Kommentar

Nawalnys Festnahme Der Verlierer könnte im Kreml sitzen

Stand: 19.01.2021 03:22 Uhr

Kremlgegner Nawalny ist längst der zweitwichtigste Politiker in Russland, meint Ina Ruck. Die überstandene Nowitschok-Vergiftung könnte ihm am Ende sogar geholfen haben - und seine Verhaftung Präsident Putin schaden.

Ein Kommentar von Ina Ruck, ARD-Studio Moskau

Aleksej Nawalny hat alles auf eine Karte gesetzt, er hat hoch gepokert. Und er hat verloren. So geht die eine Version der Geschichte: Man fordert den Kreml nicht heraus. Und wenn, dann zieht man den Kürzeren. Aber so einfach ist es nicht.

Denn man kann die Geschichte auch anders erzählen: Da ist einer - den kann man mögen oder nicht -, der traut sich, den Kreml herauszufordern. Den Präsidenten persönlich, und, noch schlimmer, den allmächtigen Geheimdienst. Einer, der einfach keine Angst hat.

Mit so einem können sie hier in Moskau ganz schlecht umgehen. Sie reagieren so, wie sie es immer getan haben: mit Wegsperren, mit Einschüchtern, mit den alten Geheimdienstmethoden.

Die Meinung von Ina Ruck, WDR, zu Alexej Nawalnys Rückkehr nach Russland
tagesthemen 22:15, 18.01.2021

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Nawalny steht für eine neue Generation

Vielleicht ist es genau das, was Nawalny wollte: den Kreml provozieren, ihn Fehler machen lassen, ihn international noch weiter diskreditieren und vor allem auch im eigenen Land schlecht aussehen lassen.

Denn Nawalny selbst ist längst zur zweitwichtigsten politischen Figur geworden hier im Land. Der Giftanschlag, so paradox das klingt, hat ihn aufgewertet. Er hat überlebt, er hat sich aufgerappelt, er hatte den Mut, zurückzukommen. Sowas kommt gut an bei den Leuten.

Wer Nawalny einsperrt, macht sich jetzt Feinde in Russland. Denn er steht für eine völlig neue Generation - eine, die die alte Politik der Drohungen wenig beeindruckt. Vielleicht sitzt deshalb der wahre Verlierer dieser Geschichte im Kreml.

Redaktioneller Hinweis

Kommentare geben grundsätzlich die Meinung des jeweiligen Autors und nicht die der Redaktion wieder.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 18. Januar 2021 um 22:15 Uhr.

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