Auf einem Smartphone-Display ist die australische Coronavirus-Warn-App "COVIDSafe" zu sehen.

Coronavirus Warum Australiens Tracing-App ein Flop ist

Stand: 04.06.2020 16:07 Uhr

Vor mehr als vier Wochen hat Australien eine Corona-Warn-App eingeführt. Doch der Erfolg ist bisher gering. Die Gründe dafür sind vielfältig.

Von Holger Senzel, ARD-Studio Singapur

Als "Ticket, um die Einschränkungen lockern zu können" bezeichnete Australiens Premier Scott Morrison die Corona-App Anfang Mai. Mit einem "Sonnenschutz in der gleißenden Mittagshitze" verglich er gar die Bedeutung der Anwendung.

Auch in Deutschland sind die Erwartungen an eine solche App hoch, hier wird sie allerdings frühestens Mitte Juni fertig sein.

Warnung an Kontakte

Über die Bluetooth-Funktion des Smartphones zeichnet die australische App namens "COVIDSafe" Kontakte zwischen all jenen auf, die sie heruntergeladen haben - in anonymisierter Form. Wer positiv auf das Coronavirus getestet wird, kann seine letzten Kontakte über die Anwendung warnen, dass sie sich nun ebenfalls testen lassen sollten. Ohne dass er weiß, wer diese Kontakte waren und ohne dass diese erfahren, wer da positiv getestet wurde. Somit lassen sich - so die Erwartung - Infektionsketten frühzeitig unterbrechen.

Australiens Premierminister Scott Morrison spricht auf einer Pressekonferenz in Canberra. | Bildquelle: LUKAS COCH/EPA-EFE/Shutterstock
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Sechs Millionen Australier haben die App heruntergeladen - ein Drittel aller Smartphone-Besitzer. Mindestens 60 Prozent hatte die Regierung um Premier Scott Morrison für einen Erfolg der App angestrebt.

App meldet bislang nur einen Infizierten

Die Realität  allerdings ist ernüchternd: Genau einen Infizierten - über die den Behörden bereits bekannten Kontakte hinaus - hat die App in mehr als vier Wochen warnen können. "Der einzige Fall von dem wir wissen, war im Bundesstaat Victoria", bilanziert die Tech-Reporterin des Fernsehsenders ABC, Ariel Boogle. "Insofern ist der  Erfolgs dieser Tracing-App bislang doch eher zweifelhaft."

Sechs Millionen Australier haben die App heruntergeladen - ein Drittel aller Smartphone-Besitzer. Mindestens 60 Prozent hatte die Regierung für einen Erfolg der App angestrebt. Aber das ist nicht der einzige Grund für den Flop. Offenbar gibt es Verständigungsprobleme zwischen Apple- und Android-Smartphones. Auch ist die Bluetooth-Technik nicht immer präzise genug. "Außerdem sagt die Zahl sechs Millionen nicht viel“, erklärt Tech-Reporterin Boogle. "Wir wissen ja nicht, wie viele Nutzer die App inzwischen wieder gelöscht haben oder überhaupt korrekt nutzen."

Singapur macht ähnliche Erfahrung wie Australien

Nun ist die Zahl der Neuansteckungen in Australien seit vier Wochen ohnehin gering, sie liegt bei unter zwei am Tag. Doch ist die Bedeutung einer Tracing-App für die Bekämpfung der Pandemie offenbar geringer als erwartet.

Diese Erfahrung machte auch Singapur, wo mit "Trace Together" sehr früh die erste derartige App eingeführt wurde. Die Regierung Singapurs war sehr stolz auf diese Anwendung und bot anderen Staaten - unter anderem Deutschland - an, die Technik kostenlos zur Verfügung zu stellen. Singapur wurde zunächst für seine Corona-Politik hochgelobt. Dann jedoch, nach anfangs sehr niedrigen Fallzahlen, von einer zweiten Infektionswelle überrollt, die noch über Wochen massive Einschränkungen des öffentlichen Lebens notwendig macht. Bis heute haben in dem 5,7 Millionen-Einwohner-Stadtstaat lediglich eineinhalb Millionen Singapurer die Corona-Warn-App heruntergeladen.

Die Flop-App - Australiens Corona-Tracing
Holger Senzel, ARD Singapur
30.05.2020 11:09 Uhr

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Über dieses Thema berichtete WDR 5 am 30. Mai 2020 um 06:44 Uhr im Morgenecho.

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Holger Senzel, NDR

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