Nach dem Zyklon "Aila" Ohne Schutz gegen die Naturgewalten

Stand: 31.05.2009 07:55 Uhr

Nach dem verheerenden Zyklon "Aila" sind in Indien und Bangladesch Hunderttausende Menschen obdachlos. Ganze Landstriche im Süden von Bangladesch gleichen einer riesigen Seenplatte. Die Menschen sind den Naturgewalten hilflos ausgeliefert.

Von Carsten Vick, ARD-Hörfunkstudio Südasien

Dorfbewohner blicken auf den gebrochenen Deich.
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Dorfbewohner blicken auf den gebrochenen Deich. Starke Regenfällen in dem Dorf Namkhana führten zu Überschwemmung.

Sie flüchten mit dem Boot - und mit dem wenigen was sie tragen können. Ganze Landstriche im Süden von Bangladesch gleichen einer riesigen Seenplatte: Häuser und ganze Dörfer sind von der Außenwelt abgeschnitten.

Im niedrig gelegenen Flussdelta des Landes hat der Zyklon Aila die Menschen besonders hart getroffen. Tausende haben alles verloren. "Als die Flutwelle kam und mein Haus traf, da haben die Leute aus dem Dorf mich und meine Familie gerettet - eine meiner Töchter war schon ohnmächtig", berichtet ein Dorfbewohner. "Seit drei Tagen haben wir nichts gegessen - alles was wir hatten ist zerstört."

Hilfe ist kompliziert und schwierig 

Selbst die Hilfe aus den Nachbarländern ist kompliziert und schwierig. Gerade mal zehn Prozent der betroffenen Bevölkerung sei bislang versorgt worden, so ein Regierungssprecher. Wegen des Hochwassers konnten selbst Lebensmittelpakete aus der Luft nicht abgeworfen werden.  

Vielen Menschen ist der Schock, den der Zyklon auch hinterlassen hat, noch deutlich anzuhören. "Die Flut hat mein ganzes Haus und auch mich mitgerissen ins Meer", erzählt eine Frau. Aber irgendwie habe sie überlebt.

Eine Mutter und ihre zwei Kinder in Bangladesch sind durch "Aida" obdachlos geworden.
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Der Zyklon "Aila" hat Hunderttausende Menschen obdachlos gemacht.

Schlammlawinen drohen

Und die Katastrophe ist noch lange nicht überstanden. Nach dem verheerenden Sturm kamen heftige Regenfälle, die Erde weichte auf. Es drohen die ersten Schlammlawinen. Mehr als 200 Menschen kamen nach offiziellen Angaben ums Leben - doch die Zahl der noch Vermissten ist weitaus höher. "Zwei Kinder habe ich", sagt eine Frau weinend, "aber jetzt ist nur noch eines bei mir - das andere haben die Flut und das Meer mir genommen."

Bangladesch ist eines der ärmsten Länder der Welt. Wirbelstürme sind besonders im Süden keine Seltenheit. Die Vereinten Nationen schätzen, dass mehr als fünf Millionen Menschen diese Region verlassen müssen, wenn der Meeresspiegel nur um einen halben Meter ansteigt. Experten befürchten, dies sei kaum noch zu verhindern. 

Menschen ohne Schutz

Der Zyklon "Aila" war vermutlich nur der Anfang einer neuen Sturmsaison. "Die Menschen leiden seit Tagen  - seit der Zyklon zugeschlagen hat", sagt ein Politiker in Bangladesch. 40 Prozent der Häuser seien zerstört. "Und die Menschen haben so gut wie nichts zu essen."

Und so werden das Leid und das Elend weitergehen - in einem Land , das kaum eine Chance hat. Hunderttausende, vielleicht sogar Millionen Menschen sind den Naturgewalten ausgeliefert - ohne sich selbst wirksam schützen zu können. Der nächste Zyklon kommt bestimmt, das wissen sie. Und mit ihm kommt auch die nächste Katastrophe.

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