Gönül Örs | Bildquelle: BR

Deutsche in der Türkei Gericht hält an Ausreisesperre fest

Stand: 21.01.2021 12:15 Uhr

Die Deutsch-Kurdin Gönül Örs darf weiterhin nicht zurück nach Deutschland reisen und muss in der Türkei bleiben. Sie steht in Istanbul vor Gericht, weil sie an einer Protestaktion bei Köln teilgenommen hatte.

Die in der Türkei wegen Terrorvorwürfen angeklagte Kölnerin Gönül Örs darf das Land weiter nicht verlassen. Das Gericht in Istanbul hielt an einer Ausreisesperre gegen Örs fest. Die wöchentliche Meldepflicht bei der Polizei wurde aufgehoben - der Prozess wurde auf den 6. April vertagt. 

Ihre Anwältin Ayse Celik hatte die Aufhebung der Ausreisesperre beantragt. "Ihr Leben ist in Deutschland", sagte sie. Örs habe in der Türkei kein Einkommen und müsse mit ihren Verwandten leben. Sie sei einsam und depressiv.

Enttäuschung bei Örs

Örs reagierte niedergeschlagen auf die Entscheidung. "Das ist reine Schikane, das kann einfach nicht wahr sein", sagte sie nach der Verhandlung. Sie habe die Hoffnung gehabt, dass sie ausreisen könne. "Jetzt muss ich weitere vier Monate hier ausharren. Was soll ich denn hier machen, wie soll ich denn hier überleben?"

"Der Horror muss endlich ein Ende haben", teilte der SPD-Bundestagsabgeordnete Frank Schwabe mit. "Gönül Örs hat kein Verbrechen begangen, das wird das Gericht beim nächsten Prozesstag feststellen müssen."

Die kurdische Sängerin Hozan Cane im Tonstudio. | Bildquelle: BR
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Die kurdische Sängerin Hozan Cane ist politisch engagiert. In der Türkei wird ihr Terrorunterstützung vorgeworfen. Als ihre Tochter Gönül Örs sie im Istanbuler Gefängnis besuchte, wurde sie festgenommen.

Prozess ist ein Politikum

Örs ist die Tochter der ebenfalls unter Terrorvorwürfen angeklagten Sängerin Hozan Cane, die im Oktober nach zwei Jahren Haft in Istanbul entlassen wurde. Cane war ebenfalls anwesend, durfte aber nicht in den Gerichtssaal. Ein Mitarbeiter des deutschen Konsulats beobachtete den Prozess.

Außenminister Heiko Maas hatte am Montag bei einem Besuch in Ankara gesagt, er habe "Konsularfälle" mit seinem türkischen Kollegen Mevlüt Cavusoglu besprochen. Auf Örs ging er nicht ein. 

Hintergrund ist Protestaktion in Deutschland

Örs wird Terrorpropaganda für die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK, Freiheitsberaubung unter Gewaltanwendung oder Täuschung sowie "Entführung oder Beschlagnahmung" von Beförderungsmitteln vorgeworfen. Hintergrund ist die Protestaktion eines PKK-nahen Vereins in Köln im Jahr 2012, wo pro-kurdische Transparente enthüllt wurden. Örs war im Mai 2019 festgenommen worden, als sie ihre Mutter im Gefängnis in Istanbul besuchte.

In Deutschland wurden Ermittlungen gegen sie nach Angaben der Anwältin eingestellt. Die Kölnerin saß drei Monate in der Türkei in Untersuchungshaft und stand sechs Monate unter Hausarrest - seit Juni gilt eine Ausreisesperre. Der Prozess gegen die Sängerin Hozan Cane geht am 9. Februar weiter. 

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