Eine zum Euro stilisierte EU-Flagge vor der griechischen Parlament in Athen | Bildquelle: dpa

Hilfsprogramme für Griechenland Die letzte Prüfung?

Stand: 15.05.2018 05:40 Uhr

Es sind entscheidende Tage für Athen: Ab heute wollen die internationalen Geldgeber prüfen, ob Griechenland im Sommer ohne Anschluss-Paket aus dem Rettungsprogramm entlassen werden kann.

Von Michael Lehmann, ARD-Studio Istanbul, zzt. Athen

Es wurde wieder viel Polizei und allerlei Sicherheitspersonal zusammengezogen rund um das Hotel in der Athener Innenstadt - dort, wo die Vertreter der Geldgeber-Staaten eine knappe Woche lang tagen und beraten werden. Ob es tatsächlich die letzte Prüfrunde in Sachen Rettungsprogramm für Griechenland wird, ist unklar. Viele Fragen sind noch offen. Etwa die, ob Griechenland schnell genug vorankommt  beim Thema Privatisierungen. Zuletzt war die Gegenwehr der Gewerkschaft in den Stromkraftwerken groß.

Und auch beim Verwaltungsumbau würden die Vertreter von Europäischer Zentralbank oder EU-Kommission gern schnellere Erfolge sehen. Aber, so der griechische Regierungschef Alexis Tsipras: Im Sommer will Griechenland ganz auf eigenen Beinen stehen. "Wir haben das, glaube ich, gut berechnet", sagt er. "Wir sind finanziell stabil, haben das erreicht, was wir erreichen konnten. Wir sind sicher, dass wir jetzt das Ende der Rettungsprogramme für unser Land erreicht haben".

Auch der IWF sitzt mit am Tisch

Der Internationale Währungsfond wird bei  Europas Kontrolleuren heute mit am Tisch sitzen in Athen. Der IWF hält die Schuldenlast von fast 330 Milliarden Euro, die Griechenland die Luft abschnürt, für unerträglich. Doch ob und wie die Geldgeberländer Griechenland einen weiteren Teil dieser Schulden abnehmen können, ist eine schwierige Frage. Eine Frage, die aber die reicheren Länder nicht vom Tisch wischen dürfen, sagt der Athener Finanz- und Banken-Experte Jens Bastian.

"Das ist eine europäische Aufgabe, wie wir die Eurozone stabiler machen können", sagt er. "Wie wir sie auch sozial verträglicher machen können. Die Krise begann in Griechenland. Sie ist aber weder in Griechenland noch in anderen Ländern der Eurozone überwunden."

Vorbeugende Kreditlinie von Sommer an?

Die Folgen der Krise sozial verträglicher machen - das ist auch für den Athener Wirtschaftswissenschaftler Prof. Panagiotis Petrakis ein wichtiges Stichwort. Er sagt, das Sparprogramm der letzten Jahre habe wichtige Bereiche der griechischen Gesellschaft extrem geschwächt. "Einige Bereiche der Wirtschaft leiden sehr, dort haben die Kürzungen spürbar weh getan. Unser Gesundheitssystem ist jetzt in einem wesentlich schwierigeren Zustand als es vorher war." In Griechenland sei der öffentliche Bereich stark beschnitten worden. "Das heißt, die Menschen, die betroffen sind, leiden richtig."

Der Plan der griechischen Regierung, vom Sommer an finanziell tatsächlich wieder allein ohne neue Hilfspakete klarzukommen, kann nur klappen, wenn das Wirtschaftswachstum stärker wird. Experten halten vom Sommer an eine vorbeugende Kreditlinie für nötig. Dies wäre eine Art zusätzliches Sicherheitsnetz für Griechenland am Kapitalmarkt, ein Schutz durch andere, für den es aber wieder neue Bedingungen gäbe.

"Es verändert sich etwas zum Guten"

Genau das gefällt der griechischen Regierung nicht daran. Alexis Tsipras hat bereits viele Wahlversprechen gebrochen - sein Versprechen, dass es vom Sommer an ohne neue Kontrollen und Bedingungen klappen muss, will er halten. Und weil Psychologie auch hier eine wichtige Rolle spielt, werden in Athen die Optimisten unter den Wirtschaftsexperten in diesen Tagen besonders gern gehört.

So sagt etwa der Finanzananalyst Ilias Siakontaris, dass die meisten Investoren in aller Welt registriert hätten, dass die Krise in Griechenland zu Ende geht. "Es verändert sich etwas zum Guten. Ich erwarte keine Riesensprünge von einem zum nächsten Tag. Aber wir können relativ zuversichtlich sein, dass nach sieben Jahren Flaute und Rückgang das Kapital der Investoren wieder verstärkt ins Land fließt."

Letzte Kontrollen in Athen - Griechenland auf dem Prüfstand
Michael Lehmann, ARD Istanbul zzt. Athen
15.05.2018 07:16 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 15. Mai 2018 um 5:54 Uhr.

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