Rauchwolke über Beirut | Bildquelle: TALAL TRABOULSI via REUTERS

Ammoniumnitrat Nicht die erste verheerende Explosion

Stand: 05.08.2020 21:45 Uhr

Weiß, geruchlos und schwer entzündlich: Ammoniumnitrat wird für Dünger und Sprengstoff gebraucht. Unklar ist, warum der Stoff seit 2013 in Beirut lagerte. Die Regierung stellte mehrere Hafen-Mitarbeiter unter Hausarrest.

Ein Krater mit einem Durchmesser von rund 200 Metern, gesprengte Fassaden und eine Druckwelle, die noch in vielen Kilometern Entfernung zu spüren war - das bewirkte die verheerende Explosion in Beirut. "In dieser Größenordnung wird die Explosion eher von einer Atombombe heruntergerechnet als von einer konventionellen Bombe hoch", sagte der Leiter des britischen Sprengmittel-Räumdienstes Alford Technologies.

Ammoniumnitrat für mehrere Explosionen verantwortlich

Ausgelöst wurde das Unglück offenbar durch 2750 Tonnen Ammoniumnitrat. Das weiße, geruchlose Salz wird für Düngemittel und Sprengstoff eingesetzt und war in den vergangenen Jahrzehnten bereits für zahlreiche verheerende Explosionen verantwortlich - bei Unfällen und Anschlägen. Der Attentäter des Anschlags in Oklahoma City 1995 mit 168 Toten verwendete beim Bau der Bombe zwei Tonnen der Substanz. In einer Chemiefabrik im französischen Toulouse kamen bei der Explosion von rund 300 Tonnen Ammoniumnitrat 2001 insgesamt 31 Menschen ums Leben. Auch bei einer Explosion in einer Düngemittelfabrik in Texas starben im Jahr 2013 15 Menschen. In Asien kam es ebenfalls zu Unglücken mit der Chemikalie: Bei einem der schwersten Industrieunfälle in China kamen 2015 bei der Explosion von Ammoniumnitrat in der Hafenstadt Tianjin 165 Menschen ums Leben. In Nordkorea detonierte 2004 ein mit der Substanz beladener Zug, 161 Menschen starben. 

Normalerweise wird die Chemikalie unter strengen Sicherheitsvorkehrungen gelagert: So muss sie etwa von Brennstoffen und Wärmequellen ferngehalten werden. In vielen EU-Ländern muss Ammoniumnitrat zudem mit Kalk versetzt werden, um es sicherer zu machen.

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Explosionen in Beirut

Ein Drohnenbild zeigt den Explosionsort im Hafen vom Beirut.

Beirut am Tag danach: Ein Drohnenbild zeigt die Schäden in der Stadt. Die Gebäude in der Nähe des Explosionsortes im Hafen sind eingestürzt. Die Explosionen waren im gesamten Land zu hören. | Bildquelle: AP

Warnungen vor Katastrophe

Warum das Ammoniumnitrat offenbar seit 2013 im Hafen von Beirut lagerte, ist unklar. Beobachter machen die Behörden verantwortlich. Laut Medienberichten wussten sowohl Hafenbehörden als auch Zoll- und Sicherheitsdienste von der gefährlichen Chemikalie im Hafen. Nun schieben sie sich gegenseitig die Verantwortung für das Unglück zu, wie es aus Sicherheitskreisen heißt.

Im Laufe der Jahre bat der Zoll mehrmals darum, dass das Ammoniumnitrat entfernt wird - denn sonst, so eine Kommission vor sechs Monaten, könnte es "ganz Beirut in die Luft jagen". Doch passiert ist nichts.

Brennpunkt - Beirut in Trümmern
Eine Explosion am Hafen von Beirut hat dramatische Konsequenzen: Mindestens 100 Tote, etliche zerstörte Gebäude in der libanesischen Hauptstadt, deren Bewohner jetzt obdachlos sind. Auch die Lebensmittel werden knapp.

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Regierung stellt Hafen-Personal unter Hausarrest

Nach der Explosion wurde eine nicht genannte Zahl von Hafen-Verantwortlichen unter Hausarrest gestellt. Das verkündete Informationsministerin Manal Abdel Samad nach einer Kabinettssitzung. Libanons Präsident Michel Aoun nannte die Versäumnisse "inakzeptabel" und versprach eine zügige und transparente Aufklärung der Umstände.

Doch auch wenn die Lagerung unsachgemäß war - alleine entzünden kann sich Ammoniumnitrat nicht, wie Ernst-Christian Koch, Spezialist für Explosivstoffe an der TU-Kaiserslautern, im ARD-Brennpunkt erklärte. Dafür sei ein größeres Feuer oder eine Explosion notwendig. Sicherheitskreisen und Medienberichten zufolge könnten Schweißarbeiten an einer Lagerhalle die Explosion ausgelöst haben. Laut Koch deuten die Bilder der Detonationen darauf hin, dass zuerst gelagerte Feuerwerkskörper brannten und dann das Ammoniumnitrat entzündet wurde.

Eine Untersuchungskommission soll dem libanesischen Kabinett innerhalb von fünf Tagen einen ersten Bericht zu den Umständen der Detonation vorlegen, kündigte die Regierung an.

Mit Informationen von Carsten Kühntopp, ARD-Studio Kairo

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