Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu begrüßt seinen aserbaidschanischen Amtskollegen. | Bildquelle: AP

Hilfe für Aserbaidschan in Bergkarabach Türkei schließt Militäreinsatz nicht aus

Stand: 30.09.2020 13:52 Uhr

Während der UN-Sicherheitsrat ein sofortiges Ende der Gefechte in Bergkarabach fordert, erklärt sich die Türkei grundsätzlich zur Militärhilfe bereit: Wenn nötig, werde man den Verbündeten Aserbaidschan mit allen Mitteln unterstützen.

Im Konflikt um die Region Bergkarabach schließt die Türkei militärische Hilfe für Aserbaidschan nicht grundsätzlich aus. "Wir haben gesagt, dass wir natürlich mit allen Mitteln an der Seite von Aserbaidschan stehen werden, wenn Aserbaidschan das auf dem Feld lösen will", sagte der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu. Wenn von Aserbaidschan gefordert, werde man "das Nötige tun". Derzeit brauche das Land allerdings keine Unterstützung, so Cavusoglu.

Der seit Jahrzehnten dauernde Konflikt zwischen Aserbaidschan und Armenien um die Region Bergkarabach war am Sonntag wieder aufgeflammt. Mehr als 100 Menschen wurden seitdem getötet.

Türkei kritisiert Macron

In Richtung des französischen Präsidenten Emmanuel Macron sagte Cavusoglu, Solidarität mit Armenien zu zeigen, ohne sich um Aserbaidschan zu sorgen, bedeute, die Besatzung zu unterstützen. Macron hatte zuvor Aserbaidschan in die Verantwortung genommen. Es sei erwiesen, dass die Schüsse am Sonntag, als der Konflikt wieder aufflammte, aus Aserbaidschan gekommen seien, sagte Macron bei einem Staatsbesuch in Riga. Er habe die Möglichkeit gehabt, mit dem armenischen Regierungschef Nikol Paschinjan und dem aserbaidschanischen Präsident Ilham Aliyev zu sprechen.

"Existenzielle Bedrohung"

Paschinjan und Aliyev äußerten sich ihrerseits im russischen Staatsfernsehen zu dem Konflikt. Beide beschuldigten sich weiterhin gegenseitig, die Kämpfe angefangen zu haben. "Armenien verstößt absichtlich gegen den Verhandlungsprozess und stellt inakzeptable Forderungen", sagte Aserbaidschans Präsident Aliyev und nannte die armenische Regierung ein "Diktatur-Regime".

Armeniens Ministerpräsident Paschinjan wiederum bezeichnete den aktuellen Krieg als "existenzielle Bedrohung" für sein Volk: "Die aserbaidschanische Regierung hat lange Zeit Hass gegen Armenier verbreitet und seit langem damit gedroht, dass sie das Problem Bergkarabach im Gegensatz zu internationalen Appellen mit militärischen Mitteln lösen wird."

Türkei ist Verbündeter von Aserbaidschan

Bergkarabach wird von Armenien kontrolliert und gehört völkerrechtlich zum islamisch geprägten Aserbaidschan. In einem Krieg nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion verlor Aserbaidschan die Kontrolle über das Gebiet. Es wird heute von christlichen Karabach-Armeniern bewohnt. Armenien setzt auf Russland als Schutzmacht, die dort Tausende Soldaten sowie viele Waffen stationiert hat. Das öl- und gasreiche sowie militärisch hochgerüstete Aserbaidschan hat die Türkei als Verbündeten.

Mit Informationen von Palina Milling, ARD-Studio Moskau

Erdogan: Armenien soll sich aus Bergkarabach zurückziehen
Isabel Gotovac, ARD Istanbul
30.09.2020 15:35 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 30. September 2020 um 05:14 Uhr.

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