Blick auf die zerstörte Hafenanlage in Beirut | Bildquelle: AP

Ermittlungen gegen Zollchef Erster Haftbefehl nach Beirut-Explosion

Stand: 18.08.2020 07:24 Uhr

Nach stundenlangen Verhören hat ein Richter einen Haftbefehl gegen den libanesischen Zollchef des Beiruter Hafens ausgestellt. Die Polizei nahm ihn bereits vor Tagen fest. Er hat bisher immer seine Unschuld beteuert.

Nach der massiven Explosion in der libanesischen Hauptstadt Beirut hat ein Richter einen Haftbefehl gegen den Zollchef des Hafens, Badri Dahir, erlassen. Der Richter habe Dahir mehr als vier Stunden befragt, ehe er seine Verhaftung anordnete, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur NNA.

In einem Interview mit dem Sender LBC hatte der Chef des libanesischen Zolls zwei Tage nach der Explosion noch seine Unschuld beteuert und gesagt, dass er im Laufe der Jahre fünf oder sechs Briefe an die Justiz geschickt hätten mit der Bitte, das gefährliche Ammoniumnitrat zu beseitigen. 

Mehr als 16 Festnahmen nach der Katastrophe

Mehr als 16 Personen seien im Zuge der Ermittlungen zu der Katastrophe bisher festgenommen worden, hieß es aus Justizkreisen. Zollchef Dahir, sein Vorgänger Schafik Marhi, sowie Hafendirektor Hassan Kuraitim sollen bereits seit elf Tagen in Haft sitzen.

Die verheerende Explosion am 4. August mit mindestens 180 Toten und 6000 Verletzten soll durch große Mengen Ammoniumnitrat verursacht worden sein.

300.000 Menschen wurden obdachlos

Rund 2750 Tonnen waren nach Regierungsangaben über Jahre ohne Sicherheitsvorkehrungen im Hafen gelagert worden. Sie sollen von einem Schiff aus der ehemaligen Sowjetunion stammen, das 2013 konfisziert worden war. Das Material wird für die Herstellung von Düngemittel, aber auch von Sprengstoff gebraucht.

Bei der verheerenden Explosion wurden 300.000 Menschen obdachlos und große Teile der Stadt stark beschädigt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 18. August 2020 um 08:00 Uhr.

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