Eine bei den gewaltsamen Ausschreitungen zerstörte Bushaltestelle in Barcelona | Bildquelle: JESUS DIGES/EPA-EFE/REX

Nach gewaltsamen Protesten Touristen meiden Barcelona

Stand: 23.10.2019 10:18 Uhr

Steinwürfe, Barrikaden, Chaos: Die gewaltsamen Proteste im Katalonien-Konflikt schädigen das Image von Barcelona. Touristen meiden die Stadt, Kreuzfahrer steuern lieber Ibiza an.

Von Oliver Neuroth, ARD-Studio Madrid

Die Flaniermeile Las Ramblas ist in diesen Tagen voller Touristen. Sie trauen sich wieder ins Zentrum, nachdem die gewaltsamen Proteste - zumindest für den Moment - aufgehört haben.

Für eine Familie aus Köln war die Innenstadt von Barcelona in den zurückliegenden Tagen tabu: "Wir haben ein Hotel am Strand. Und in den ersten Tagen haben wir gesagt: 'Da gehen wir nicht hin.' Weil wir wollten ja nicht in diese Menge rein. Das hat uns eher abgeschreckt."

Polizisten laufen an einer brennenden Straߟenbarrikade vorbei. | Bildquelle: dpa
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Mindestens 600 Menschen wurden bei den gewaltsamen Protesten in Barcelona verletzt.

Ibiza statt Barcelona

Ein Kreuzfahrtschiff auf einer Mittelmeer-Rundfahrt änderte am Wochenende seine Route wegen der Ausschreitungen. Der Kapitän steuerte anstatt Barcelona Ibiza an - aus Sicherheitsgründen, wie es hieß. Die meisten Gäste hätten es mit Fassung getragen, sagt ein Passagier aus Frankfurt: "Barcelona war sicher das Highlight der Reise. Von daher wird der ein oder andere enttäuscht gewesen sein. Aber insgesamt hatten die Leute doch Verständnis für die Entscheidung."

Viele Urlauber haben nach den ersten Nachrichten über gewaltsame Ausschreitungen in Barcelona ihre bevorstehenden Reisen sofort abgesagt - vor allem wegen Sicherheitsbedenken.

Totalausfall für den Hotelsektor

Spaniens größte Hotelkette Melia beklagt nach Medienberichten aktuell etliche Stornierungen, vor allem für Hotels im Zentrum und am Flughafen. Über genaue Zahlen wollen die Hoteliers nicht sprechen.

Roger Pallarols | Bildquelle: Oliver Neuroth, ARD
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50 bis 70 Prozent weniger Kunden - Roger Parolls nimmt deutliche Einbuße für Barcelona wahr.

Deutliche Worte findet aber der Direktor des Gastgewerbeverbandes von Barcleona, Roger Pallarols: "Die vergangene Woche war für den Hotel-Sektor in Barcelona quasi ein Totalausfall. Auch Bars und Restaurants waren betroffen. Viele Lokale in der Nähe der Konfliktherde mussten ihren Betrieb komplett einstellen." Zudem gebe es eine Art Ansteckungseffekt: Auch Restaurants, die etwas weiter weg liegen, verzeichneten 50 bis 70 Prozent weniger Kunden.

Der Gastgewerbe-Verband fordert die Politik auf, endlich eine Lösung für den Katalonien-Konflikt zu finden. Die Wirtschaft der Stadt brauche Stabilität.

Vize-Bürgermeister bleibt entspannt

Im Rathaus von Barcelona sieht man die Lage weniger dramatisch. "Solche Ereignisse schaden immer dem internationalen Ansehen einer Stadt und der Tourismusbranche. Aber wir haben gezeigt, dass wir uns in ähnlichen Situationen in der Vergangenheit sehr schnell wieder erholt haben", sagt Vize-Bürgermeister Jaume Collboni. So sei es zum Beispiel auch im Fall des Attentats auf die Ramblas im Sommer 2017 gewesen. 14 Menschen wurden dabei getötet und 118 verletzt. Danach kamen nach Angaben der spanische Tourismus-Organisation Exceltur etwa 180.000 weniger Touristen nach Barcelona. Der Stadt seien Einnahmen von fast 320 Millionen Euro entgangen.

Die Unruhen der vergangenen Tage haben auch Konsequenzen für die Kulturszene: Mehrere Künstler sagten ihre Konzerte in Barcelona ab. Zum Beispiel die spanische Interpretin Aitana, der US-Rapper Blackbear und die französische Sängerin Vanessa Paradis. Von ihrem Management heißt es: Unter den aktuellen Umständen sei es unmöglich, eine gute Organisation des Konzerts in Barcelona zu garantieren.

Kein Umdenken bei Demonstranten

Die Krawallmacher scheint das nicht zu kümmern. Selbst viele der Tausenden friedlichen Demonstranten meinen, dass die Auswirkungen der Proteste Nebensache seien. Ihnen geht es um den Unabhängigkeitskampf und die Kritik an der Verurteilung der Separatistenführer. Demonstrantin Pedronella sagt: "Kann sein, dass die Proteste der Wirtschaft schaden. Aber für uns ist das im Moment nicht wichtig." Ihr Thema sei vielmehr, dass ihre Regierung im Gefängnis sitzt. Alles andere sei jetzt egal.

Manche Einwohner von Barcelona dürfte es sogar freuen, dass aktuell weniger Touristen kommen als üblich. Und zwar diejenigen, die vom "Overtourism" in der Stadt sprechen und sich ein Urlauberlimit wünschen.

Barcelona-Krawalle sorgen für Imageschaden: Weniger Touristen kommen
Oliver Neuroth, ARD Madrid
23.10.2019 08:55 Uhr

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Über dieses Thema berichtete B5 Aktuell am 23. Oktober 2019 um 07:41 Uhr.

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