Hotels stehen am Strand von El Arenal, Mallorca, an dem zahlreiche Touristen die Sonne genießen. | Bildquelle: dpa

Tourismus in Spanien Der Streik der Zimmermädchen

Stand: 24.08.2019 13:22 Uhr

Mehrere Hundert Euro lassen sich Touristen einen Urlaub in Spanien kosten, für ein sauberes Hotelzimmer bekommt ein Zimmermädchen aber oft gerade mal zwei Euro. Den Frauen reicht es - sie streiken.

Von Marc Dugge, ARD-Studio Madrid

Sie machen viel Lärm in diesen Tagen - in den Urlaubshochburgen, in denen Touristen Ruhe und Erholung suchen. Aber die Frauen sind überzeugt: Geschwiegen haben wir schon zu lang.

"Sie beuten uns aus", ruft eine Frau ins Megafon, bei einer Demonstration am Donnerstag auf Fuerteventura. Sie trägt das grüne T-Shirt der "Las Kellys" - so heißt die Organisation der Zimmermädchen, die spanische Hoteliers das Fürchten lehrt. "Las Kellys" steht für "Las que limpian": die, die putzen. In Spanien sind die Reinigungskräfte in den Hotels fast ausschließlich Frauen.

Auch María del Mar aus Madrid geht immer wieder für die "Kellys" auf die Straße: "Wir machen viel Lärm. Und wenn man viel Lärm macht, muss doch eines Tages jemand was hören", sagt sie.

Streikende Zimmermädchen mit einem Banner auf Ibiza, Spanien | Bildquelle: SERGIO G CANIZARES/EPA-EFE/REX
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Auf Ibiza und Formentera legen die Zimmermädchen ihre Arbeit für 48 Stunden nieder.

Schlechte Bezahlung, kaum Arbeitnehmerrechte

An diesem Wochenende wollen sie in Barcelona demonstrieren, in Lloret de Mar und in Palma de Mallorca. Auf Ibiza und Formentera wollen sie mitten in der Hochsaison die Arbeit sogar für 48 Stunden ganz niederlegen. Sie wollen auf die prekären Arbeitsbedingungen aufmerksam machen, in denen sie arbeiten - mit Gehältern von teils unter 700 Euro.

Für Hungerlöhne müssten Frauen in der Hochsaison bis zu 37 Zimmer pro Tag reinigen, sagt Myriam Barros, Präsidentin des Vereins "Las Kellys". Die Arbeitsmarktreform der früheren konservativen Regierung habe die Dumpinglöhne möglich gemacht: "Seit der Arbeitsmarktreform gehören die Zimmermädchen nicht mehr zur Belegschaft eines Hotels, sondern sind an externe Firmen angegliedert worden." Damit hätten sie alle möglichen Rechte verloren. "Sie stellen uns auf Wochenbasis an: Wenn wir krank werden, wird der Vertrag aufgelöst, ebenso, wenn wir schwanger sind. Und wir verlieren außerdem Geld: Wir bekommen jetzt durchschnittlich 500 Euro weniger im Monat!" Und das für einen Knochenjob, sagt Myriam Barros.

Einheimische und Touristen wachrütteln

Viele ihrer Kolleginnen litten wegen der schweren körperlichen Arbeit unter Gesundheitsproblemen, etwa Rückenschmerzen. Sie fordert, dass Zimmermädchen wieder direkt vom Hotel angestellt werden. Oft machten sie ohnehin einen Großteil der Belegschaft aus.

Die "Kellys" gibt es erst seit knapp drei Jahren, sie sind mittlerweile in ganz Spanien aktiv. Die Gründerinnen haben sich in einer Facebook-Gruppe gefunden und organisiert und dann von sich reden gemacht.

Auch das Zimmermädchen Eugenia Romero hat sich den "Kellys" angeschlossen. Sie hofft, dass die Protestaktionen nicht nur die Spanier wachrütteln, sondern auch die ausländischen Touristen: "Viele Touristen haben ja keine Ahnung - sie sehen uns oft nicht. Wenn wir die Zimmer machen, wissen sie nicht, dass ihr Zimmer deshalb nicht gemacht wurde, weil wir nur vier, fünf Zimmermädchen sind und noch keine Zeit dafür hatten." Wenn die Touristen Spanisch sprechen und sie fragen, erzählten sie ihnen das gerne. "Der Tourist sollte sich über die Arbeitsbedingungen im Hotel informieren!"

Die Angst um den Job

Oft handle es sich um pure Ausbeutung, sagt Eugenia. Die Reinigungskräfte bekämen umgerechnet kaum noch zwei Euro für ein sorgfältig geputztes Zimmer. Und Trinkgelder gebe es auch immer weniger, berichten ihre Kolleginnen.

Wie viele sich den Streiks und Protesten am Wochenende anschließen, ist völlig offen. Myriam Barros wäre schon froh, wenn es 100 werden. Viele wagten nicht, ihre Stimme zu erheben, sagt sie - aus Angst, ihren Job zu verlieren.

Ausbeutung im Tourismus: Proteste der Reinigungskräfte in Spanien
Marc Dugge, ARD Madrid
24.08.2019 12:35 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info im "Mittagsecho" am 24. August 2019 um 13:00 Uhr.

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