Corona-Pandemie WHO-Experten fordern mehr Daten von China

Stand: 15.02.2021 20:51 Uhr

Experten der WHO haben vier Wochen lang im chinesischen Wuhan die Ursprünge der Corona-Pandemie untersucht. Nun fordern sie von China die Offenlegung von den Rohdaten zu den ersten Fällen.

Von Ruth Kirchner, ARD-Studio Peking, zzt. Berlin

Aus chinesischer Sicht war es gut gelaufen: Bei der Abschlusspressekonferenz der WHO-Mission vergangene Woche in Wuhan gab es keine Kritik an China. Allerdings auch keine wirklich dramatisch neuen Erkenntnisse über den Ursprung der Pandemie. Jetzt aber kommen aus dem Kreis der WHO-Experten Forderungen nach Zugang zu mehr chinesischen Daten, um die Spur der Pandemie weiter zurückverfolgen zu können.

Dabei geht es um zehntausende Fälle von Lungenentzündungen, Grippe und Fieber zwischen Oktober und Dezember 2019, bei denen es sich prinzipiell um mögliche Covid-19-Fälle gehandelt haben könnte.

Auch Fabian Leendertz vom Robert Koch-Institut sieht in den Krankendaten den Schlüssel für das Verständnis der Pandemie. "Das ist natürlich eine Riesenarbeit", sagt er. "Das sind ja unglaublich viele Akten. Da muss man auch mit dem Datenschutz aufpassen, weil da ja auch der Name des Patienten drübersteht. Und da ist garantiert noch Arbeit zu tun, sich das noch genauer anzuschauem."

WHO-Delegation hat mehrfach um Rohdaten gebeten

Auch Blutbanken aus der Region Wuhan würden sich die Experten gerne genauer ansehen. Über den Zugang werde mit den chinesischen Behörden diskutiert, heißt es. Unklar ist, warum China selbst zu den ersten bekannten Coronafällen keine Rohdaten offenlegt.

Der australische Mikrobiologe Dominic Dwyer sagte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, die Delegation habe mehrfach um diese Daten gebeten. Erhalten hätten sie aber nur eine Zusammenfassung. Ob das politische oder andere Gründe hat, darüber wollte er nicht spekulieren.

"Streit habe ich nicht beobachten können"

Medienberichte, es habe bereits in Wuhan lautstarke Auseinandersetzungen mit der chinesischen Seite über den Zugang zu Daten gegeben, wiesen mehrere Wissenschaftler zurück. "Streit definiert jeder für sich", sagt Leendertz. "Es gab einen guten wissenschaftlichen Diskurs. Streit habe ich von hier nicht beobachten können."

Doch wie politisch aufgeladen die Mission ist, zeigen Äußerungen der US-Regierung. Der Sicherheitsberater von US-Präsident Joe Biden forderte einen "unabhängigen" WHO-Bericht ohne Einmischung der chinesischen Regierung. Washington habe ernste Bedenken, wie die Untersuchung in Wuhan gelaufen sei. China wies die Kritik empört zurück.

Viele Fragen und wenig Daten

Auch in anderen Bereichen der WHO-Untersuchung gibt es noch große Lücken. China betont weiterhin, das Virus könne durch tiefgefrorene Lebensmittel verbreitet worden sein. Die internationalen Experten gehen davon aus, dass SARS-COV-2 eher von Fledermäusen stammt. Aber auch da gebe es noch viele Fragen, sagt Leendertz. Und zu wenig Daten.

"Ich wünsche mir, dass jetzt wirklich konkret diese Datenlücken gefüllt werden", so Leendertz. "Wir sind momentan am Limit der Diskussion und der Entwicklung der Szenarien, weil die Daten einfach nicht mehr hergeben."

Die Untersuchungen der internationalen Experten und der chinesischen Wissenschaftler gehen auch nach der Wuhan-Reise weiter. Ob es irgendwann Antworten gibt, ist weiter offen.

WHO-Experten fordern mehr Daten von China über den Anfang der Corona-Pandemie
Ruth Kirchner, ARD Peking
15.02.2021 20:19 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 09. Februar 2021 um 18:29 Uhr.

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Ruth Kirchner, RBB

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