Swetlana Tichanowskaja | Bildquelle: dpa

Oppositionskandidatin in Litauen Tichanowskaja hat Belarus verlassen

Stand: 11.08.2020 10:50 Uhr

Fühlte sie sich im eigenen Land bedroht? Die belarussische Oppositionskandidatin Tichanowskaja ist nach der umstrittenen Präsidentenwahl nach Litauen ausgereist - eine schwierige Entscheidung, wie sie sagt.

Nach der Präsidentenwahl in Belarus hat die Oppositionskandidatin Swetlana Tichanowskaja das Land verlassen und hält sich im EU-Land Litauen auf. Die 37-Jährige sei nun in Sicherheit, twitterte der litauische Außenminister Linas Linkevicius. 

Sie selbst meldete sich bei YouTube zu Wort: "Ich habe eine schwierige Entscheidung getroffen - und zwar ganz für mich allein." Sie habe bei ihren Kindern sein wollen. Gestern noch hatte Tichanowskaja bei einer Pressekonferenz gesagt, dass sie im Land bleiben und weiter kämpfen werde. Sie beansprucht den Sieg bei der Präsidentenwahl vom Sonntag für sich.

Verwirrung um Hintergründe

Am Morgen hieß es aus ihrem Wahlkampfteam, die belarussischen Behörden hätten sie außer Landes gebracht. Doch sowohl die Behörden, als auch Tichanowskaja widersprachen, dass sie gezwungen worden sei.

Tichanowskaja hatte sich aber auch massiv bedroht gefühlt von den Sicherheitskräften um den autoritären Präsidenten Alexander Lukaschenko. Der 65-Jährige hat mit dem Einsatz der Armee gedroht, um seine Macht auch nach 26 Jahren für eine sechste Amtszeit zu verteidigen.

Kinder in Sicherheit, Mann in Haft

Tichanowskaja hatte schon vor der Wahl ihre Kinder außer Landes bringen lassen. Ihr Mann Sergej Tichanowski, ein regierungskritischer Blogger, sitzt in Haft. Tichanowskaja war an seiner Stelle bei der Wahl angetreten und hatte als einzige Oppositionelle eine Zulassung als Kandidatin erhalten.

Gestern gingen den zweiten Abend in Folge viele Menschen gegen den offiziellen Ausgang der Wahl auf die Straße. Die Demonstranten werfen Lukaschenko vor, das Ergebnis gefälscht zu haben. Es gab erneut Zusammenstöße mit der Polizei.

Weitere Proteste nach umstrittener Präsidentschaftswahl
tagesschau 12:00 Uhr, 11.08.2020, Ina Ruck, ARD Moskau

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Ein Toter unter den Demonstranten

Die Einsatzkräfte sperrten ganze Straßen ab und nahmen insgesamt 30 Personen fest. Ein Reporter der Nachrichtenagentur Reuters berichtete, die Polizei hätte mehrere Demonstranten aus der Menschenmenge gezogen und mit Schlagstöcken angegriffen. Augenzeugen berichteten von blutüberströmten Menschen.

Nach Angaben des belarussischen Innenministeriums kam ein Protestierender ums Leben. Die Person habe einen Sprengsatz werfen wollen, doch sei er noch in ihrer Hand explodiert, teilte Ministeriumssprecher Alexander Lastowsky mit.

"Ein historischer Abend"

Nach Meinung von Beobachtern war die vergangene Nacht von noch mehr Gewalt geprägt als die vorherige, als es etwa 100 Verletzte und 3000 Festnahmen gegeben hatte. In sozialen Netzwerken kursierten Fotos von Uniformierten, die sich demonstrativ auf die Seite der Demonstranten stellten. Sie wurden als "Helden" gefeiert.

Die Oppositionsbewegung hinter Tichanowskaja, "Ein Land zum Leben", von einem "historischen Abend". Die Tage von Lukaschenko seien nach den Exzessen mit Gummigeschossen und Blendgranaten gegen die Bürger gezählt. "Der Sieg über den Tyrann in den nächsten Tagen ist einfach offensichtlich."

Fassungslosigkeit unter den Wählern

Dass Lukaschenko die Wahl mit 80 Prozent der Stimmen gewonnen haben soll, macht viele in Belarus fassungslos. "Die Zahlen, die jetzt bekannt gegeben wurden, sind lächerlich. Wenn sie über 40 Prozent gesagt hätten, könnte es noch stimmen. Aber was da präsentiert wurde, ist natürlich eine Lüge", kommentierte ein Mann. Und eine Frau sagte: "Den verrückten Warteschlangen vor den Wahllokalen nach zu urteilen, konnte Lukaschenko nicht gewinnen. Das ist nicht wahr."

Für heute haben die Gegner Lukaschenkos zu einem landesweiten Streik in den Staatsbetrieben aufgerufen.

Mit Informationen von Martha Wilczynski, ARD-Studio Moskau

Zweite Protestnacht in Belarus
Martha Wilczynski, ARD Moskau
11.08.2020 08:58 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 10. August 2020 um 10:45 Uhr.

Darstellung: