Video mit angeblich Abu Bakr al-Bagdadi  | Bildquelle: AFP

IS-Anführer Spekulationen über Tod Bagdadis

Stand: 27.10.2019 09:19 Uhr

In Syrien ist IS-Anführer Bagdadi angeblich bei einem US-Militäreinsatz ums Leben gekommen. Das berichten mehrere US-Medien unter Berufung auf Regierungsvertreter. Das US-Militär wolle aber noch Tests bis zur Bestätigung abwarten.

Zum umstrittenen Ende des US-Militäreinsatzes in Syrien ist den Truppen möglicherweise ein Schlag gegen den "Islamischen Staat" gelungen. Nach Informationen mehrerer US-Medien ist IS-Anführer Abu Bakr al-Bagdadi angeblich bei einem Angriff im Nordwesten des Landes ums Leben gekommen.

Bagdadi sei demnach in der Nacht von Samstag auf Sonntag das Ziel eines Einsatzes in der von Islamisten beherrschten syrischen Provinz Idlib gewesen. Einem hochrangigen Pentagon-Mitarbeiter zufolge habe es ein Gefecht gegeben, als die US-Streitkräfte das Gelände betreten hätten, wie "Newsweek" berichtete. Bagdadi habe sich dann mit einem Sprengstoffgürtel selbst getötet. Familienangehörige seien anwesend gewesen. Kinder seien nicht verletzt worden, aber zwei Frauen Bagdadis seien getötet worden, möglicherweise durch die Explosion des Sprengstoffgürtels. US-Präsident Donald Trump habe den Einsatz vor einer Woche genehmigt.

Motorradfahrer fährt durch das Dorf Barischa | Bildquelle: AFP
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Ein Bild aus dem Dorf Barischa von heute. In der Nähe soll es zu dem Gefecht gekommen sein, in dem möglicherweise IS-Anführer Bagdadi starb.

Angriff nach Mitternacht

Die Nachrichtenagentur Reuter berichtete, Einsatzort sei das Dorf Barischa nördlich der Provinzhauptstadt Idlib in der Nähe der türkischen Grenze gewesen. Bagdadi habe versucht, seine Familie in der Region zu verstecken. An dem US-Einsatz seien Helikopter und Kampfflieger beteiligt gewesen. Diese hätten den Aufenthaltsort Bagdadis nach Mitternacht angegriffen.

Laut Reuters wurde der Einsatz auch von mehreren anderen Quellen bestätigt. So hätten mehrere ungenannte Vertreter Irans und des Irak erklärt, ihre Regierungen hätten eine entsprechende Mitteilung erhalten. Der Iran sei von Syrien informiert worden. Im irakischen Fernsehen kam demnach ein Experte zu Wort, der behauptete, Sicherheitsdienste des Landes hätten dabei geholfen, Bagdadi aufzuspüren. Das staatliche Fernsehen wolle später Bilder von dem Einsatz ausstrahlen.

Wie Reuters weiter berichtet, wurden in der irakischen Hauptstadt Bagdad Spezialkräfte vor öffentlichen Gebäuden stationiert, um etwaigen Ausschreitungen oder Anschlägen vorzubeugen. Die Maßnahme sei getroffen worden, da die regulären Sicherheitsorgane derzeit vor allem durch die anhaltenden Proteste im Land gegen die schlechten Lebensumstände gebunden seien.

Zahl der Toten noch unklar

Auch die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in Großbritannien berichtete von einem Angriff in der Region, den eine Staffel aus acht Hubschraubern in Begleitung eines Militärflugzeugs auf Stellungen der Gruppe Hurras al-Din verübt habe. In der Nacht sei eine Stelle angegriffen worden, von der vermutet worden sei, dass sich IS-Mitglieder dort versteckten.

Die Hubschrauber hätten etwa 120 Minuten lang heftige Angriffe auf IS-Stellungen verübt, berichtete die Beobachtungsstelle. Dschihadisten hätten die Hubschrauber währenddessen mit schweren Waffen angegriffen. Neun Personen seien durch den Hubschrauberangriff getötet worden. Es sei noch nicht bekannt, ob Bagdadi unter den Getöteten sei. Die Zahl der Toten werde wahrscheinlich noch steigen, da es viele Verwundete gebe, teilte die Beobachtungsstelle mit.

IS-Chef Abu Bakr al-Baghdadi, Archivbild | Bildquelle: picture alliance / dpa
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Es gibt nur wenige Bilder von Bagdadi - dieses zeigt ihn im Jahr 2014 in Mossul.

Untersuchungen laufen angeblich noch

Der Fernsehsender CNN meldete,das US-Militär wolle den Tod des IS-Anführers erst bestätigen, wenn alle Test abgeschlossen sind. US-Medienberichten zufolge könnte es auch in einer Ansprache von Trumps, die das Weiße Haus am Samstagabend angekündigt hatte, um den Einsatz gegen den IS-Führer gehen. Trump werde sich um 14.00 Uhr (MEZ) in Washington äußern, teilte der Vizesprecher des Weißen Hauses, Hogan Gidley, mit. Einzelheiten nannte er allerdings nicht. Trump hatte zuvor im Onlinedienst Twitter geschrieben: "Gerade ist etwas sehr Wichtiges passiert!" Mehr verriet aber auch er nicht.

Für Trump wäre die Bestätigung auch innenpolitisch ein großer Erfolg. Seit seiner Ankündigung vom Ende des Militäreinsatzes in Syrien werfen ihm Kritiker und Militärexperten vor, er habe mit seiner abrupten Entscheidung, die US-Soldaten aus Syrien abzuziehen, dem IS in die Hände gespielt.

Über den Aufenthaltsort Bagdadis wird schon seit Jahren gerätselt. In der Öffentlichkeit trat der IS-Anführer nur einmal auf, als er im Juli 2014 in einer Moschee im nordirakischen Mossul ein "Kalifat" in Syrien und im Irak ausrief.  Zuletzt hatte der IS im April ein Video veröffentlicht, das den schon mehrfach totgesagten Bagdadi zeigen soll. Darin rief er seine Anhänger auf, den Kampf trotz des Verlusts ihres "Kalifats" fortzusetzen. Im September rief der IS-Anführer seine Anhänger in einer Audiobotschaft zur Befreiung gefangener Kämpfer und ihrer Familien auf.

IS-Anführer Abu Bakr al-Bagdadi ist offenbar tot
Carsten Kühntopp, ARD Kairo
27.10.2019 11:42 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. Oktober 2019 um 07:00 Uhr.

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