Das Auto der Zukunft wird in Shanghai vorgestellt. | Bildquelle: dpa

Automesse Shanghai Zulieferer setzen ganz auf China

Stand: 19.04.2019 11:26 Uhr

Der chinesische Automarkt entwickelt sich rasant - das Auto der Zukunft wird immer mehr zum Software-Produkt. Die deutschen Zulieferer setzen auf China und verlagern zunehmend ihre Produktion dorthin.

Von Silke Hahne, Deutschlandfunk

Auf dem gigantischen Shanghaier Messegelände hat man den Zulieferern die Hallen 5.2 und 6.2 zugeteilt: Die liegen im zweiten Stock und nehmen sich etwas kleiner aus als die unteren vier Hallen, so auch die Stände der Unternehmen selbst. Das heißt aber nicht, dass China nicht auch für sie zu den wichtigsten Märkten weltweit gehört: Mehr als 300 Werke haben sie im Land.

Das Unternehmen ZF Friedrichshafen eröffnet ein weiteres. Und dabei soll es nicht bleiben: "Wir bauen in den nächsten 18 Monaten weitere vier Werke auf, zu unseren bestehenden 32", so ZF-Vorstandschef Wolf-Henning Scheider.

Zulieferer setzen auf China-Karte

Spiegelbildlich zu den Autoherstellern setzen auch die Zulieferer vollständig auf die China-Karte, was einerseits mit den Stückzahlen zu tun hat, die hier abgesetzt werden, aber auch mit der Geschwindigkeit, mit der sich der chinesische Markt entwickelt. Das Auto werde immer mehr zum Software-Produkt, sagt Volkswagen-Chef Herbert Diess.

Das bleibt nicht ohne Folgen für die deutschen Zulieferer. Das seien nicht die Felder der heute großen, typischen Autozulieferer, sondern eher der Technologiehäuser. "Aus meiner Sicht gibt es da eine Ko-Existenz. Die Reihenfolge wird sich vielleicht ein bisschen ändern und die neuen Technologieunternehmen werden eine größere Rolle spielen."

Bedenkt man die Abhängigkeit der etablierten Zulieferer von großen Herstellern wie VW, klingt das fast wie eine Drohung. ZF-Chef Scheider kontert selbstbewusst:"Wir arbeiten mit allen wesentlichen Fahrzeughestellern der Welt zusammen. Und es kommen auch neue Fahrzeughersteller auf den Markt, zum Beispiel für Shuttle im urbanen Verkehr". Da entstünden im Moment ganz neue Hersteller, von denen man vor kurzem noch gar nichts gehört habe.

ZF-Vorstandschef Scheider: Arbeiten mit allen wesentlichen Fahrzeugherstellern der Welt zusammen. | Bildquelle: dpa
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ZF-Vorstandschef Scheider: Arbeiten mit allen wesentlichen Fahrzeugherstellern der Welt zusammen.

Pkw-basierte Dienste mit Fahrern sind beliebt

Die neue Mobilität werten die Zulieferer als Chance. Das gilt auch für die Nummer eins der Branche, Bosch, auf  der Messe in Shanghai als einer der wenigen Zulieferer, standesgemäß, in einer der großen Hallen zu finden. Auf dem Messestand ist genau so ein Shuttle zu besichtigen, mit vier weißen Ledersitzen und großen Fenstern, aber - natürlich - auch Touchscreens. Das Gefährt heißt IoT-Shuttle, das Kürzel steht für "Internet of things", "Internet der Dinge".

Das IoT sollen Nutzer in Zukunft per Knopfdruck auf dem Smartphone bestellen können. China gilt als einer der Märkte, wo solche Mobilitätsdienstleistungen ihren Durchbruch schaffen könnten. Schon jetzt sind Pkw-basierte Dienste mit Fahrern beliebt, vor allem Didi, die chinesische Variante von Uber. Dessen Carsharing-Flotte stattet Bosch künftig mit Teilen aus.

In näherer Zukunft fahren die Zulieferer also quasi zweigleisig, erklärt Stefan Hartung, in der Bosch-Geschäftsführung zuständig für den Bereich Mobilitäts-Lösungen. Man sehe nach wie vor den wachsenden Fahrzeug-Anzahl-Markt und gleichzeitig die professionell betriebenen Fahrzeuge zum Besipiel bei Didi oder China-Mobile. Mit denen arbeite man auch zusammen, um Mobilitätsdienstleistungen auf die Straße zu bringen. Die führten dann dazu, dass ein Fahrzeug de facto 24 Stunden betrieben wird.

In China spielt die Zukunft

Während viele deutsche Arbeitsplätze am Diesel-Antrieb hängen, spielt in China also die Zukunft. Das ist bei der kleineren Konkurrenz von Schaeffler nicht anders, die Fahrwerke und Antriebsstränge bauen - und für den chinesischen Markt auch zunehmend hier entwerfen. 1500 Entwickler arbeiten für Schaeffler in China, weitere 1000 sollen dazu kommen.

Automobil-Chef Matthias Zink bemerkt, dass bei den lokalen chinesischen Herstellern die Erwartung sei, dass sie vor Ort bedient würden und das sehr schnell. Da müsse man einfach mit chinesischen Mitarbeitern agieren. "Wir werden nichts von China nach Europa bringen, das ist bei uns schon eine Regel, dass wir das nicht tun.“

Es wäre wohl auch ein fatales Signal, gerade hat Schaeffler in Europa ein Sparprogramm aufgelegt: Im Geschäft mit den Autoherstellern sollen zunächst rund 900 der 55.000 Arbeitsplätze wegfallen. 600 Mitarbeiter in vier deutschen Werken sind davon betroffen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 18. April 2019 um 17:10 Uhr in der Sendung "Wirtschaft und Gesellschaft".

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