junta sei das Anziehen der finanziellen Daumenschraube: "Der nächste Schritt müsse sein, die Unternehmen zu verfolgen, die das Militär besitzt und die es benutzt, um den Putsch und seine Unterdrückung zu finanzieren", sagte Roth der Deutschen Welle.

Demonstranten fordern Freilassung von Aung San Suu Kyi

Die Angst vor einer erneuten Unterdrückung ist bei vielen Myanmarern nach fast 50 Jahren Militärherrschaft seit der Unabhängigkeit des Landes 1948 groß. Hunderte Menschen wurden seit dem Putsch festgenommen, mehrere bei den Demonstrationen verletzt. Dennoch erhält die Protestbewegung weiterhin viel Zulauf. 

Die Demonstranten fordern die Rückkehr zur Demokratie und die Freilassung der entmachteten De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi. Sie war im Zuge des Putsches von der Armee festgenommen und unter Hausarrest gestellt worden. 

Die Wut wächst weiter - Massenproteste in Myanmar
Holger Senzel, ARD Singapur
19.02.2021 11:09 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 17. Februar 2021 um 20:00 Uhr.

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