Schwimmendes Kürbisfeld. | Bildquelle: ARD Studio South Asia

Weltspiegel-Reportage Die schwimmenden Gärten von Bangladesch

Stand: 08.11.2020 09:00 Uhr

Regen, Überschwemmungen, steigende Meeresspiegel: Bangladesch treffen die Folgen des Klimawandels heftig. Die Menschen müssen sich anpassen. Und greifen dabei auf uralte Traditionen zurück.

Von Peter Gerhardt, ARD-Studio Neu-Delhi

Wenn Obaidal Molla zu seinen Gemüsebeeten will, muss er das Boot nehmen. Hüfthoch steht das Wasser auf seinen Feldern - acht Monate im Jahr. Der Monsun bringt immer mehr Regen, deshalb musste sich Molla etwas einfallen lassen. Gemächlich paddelt er zu seinem Kürbisfeld. Zwei Meter breit und 15 Meter lang ist es, und es schwimmt.

Die Pflanzen stecken in kleinen Kompostballen, die leicht genug sind, um auf dem Wasser zu treiben. Nährstoffe holen sich die Kürbisse direkt aus dem Wasser. "Schon mein Vater hatte solche schwimmenden Beete", erzählt Molla. "Es ist eine jahrhundertealte Tradition. Aber bisher war es nicht systematisch. Das haben wir erst entwickelt." Mit Netzen binden sie die Felder zusammen. Es gibt kaum Strömung hier, deshalb dümpeln die Beete träge auf dem Wasser des Flusses Sandhya.

"Das Gemüse, das wir hier ziehen hat mehr Vitamine und schmeckt besser, als wenn wir es auf dem Land anbauen würden", sagt Molla. Deshalb verkaufe es sich auch gut. Nicht nur Kürbisse, auch Spinat, Okra, Tomaten und Ingwer baut er auf diese Weise an. Die gesamte Familie hilft mit: seine Frau, drei Töchter und ein Sohn. Außerdem hat er seit einiger Zeit drei Angestellte - eine Seltenheit, denn die kleinen Landwirtschaftsbetriebe reichen in Bangladesch selten über die Familie hinaus.

Molla und Helfer ernten Gemüse. | Bildquelle: ARD Studio South Asia
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Ernte und Anbau auf wässrigem Grund: Bauer Molla (links) führt mit einem Helfer eine Familientradition fort.

Mit dem Hochwasser leben

Wasser ist immer schon ein großes Thema in Bangladesch. Mehr als 230 Flüsse durchziehen das Land, mit Tausenden von Nebenarmen. Das Mündungsgebiet von Ganges, Brahmaputra und Meghna bildet das größte Flussdelta der Welt. Schon in trockenen Jahren steht in der Regenzeit ein Fünftel des Landes unter Wasser. In extremen Jahren sind es bis zu 70 Prozent.

Früher gab es solche Extrem-Hochwasser alle 20 Jahre. Doch seit der Klimawandel so rasch voranschreitet, kommen sie jetzt alle fünf Jahre. Daher setzt die Regierung große Hoffnungen auf die schwimmenden Gärten. Bangladesch ist nicht einmal halb so groß wie Deutschland, hat aber doppelt so viele Einwohner. "Noch produzieren wir genügend Lebensmittel, um die Bevölkerung zu ernähren", sagt Agraringenieur Dolon Roy von der Bezirksregierung in Barisal. "Was uns fehlt, sind sichere Lebensmittel - im Sinne von: möglichst unbelastet von Schadstoffen."

Einsatz von Chemie

Auch dazu sollen die schwimmenden Gärten einen Beitrag leisten. Regelmäßig kommt Agraringenieur Roy zu den Feldern von Gemüsebauer Molla. "Die schwimmenden Gärten brauchen weniger Pestizide und weniger künstlichen Dünger", sagt Roy. Er berät die Bauern der Gegend, wie sie noch sparsamer mit Chemie umgehen können.

Über so viel Aufmerksamkeit würde sich Hiru Poddar freuen. Der 45-Jährige besitzt Obstfelder etwa 30 Kilometer weiter südlich. Die Guave-Saison ist gerade zu Ende gegangen. "Es war furchtbar", sagt Poddar. "Durch den starken Regen haben sie nicht richtig geblüht. Und als die Überschwemmung kam, sind viele Bäume ganz kaputt gegangen."

Hier in der Nähe der Küste haben die Bauern noch ein anderes Problem: Der steigende Meeresspiegel drückt die Flüsse zurück aufs Land. Zwei Drittel von ganz Bangladesch liegen wenige Meter über dem Meeresspiegel. Wenn der Klimawandel ungebremst weitergeht, drohen riesige Gebiete einfach zu verschwinden.

Die schwimmenden Gärten von Bangladesch
Weltspiegel, 06.11.2020, Peter Gerhardt, ARD Neu-Delhi

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Das Salzwasser dringt vor

Schon heute mischt sich das Flusswasser mit Meerwasser aus dem Golf von Bengalen. Das Salz schadet dem Boden und den Pflanzen. Poddars Erträge werden von Jahr zu Jahr geringer. Noch bis vor wenigen Jahren drang das Salzwasser über die Flusssysteme etwa 15 Kilometer ins Landesinnere ein. Heute sind es schon weit über 100 Kilometer. "Die Regierung hilft uns nicht", klagt er. "Wenigstens könnte sie uns Pflanzenschutzmittel geben." Denn im Unterschied zu den schwimmenden Gemüsepflanzen sind seine Bäume anfällig für das Ungeziefer, das sich in der feuchten Hitze schnell vermehrt.

Gemüsebauer Obaidal Molla plagt derweil ein anderes Problem: In seiner Gegend werden die Hyazinthen knapp. Diese Wasserpflanzen bilden die Grundlage seiner schwimmenden Beete. Die Blumen wachsen in der tropischen Hitze auf dem Wasser und werden von Helfern eingesammelt, getrocknet und kompostiert. Dieser Kompost ist leicht genug, um auf dem Wasser zu schwimmen. "Genügend davon zu produzieren, damit wir den Gemüseanbau auf dem Wasser ausweiten können - das wird die Herausforderung der Zukunft sein", sagt Agraringenieur Roy. Wasser zumindest ist genügend da im Süden Bangladeschs.

Diese und weitere Reportagen sehen Sie am Sonntag im Weltspiegel - um 19.20 Uhr im Ersten.

Über dieses Thema berichtete das Erste am 08. November 2020 um 19:20 Uhr im "Weltspiegel".

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