BBC | Bildquelle: dpa

Coronakrise Atempause für die BBC

Stand: 02.05.2020 16:33 Uhr

In der Corona-Krise vertrauen die Briten der BBC wie lange nicht. Experten sehen das aber nur als Atempause. Die Johnson-Regierung werde nach der Krise ihren Konfrontationskurs fortsetzen.

Von Imke Köhler, ARD-Studio London

Bei der BBC steht die nächste Kürzungsrunde an. Der scheidende Generaldirektor Tony Hall rechnet damit, dass die Einnahmen in diesem Jahr um 125 Millionen Pfund sinken werden. Unter anderem auch deshalb, weil viele Menschen in der Corona-Krise ihre Rundfunkgebühr nicht mehr zahlen.

Und das, obwohl die Bürger mehr als bisher die Angebote der BBC nutzen, was ja eine gute Nachricht für die Sendeanstalt ist: Denn sie legt beim Publikum zu. Clare Sumner, die Policy-Direktorin der BBC, beziffert den Zuwachs zwar nicht konkret, aber der Trend sei klar:  "Insgesamt sind unsere Zahlen deutlich nach oben gegangen, und das wird am Informationsbedürfnis der Bürger liegen."

Die Krise macht das Programm

Generaldirektor Hall hatte Mitte März angekündigt, dass die BBC angesichts der Pandemie ihr gesamtes Programm umstellen würde. Seither berichten Fachredakteure und zugeschaltete Experten aus Wissenschaft und Forschung, Politik und Wirtschaft über die neuesten Entwicklungen, erklären, analysieren und diskutieren. Außerdem können Zuschauer ihre Fragen einreichen. BBC-News beleuchtet die Pandemie rund um die Uhr und auf den Webseiten ist alles nachzulesen.

Lust auf Ablenkung

Allerdings zeigt sich beim iplayer, der BBC-Mediathek, dass die Bürger irgendwann auch mal etwas Anderes wollen: Ablenkung und Unterhaltung, sagt Clare Sumner: "Der Zugriff auf den iplayer hat sich verdoppelt. Einige unserer Serien wie Killing Eve und The Nest locken in kürzester Zeit Millionen Menschen an, die diese gutgemachten Dramen sehen wollen." Bei der Nutzung des iplayers zeichne sich eine Verdoppelung ab.

"Von den Toten auferstanden"

John Mair ist Dozent für Rundfunkjournalismus und hat früher für die BBC gearbeitet. Er übt durchaus Kritik an der Rundfunkanstalt, findet aber, dass sie in dieser Krise vieles richtig gemacht hat: "Die BBC ist der Herausforderung im Großen und Ganzen gerecht geworden. Die Fernsehnachrichten sind von den Toten auferstanden. Und laut Reuters genießt die BBC in dieser Pandemie von allen Sendern das größte Vertrauen."

Insofern habe sich die BBC sehr gut geschlagen. Aber an der Großwetterlage ändere das nichts, glaubt Mair. Er hat gerade das Buch "Is the BBC in peril?", also "Ist die BBC in Gefahr?", veröffentlicht, und er beantwortet die Frage mit ja.

Die Zerschlagung ist nur aufgeschoben

Noch nie hat eine konservative Regierung der BBC so ablehnend gegenübergestanden wie die Johnson-Regierung, ist im Buch zu lesen und insofern sei die Gefahr nicht vorbei, sagt Mair: "Sobald Dominic Cummings sich im Kopf nicht mehr mit der Pandemie beschäftigen muss, wird er wieder auf die BBC zurückkommen. Und Boris Johnson wird das auch tun."

Dominic Cummings ist Johnsons Chefstratege, ein Mann, der in der Vergangenheit schon gefordert hat, die BBC zu zerschlagen. Bis 2027, wenn die Generalcharta, die britische Variante des Rundfunkstaatsvertrag, ausläuft, soll alles auf den Prüfstand: die Struktur der BBC, ihre Unabhängigkeit und auch ihre Finanzierung.

Es wird laut darüber nachgedacht, die Rundfunkgebühren abzuschaffen, die BBC teilweise zu privatisieren und ein Abo-Modell wie bei Netflix einzuführen. Die Zukunft der BBC war noch nie so unsicher.

Die BBC ist in der Krise gefragt
Imke Köhler, ARD London
02.05.2020 15:39 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 02. Mai 2020 um 06:45 Uhr.

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