60 Jahre bemannte Raumfahrt Wovon Gagarin nur zu träumen wagte

Stand: 12.04.2021 04:34 Uhr

Juri Gagarin machte den Anfang: Vor 60 Jahren flog er als erster Mensch ins All. Heute planen die Weltraumnationen die Rückkehr auf den Mond. Private Unternehmen nehmen den Mars ins Visier.

Von Ute Spangenberger, SWR

USA gegen Sowjetunion - der einstige Kampf der Supermächte um Einflusssphäre reichte bis ins All. Der Start des ersten Satelliten der UdSSR 1957 löste in den USA einen regelrechten "Sputnik-Schock" aus und auch bei der bemannten Raumfahrt hatte die Sowjetunion zunächst einen Vorsprung, als sie heute vor 60 Jahren mit Juri Gagarin den ersten Kosmonauten ins All schickte. Dann aber holten die USA mit gewaltigen Investitionen auf und waren 1969 schließlich als erste auf dem Mond.

Bis zum Ende des 20. Jahrhunderts blieb die bemannte Raumfahrt in den Händen der beiden Staaten. Inzwischen gibt es Konkurrenz. Vor allem China drängt mit Macht in den Weltraum - und in absehbarer Zeit will auch Indien einen ersten Testflug mit einer Rakete für eigene Astronauten machen.

Kooperation in der Raumfahrt

Doch die Raumfahrt bleibt ein kostspieliges und komplexes Unterfangen, das vor allem dann Erfolg verspricht, wenn mehrere Nationen zusammenarbeiten, betont der deutsche Astronaut Alexander Gerst. Das habe sich schon in den 1970er-Jahren gezeigt, als es erste Kooperationen zwischen der UdSSR und den USA gab: "Das hat im Weltraum Brücken geschlagen, davon leben wir noch heute", sagt er. "Die Internationale Raumstation (ISS) ist so erfolgreich, weil eben nicht nur eine Nation sie gebaut hat, sondern viele zusammen. Das bringt Stabilität."

Davon hat auch die Europäische Weltraumagentur (ESA) profitiert, die kein eigenes Transportsystem hat, um Astronauten in den Weltraum zu schicken, sondern ihre Astronauten - wie Alexander Gerst - im Rahmen von Kooperationen ins All schickt, etwa zur ISS. Ihre Konkurrenz im All überwanden die USA und Russland als Raumfahrt-Nachfolgestaat der Sowjetunion nicht zuletzt aus Kostengründen.

USA wollen zurück zum Mond

In den USA ist inzwischen nach einer Zeit der Zurückhaltung bei den Investitionen in die Raumfahrt "back to the moon" das Ziel. Der ehemalige US-Präsident Donald Trump hatte optimistisch verkündet, bereits 2024 mit der ersten Frau, einer US-Astronautin, wieder auf dem Mond zu landen.

Am Erfolg des sogenannten Artemis-Programms zweifle niemand, am Zeitpunkt schon, sagt der deutsche Ex-Astronaut Ulrich Walter:

"Schon die NASA hat Trump immer wieder gesagt, dass 2024 nicht geht, frühestens 2025, besser 2026. Aber sie musste sich natürlich der Forderung von Trump unterordnen. Trumps Gedanke dahinter war, am Ende seiner zweiten Amtsperiode - wenn er denn wiedergewählt worden wäre - sagen zu können: Ich habe die Amerikaner wieder in die Tiefen des Weltraums gebracht."

Der Astronaut Buzz Aldrin am 21. Juli 1969 (MEZ) auf dem Mond. | Bildquelle: AP
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Ein historischer Moment: Der Astronaut Buzz Aldrin am 21. Juli 1969 (MEZ) auf dem Mond.

China plant eigene Raumstation

Auch die Europäische Weltraumagentur baut unter anderem mit der NASA und der russischen Weltraumorganisation Roskosmos eine neue Station im All auf: das Lunar Gateway. Das ist eine Weltraumplattform, die den Mond umkreist und als Basis für Missionen zum Mond dienen soll.

Allerdings hat die Bereitschaft zur Zusammenarbeit im All weiter ihre Grenzen. Aufgrund des Widerstands der USA durfte sich China nicht an der Internationalen Raumstation beteiligen. Nun arbeitet das Land daran, in den nächsten Jahren ebenfalls zum Mond zu fliegen und eine eigene Raumstation ähnlich der ISS aufzubauen.

Private Unternehmen stoßen vor

Neben den klassischen Raumfahrtnationen oder "the old stuff", wie Ulrich Walter sagt, gibt es inzwischen auch mehrere höchst erfolgreiche private Unternehmer wie Elon Musk, Jeff Bezos oder Richard Branson, die im Weltraummarkt aktiv sind.

Musks 2002 gegründetes Unternehmen SpaceX fliegt als kommerzieller Anbieter inzwischen mit den "Crew Dragon"-Kapseln Astronauten zur ISS. Noch in diesem Jahr soll der deutsche ESA-Astronaut Matthias Maurer an Bord einer SpaceX-Rakete des Typs "Falcon 9" dorthin befördert werden.

Der deutsche Raumfahrtingenieur Hans Königsmann, der bis vor kurzem Vizepräsident bei SpaceX war, gibt aber zu bedenken: "Ein bisschen habe ich die Befürchtung, dass der Erfolg von SpaceX missinterpretiert wird als: 'Das kann jeder.' Das ist, glaube ich, nicht der Fall. Man braucht nach wie vor viel Geld und Beharrlichkeit. Man muss dranbleiben und Misserfolge einplanen. Das ist schwierig."

Bemannte Weltraumflüge für Selbstzahler

Die Richtung ist klar: Bemannte Weltraumflüge wird es in Zukunft häufiger geben. Gerade erst hat das US-Raumfahrtunternehmen Virgin Galactic seinen neuen Raumgleiter vorgestellt. Er soll zahlende Kunden kurzzeitig in den Weltraum befördern, damit sie für ein paar Minuten Schwerelosigkeit erleben können. Für einen dieser suborbitalen Flüge ist ein Sitzplatzpreis von 250.000 Dollar im Gespräch.

Wann es Technologien geben wird, um mit Astronauten zum Mars zu fliegen, ist noch unklar. SpaceX spricht immer wieder davon, noch in diesem Jahrzehnt zum Mars aufbrechen zu wollen.

60 Jahre nachdem der erste Mensch im Weltraum die Erde umrundete, stehen viele spannende Missionen bevor. Gerade erst hat die ESA ein Bewerbungsverfahren für neue Astronauten gestartet. Sie haben die Chance, im Weltraum ebenfalls Geschichte zu schreiben.

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Der Mensch im Weltall

Erdaufgang

Die Erkundung und Eroberung des Weltraums - ein uralter Traum der Menschheit. Schon im 13. Jahrhundert gab es in China erste Versuche mit Flugkörpern, die von Schwarzpulver angetrieben wurden. Doch erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts machte die Raketenforschung gewaltige Fortschritte. Wie so oft spielten bei der Entwicklung militärische und machtpolitische Aspekte eine entscheidende Rolle. | Bildquelle: picture-alliance/ dpa

Vor 60 Jahren: Juri Gagarin erster Mensch im All
Stephan Laack, WDR
12.04.2021 06:37 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 12. April 2021 um 05:41 Uhr.

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Ute Spangenberger, SWR

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