Demonstranten in Minsk mit den weiß-rot-weißen Fahnen der Opposition. | Bildquelle: AFP

Belarus Erneut viele Festnahmen bei Protesten

Stand: 13.12.2020 17:04 Uhr

Bei Protesten in Belarus sind erneut zahlreiche Menschen festgenommen worden. Auf Videos im Nachrichtenkanal Telegram soll zu sehen sein, wie Sicherheitskräfte teils gewaltsam gegen Demonstrierende vorgingen.

Erneut haben in Belarus Tausende Menschen gegen Staatschef Alexander Lukaschenko protestiert. Dabei gingen Sicherheitskräfte in der Hauptstadt Minsk gegen die Demonstranten vor. Zahlreiche Menschen wurden festgenommen.

Laut der Nachrichtenagentur dpa zeigten Videos im Nachrichtenkanal Telegram, wie Menschen vor vermummten Einsatzkräften wegliefen. Zu sehen war demnach auch, wie Demonstranten abgeführt wurden und Polizisten mitunter auf sie einschlugen.

Das Menschenrechtszentrum Wesna listete zunächst die Namen von mehr als 130 Festgenommenen auf. Vor einer Woche waren mehr als 300 Menschen festgenommen worden.

Dezentrale Proteste

Seit Mitte August gehen in Belarus Menschen regelmäßig sonntags auf die Straße, um zu protestieren. Sie fordern den Rücktritt Lukaschenkos, der schon mehr als 26 Jahre an der Macht ist. Immer wieder kam es dabei zu Massenfestnahmen.

Im Gegensatz zu den zentralen Protesten kurz nach der Wahl vom 9. August versucht die Opposition inzwischen, mit vielen kleinen Demonstrationen die Strategie der gewaltsam vorgehenden Sicherheitskräfte zu durchkreuzen. Auch dieses Mal beteiligten sich Tausende Menschen an den Aktionen. Sie versammelten sich zunächst in ihren Wohnvierteln und schlossen sich danach zu größeren Gruppen zusammen. In anderen Städten des Landes kam es ebenfalls zu Protesten.

Tichanowskaja trifft Steinmeier

"Dieser Sonntag ist der 18. Sonntag in Folge, an dem die Menschen zeigen, dass sie bereit sind, ihre Rechte weiter zu verteidigen", sagte die Bürgerrechtlerin Swetlana Tichanowskaja. Die 38-Jährige war bei der umstrittenen Präsidentenwahl gegen den Staatschef angetreten. Der 66-Jährige hatte sich danach mit 80,1 Prozent der Stimmen für eine sechste Amtszeit bestätigen lassen. Die EU erkennt ihn nicht mehr als Präsidenten an.

Für die Opposition ist Tichanowskaja die wahre Siegerin. Sie floh nach der Wahl ins Ausland. Am Montagnachmittag will sie in Berlin Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier treffen. Danach werde sie nach Brüssel weiterreisen und Gespräche mit dem EU-Außenbeauftragten Josep Borrell und Abgeordneten des EU-Parlaments führen, teilte die Oppositionsführerin mit. "Die wichtigste Aufgabe dieses Besuchs ist es, Gewalt und Gesetzlosigkeit gegen Belarussen zu stoppen."

Einige tausend Menschen bei dezentralen Protesten in Minsk - viele Festnahmen
Stephan Laack, WDR
13.12.2020 20:44 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 13. Dezember 2020 um 15:41 Uhr.

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