Propaganda-Ausstellung in Wuhan | Bildquelle: Steffen Wurzel

Ausstellung in Wuhan Personenkult im Schatten des Virus

Stand: 10.12.2020 06:47 Uhr

In Wuhan wurde vor einem Jahr der Ausbruch des Coronavirus bekannt. Eine Propaganda-Ausstellung soll die Versäumnisse dort nun vergessen machen. Staatschef Xi ist darin allgegenwärtig - und fehlerfrei.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Dicht gedrängt stehen mehrere Besuchergruppen vor einer riesigen Messehalle im Norden von Wuhan. Fotografen machen Gruppenbilder, einige Besucherinnen und Besucher halten stolz Flaggen in die Kameras: chinesische Nationalflaggen und die roten Fahnen der Kommunistischen Partei Chinas mit gelbem Hammer- und Sichel-Symbol.

Hoch über dem Eingang hängen riesige gemalte Porträts, die an Superhelden-Comics im Manga-Stil erinnern. Zu sehen sind unter anderem eine Labortechnikerin im Virenschutzanzug, ein Arzt, eine salutierende Polizistin und ein Soldat: Chinas Muster-Helden im Kampf gegen das Corona-Lungenvirus SARS-CoV-2. Darunter steht in großen Schriftzeichen der Slogan der Ausstellung: "Volk und Gesundheit stehen an erster Stelle".

Propaganda-Ausstellung in Wuhan | Bildquelle: Steffen Wurzel
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Besucher der Ausstellung in Wuhan posieren mit der Flagge der Kommunistischen Partei Chinas.

Kein Wort über Versäumnisse der Regierung

Die meisten Besucherinnen und Besucher kommen bisher aus Wuhan und Umgebung. Wegen des großen Andrangs muss man sich vorab online anmelden. Eine 27-jährige Ausstellungsbesucherin aus der Stadt Huanggan, östlich von Wuhan, erzählt, sie und ihr Freund arbeiteten in einem Krankenhaus. Diese Ausstellung zu besuchen bedeute für sie deswegen, die Erfahrungen der Corona-Krise noch einmal zu erleben.

Auf rund 9000 Quadratmetern präsentiert die Ausstellung eine Art Chronologie der Corona-Krise in China. Die Erfolge der Behörden im Kampf gegen das Virus werden gezeigt. Hunderte Fotos, Videos und Installationen zeigen Krankenschwestern, Ärzte, Soldaten und Mitglieder kommunistischer sogenannter Nachbarschaftskommitees: wie sie anderen Menschen helfen, wie sie Kranke pflegen und wie sie, wenn's sein muss, stramm stehen.

Das Bild, das vermittelt wird: Covid-19 wurde China von außen aufgezwungen, unter der Führung der Kommunistischen Partei hat das Volk die Krise überwunden. Zu den staatlichen Versäumnissen, Lügen und Vertuschungsaktionen der ersten entscheidenden Wochen Ende 2019 und Anfang 2020 verliert die Ausstellung kein Wort. Fragen zur Herkunft des Virus und zum staatlichen Versagen bei der Aufsicht gefährlicher Wildtiermärkte werden nicht gestellt. Kritische Stimmen kommen nicht zu Wort.

Wer mit ausländischen Journalisten spricht, riskiert Repressionen

Stattdessen betreibt die Ausstellung einen - selbst für chinesische Verhältnisse - enormen Personenkult um Xi Jinping. Chinas Staats- und Parteichef taucht überall auf: auf riesigen Bildschirmen, auf Fotos und in den Begleittexten, die den Vorsitzenden der Kommunistischen Partei geradezu gottgleich darstellen, als entschlossenen und unfehlbaren Kämpfer gegen das Coronavirus.

Auf einer der Texttafeln steht, Xi stehe weise manövrierend am Steuer des großen Schiffes China - eine klare Anspielung auf den Gründer der Volksrepublik Mao Zedong, der während der verheerenden Kulturrevolution als "großer Steuermann" bezeichnet wurde.

Propaganda-Ausstellung in Wuhan | Bildquelle: Steffen Wurzel
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Die Soldatenfiguren im ewigen Kriseneinsatz: Die Ausstellung in Wuhan ist voller militärischer Machtdemonstrationen.

"Die Propaganda in Sachen 'Heldenkampf gegen die Pandemie' läuft in China auf vollen Touren und ich habe den Eindruck, sie ist sehr erfolgreich", sagt ein Hochschulprofessor aus Wuhan, der anonym bleiben möchte. Er will auf keinen Fall erkannt werden. Denn wer in China mit ausländischen Journalisten spricht, riskiert Repressionen. Das gilt erst Recht für Menschen, die beim Staat angestellt sind.

"Zu Beginn der Virus-Krise war die öffentliche Meinung, dass die Regierung den Ausbruch der Krankheit nicht gut gemanagt hat. Im Laufe der Monate hat sich das gewandelt: Andere Regierungen haben es nicht besser gemacht, dachten viele", sagt er. "Irgendwann waren Chinas Maßnahmen gegen das Virus kraftvoll und wirksam - in anderen Staaten lief alles nicht so gut. Das Fazit vieler Menschen: Chinas Regierung war letztlich erfolgreich."

Propaganda-Ausstellung in Wuhan | Bildquelle: Steffen Wurzel
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Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping ist überall - und auf gleicher Höhe wie einst Mao Zedong.

"Wir müssen der Regierung glauben und ihr folgen"

"Die Ausstellung hat mich überwältigt und beeindruckt", sagt ein 26-Jähriger aus Wuhan, der gemeinsam mit seiner Freundin durch die Hallen gegangen ist. Das Fazit der beiden: "Wir müssen der Regierung glauben und ihr folgen."

"Das chinesische Volk hält zusammen. Und in solch einer Gesundheitskrise noch mehr als andere Nationen", sagt die junge Frau. "Andere Staaten kämpfen immer noch gegen das Virus. In China gibt es fast keine Neuinfektionen mehr. Das Krisenmanagement war also erfolgreich. Deswegen glaube ich an unsere Regierung und an die Führungsrolle der Kommunistischen Partei."

Ausstellung über Kampf gegen Covid-19 beginnt in Wuhan
Steffen Wurzel, ARD Shanghai
10.12.2020 10:55 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. Dezember 2020 um 05:11 Uhr.

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