Ursprünge des Coronavirus WHO-Team beginnt Untersuchung in Wuhan

Stand: 28.01.2021 12:51 Uhr

Die WHO-Untersuchung zu den Ursprüngen des Coronavirus in China kann beginnen: Zwei Wochen nach ihrer Ankunft in Wuhan haben die Forscher ihre Quarantäne beendet und das Hotel verlassen.

Das internationale Team von Experten, das im Auftrag der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in China nach dem Ursprung des Coronavirus forschen soll, kann zwei Wochen nach der Ankunft seine konkrete Arbeit aufnehmen. Die Forscher verließen ihr Hotel und bestiegen einen Bus. Zuvor hatten sie eine 14-tägige Quarantäne absolviert. Das Team werde am Freitag seine Ermittlungen aufnehmen, berichtete das chinesische Staatsfernsehen.

Die 13 Experten wollen herausfinden, wo das neue Sars-CoV-2-Virus erstmals aufgetreten ist und wo es herkommt. Geleitet wird die Delegation von Peter Ben Embarek, einem Experten für Tierkrankheiten, die auf andere Spezies übergehen. Wegen genetischer Ähnlichkeiten wird vermutet, dass der Erreger ursprünglich von Fledermäusen stammt und möglicherweise über ein anderes Tier als Zwischenwirt auf den Menschen übergesprungen ist.

Das Team will Interviews machen und Krankenhäuser sowie den Markt besuchen, wo zum ersten Mal Infektionen entdeckt worden waren. Spuren des Virus wurden besonders bei den Ständen der Wildtierhändler gefunden. Allerdings gab es auch Ansteckungen, die nicht auf den Markt zurückgeführt werden konnten.

Erster bekannter Infektionsherd Ende 2019

In Wuhan war Ende 2019 der weltweit erste Infektionsherd des neuartigen Erregers festgestellt worden. Der WHO-Einsatz in der Millionenmetropole ist politisch aufgeladen, weil China fürchtet, als Schuldiger für die Pandemie angeprangert zu werden. Eine offene Frage ist, wohin die Forscher werden gehen dürfen und mit wem sie werden sprechen dürfen.

Seit Monaten streut China auch Zweifel, ob das Virus überhaupt aus dem Land stammt. Es wird auf unbestätigte Berichte verwiesen, dass es mögliche Infektionen schon vorher in anderen Ländern gegeben haben könnte. So müssten die WHO-Experten auch in andere Länder reisen, forderte ein Außenamtssprecher. Chinas Behörden und Staatsmedien verbreiten zudem zunehmend die These, dass das Virus über gefrorene Lebensmittel ins Land eingeschleppt worden sein könnte.

Warnung vor zu hohen Erwartungen

Die erst nach einem langen Tauziehen ermöglichte WHO-Untersuchung wird nun gemeinsam mit der chinesischen Seite vorgenommen. Wie auch in den Monaten zuvor haben die Experten in den zwei Wochen vom Hotel aus Videokonferenzen mit ihren chinesischen Amtskollegen abgehalten.

Teilnehmer spielten die Erwartungen herunter. Es gehe vor allem darum, in Kooperation mit den chinesischen Kollegen zu schauen, welche Spuren noch verfolgt werden könnten, hieß es. Die Reise diene auch nur dazu, in einer ersten Phase zu schauen, was schon alles an Forschung laufe und an Daten vorliege. Dann solle ein Plan für die zweite Phase gemacht werden.

International wird von der Führung in Peking verlangt, eine transparente Untersuchung zu ermöglichen. Vor allem die USA haben China vorgeworfen, das Ausmaß des ersten Ausbruchs vertuscht und damit zu der weltweiten Verbreitung des Virus beigetragen zu haben. Kritisiert wird auch, dass chinesische Experten die erste Phase der Untersuchung durchgeführt haben. WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Gheybreyesus hatte sich zudem "sehr enttäuscht" gezeigt, weil sich die Einreiseerlaubnis für das Teams zu dem lang erwarteten Einsatz verzögert hatte.

WHO-Experten beginnen in Wuhan mit Suche nach Ursprung des Corona-Virus
Ruth Kirchner, ARD Peking
28.01.2021 18:31 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 28. Januar 2021 um 10:25 Uhr in den Nachrichten.

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